Pfingstumsingen in Lügde

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Eine Amsel auf dem
Dachfirst

Ein Meistersinger auf seiner Bühne.


Für die, die erst später zuschalten: Heute ist Pfingstsonntag. Zur Definition und zur Wiederholung:

Das Pfingstfest ist ein Hochfest, an dem das – von Jesus Christus angekündigte – Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird, und zugleich der feierliche Abschluss der Osterzeit.

de.wikipedia.org: Pfingsten als christliches Fest

Für einige Einwohner von Lügde heißt das: Heute ist Umsingen angesagt. Das Pfingst-Umsingen ist wie das Dreikönigssingen – nur anders, also ohne Verkleidung. Und es ist dann meist wärmer draußen, weil nicht am 6. Januar sondern am Pfingstsonntag um-gesungen wird.

Schüler der Grundschule Sankt Marien Lügde gehen heute in kleinen Gruppen von Haus zu Haus und tragen mindestens ein Lied vor. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Textpassage:

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein […]

de.wikipedia.org: Veni creator spiritus

Wohin mich der Schöpfer Geist gebracht hat, seht Ihr ja gerade.

Oben schrub ich „mindestens ein Lied“. Ein Lied war Pflicht. Das hatten wir dann auch in der Schule trainiert. Soweit ich mich erinnern kann, hatte jede Klasse oder jede Jahrgangsstufe ein anderes Lied eingeübt. Aber alle Lieder hatten etwas mit diesem Geist, dem heiligen, dem Schöpfer zu tun. Also ümmer [1] passend zum Thema des heutigen Tages.

Manchmal kam es vor, dass die Leute, die wir mit unserem engelsgleichen Gesang beglückten, nach einer Zugabe verlangten – zum Beispiel nach der drölften Strophe des Liedes. Das waren dann die Momente, indem der Schöpfergeist in uns sein wahres Ausmaß zeigte – er ließ uns im Stich. Ümmer.

Doch das schreckte uns nicht ab, auch dann die Hand auszustrecken. Denn schließlich ging es uns um eine gute Gage und nicht um den guten Gesang. Die eingesammelte Gage war nämlich für die Finanzierung einer fulminanten Klassenfahrt, zum Beispiel zur Schleuse nach Minden, extrem wichtig. Mitunter sollen mit der Gage auch soziale Projekte bezuschusst worden sein. Aber genau weiß ich das nicht, schließlich war ich Sänger und kein spröder Buchhalter.

Das Pfingst-Umsingen ist, wie der Osterräderlauf, ein uralter Lügder Brauch. Es soll aus der Zeit von Pfarrer Johannes Nußbaum stammen, der von 1624 bis 1668 in Lügde tätig war.

[…] Dadurch wird die Erinnerung an diese Zeiten in der Bevölkerung wachgehalten. Bei dem schwierigen Werk der Wiedereinführung des katholischen Glaubens hatte Nußbaum es verstanden, die Kinderwelt an sich zu ziehen. Er übte den Kindern kleine fromme Liedchen ein, die dann den Eltern vorgesungen wurden. […]

— Edmund Schlieker, Aus der Geschichte der Stadt Lügde, I. Band, Seite 98, Pfingst-Umsingen

N-a-a-ja.

Wie dem auch sei – seid offen für den Schöpfer Geist. Er könnte heute Ausgang haben. Lasst Euch von ihm mit Inspirationen betanken. In diesem Sinne –

schöne Pfingsten noch.


[1] Ümmer steht für immer. Mir ist aufgefallen, dass viele Lügder das I manchmal wie ein Ü aussprechen. Das klingt dann ein bisschen so, als käme das Ü nicht von „mitte-unten“ sondern von „unten-unten“. Das erkennt man gut an dem Unterkiefer, der für dieses unterirdische Ü (stellvertretend für das I) eigens etwas nach vorn geschoben wird.