Nur 10 Prozent informieren sich im Internet

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Drähte aus Metall: Detail eines
Kunstwerkes.

Teil des Ganzen

»Machen wir uns doch nichts vor! 90 Prozent der Leute lesen die Zeitung! Und nur 10 Prozent informieren sich auch im Internet.« Das hörte ich diese Woche einen Manager sagen. Er sagte das mit einer Deutlichkeit, die keinen Zweifel offen ließ. – Bei ihm nicht.

Ich frage mich: Warum redet dann alle Welt – übrigens auch der Manager – davon, wie wichtig es sei, die Datenautobahnen auszubauen? Für 10 Prozent der Leute machen wir so einen Wirbel? Oder machen wir den für die 90 Prozent? Und wenn ja, warum? In den Zeitungen steht doch alles. „Und was in der Zeitung steht, das stimmt!“ Das behaupte nicht ich, aber ich bekomme das ständig zu hören.

Okay, ich habe die Aussage des Managers aus dem Kontext des Gespräches herausgerissen. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, meinte er: Die Leute holen sich ihre Informationen eher aus der Zeitung, als von „irgendwelchen Homepages“.

Ich habe mir daraufhin noch mal die Website seiner Organisation angeschaut. Die Organisation des Managers hat eine Art Monopolstellung, also einen festen Kundenstamm. Entsprechend müsste auch die Website der Organisation einen festen Leserstamm haben. Stellt man den festen Kundenstamm der Organisation den maximal erreichbaren Kundenstamm gegenüber, so müsste der Anteil der Leserinnen und Leser dieser Website weit höher als 10 Prozent sein. – Eigentlich. Gut, das müsst Ihr mir jetzt einfach glauben.

Wie auch immer. Aber müsste sich heute nicht jeder Manager die Frage stellen: Woran liegt es, dass nur 10 Prozent unserer Kunden regelmäßig unsere Website besuchen?

Und vielleicht stellen sich dann auch Fragen wie: Warum informieren sich unsere Kunden über „unsere Produkte“ woanders? Informieren wir auf unserer Website überhaupt über alle Produkte – besonders über die, die unsere Kunden brennend interessieren?

Wie kundenfreundlich sind wir eigentlich? Informieren wir auch über Produkte, die vielleicht nicht aus unserer Werkstatt kommen, aber mit uns in Zusammenhang gebracht werden? Informieren wir über vermeintlich fremde Produkte, wozu unsere Kunden auch von uns Antworten erwarten?

Zurück zur Aussage des Managers: „Nur 10 Prozent der Leute informieren sich im Internet.“ Wenn er damit auch die Website seiner Organisation gemeint hat, und davon gehe ich mal aus, dann könnte es sich bei seiner Statistik um die Folge einer selbsterfüllenden Prophezeiung handeln.