Meine Antworten zum Online-Check der Grünen in NRW

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Zugegeben, ich war anfangs genervt, als ich von dem Online-Check der Grünen in NRW hörte. Denn ich dachte zunächst an „meine“ Kritiker vor Ort mit ihren diffusen Vorstellungen darüber, wie eine Website auszusehen hat. Der Online-Check der Grünen ist dagegen ungleich konkreter. Darum werde ich hier auch gezielt darauf eingehen.

1. E-Government

a) Ratsinformationssystem: Ich hätte hier weniger Punkte vergeben. Mir ist unseres zu unübersichtlich. Mal schauen, was wir daran noch „drehen“ können.

b) Online-Services: Wir haben vor Jahren ein riesiges Online-Formular-Depot eingekauft. Für fast alle Dienstleistungen waren sie hinterlegt. Sie sind jedoch kaum genutzt worden. Manchmal passten sie auch nicht zu den individuellen Anforderungen vor Ort. Letztendlich standen Kosten und Nutzen dieses Formular-Paketes jedoch in keinem Verhältnis. Also haben wir das Angebot herausgenommen.

[Anmerkung 1:] Ich habe den Eindruck, dass wir in Lügde in den zurückliegenden Jahren schon oft sehr weit vorn mit unseren Angeboten im Netz lagen. Aber die Vorteile und Möglichkeiten dieser Angebote sind von vielen Benutzern – vor und hinter „der Bühne“ – in der Vergangenheit oft nicht erkannt worden.

c) Dienstleistungen anderer Behörden anbieten: Auch daran haben wir in der Vergangenheit schon gedacht: „Ja, wir werden häufiger danach gefragt. Dafür ist aber eigentlich der Kreis zuständig. Dennoch haben wir ein paar kleine Vorabinfos für Sie aufbereitet. Aber wer könnte sie besser informieren, als der Fachleut selbst (externer Deep-Link).“

Problem 1: Oft haben sich die hier verknüpften Deep-Links im Laufe der Zeit überholt. Was nicht schön, aber normal ist. Allein luegde.de ist schon viermal umgezogen. Was immer zur Folge hatte, dass nicht alle „Seiten-Adressen“ gerettet werden konnten. Wer also auf solche Seiten verlinkt hat, hatte anschließend einen Nirwana-Link.

Problem 2: Oft ändern sich auch die Rahmenbedingungen wie die Vorschriften oder die Anforderungen an der Mitwirkung. Das bekommen die, die mit der Dienstleistung primär nichts zu tun haben, meistens erst sehr spät mit. Folge: Solche Angebote sind dann überholt und führen bei den Besucher_innen zu Frustration.

Ich bin der Meinung, die Gemeinden sollten sich im Netz auf ihre eigenen Aufgaben/Dienstleistungen konzentrieren.

d) App: Hier ist mir nicht klar, welchen Vorteil es hat, eine App einzukaufen. Wenn eine App als Nebenprodukt – wie zum Beispiel beim Einkauf eines Mängelmelders – zu haben ist, habe ich kein Problem damit.

2. Beteiligung und offene Verwaltung (Open Government)

a) Anliegen-Management / Mängelmelder: Einen Mängelmelder hatten wir bis zum Relaunch von luegde.de. Er ist jedoch kaum genutzt worden (siehe dazu auch: Anmerkung 1). Dennoch: Seit einigen Wochen steht er wieder auf unserer To-Do-Liste. Wir haben jedoch noch kein Produkt gefunden, welches uns zusagt.

Vor dem Relaunch hatten wir unter luegde.de den Besucher_innen die Möglichkeit angeboten, unsere Beiträge zu kommentieren. Davon ist in den Jahren ebenfalls nur wenig Gebrauch gemacht worden – meines Erachtens viel zu wenig, um die Kommentarfunktion einzukaufen, was wir bei dem neuen CMS tun müssten.

b) Online-Bürgerhaushalt: Mich würde es freuen, wenn wir in Lügde uns mal daran wagen. Ansatzweise haben wir das schon mal gemacht und daran gelernt: siehe Lügde spart: Was haben wir gelernt?

c) Bürgerbegehren / Beteiligungsverfahren: Für das große Projekt „Lügde 2010“, wozu die Erneuerung der Mittleren Straße, die Neugestaltung des Markt- und Kirchplatzes und auch der Emmerauenpark gehören, ist lange Zeit ein eigenes Blog geführt worden. Allerdings:

[Anmerkung 2:] Solche Onlineangebote wie ein Bürger-Haushalt oder ein Beteiligungsverfahren nehmen sehr, sehr viel Arbeitszeit in Anspruch. Mir ist klar, wie wichtig sie heute, im Zeitalter des Internets sind (siehe: Warum es sich lohnt, im Netz zeitnah zu dokumentieren). Mein Lieblingsbeispiel, welches aber leider nur einen kleinen Zeitabschnitt der Bauphase spiegelt, ist das Projekt: Der Bau der Umgehungsstraße in Lügde – Wie gesagt: Ich bin sehr für gute Online-Services und Online-Beteiligungsmöglichkeiten. Aber es wird noch von vielen Menschen unterschätzt, wie unglaublich zeitintensiv es ist, solche Angebote zu betreuen (siehe Lügde: Noch eine Website nebenher?).

d) Präsenz in sozialen Medien: Hier hat Lügde einen Punkt für die Facebook-Seite des Lügder Marketing Vereins bekommen – siehe dazu aber auch meine Meinung: Sollte sich eine Stadtverwaltung auf Facebook präsentieren?

3. Datenbereitstellung

a) Datenbereitstellung: Leider weiß ich nicht, was genau die Grünen hier bewertet haben. Aber das mir Transparenz und Vollständigkeit wichtig ist, lässt sich vielleicht schon an diesen Ausführungen zu dem Online-Check der Grünen in NRW erkennen.

b) Open Data: Gehört zu meinen akutellen Lieblingsthemen. Deswegen gibt es zum Beispiel im Webangebot von luegde.de unter dem Menüpunkt Abgaben auch die Steuer- und Gebührensätze der Vorjahre zu sehen. Mich würde aber interessieren, was genau die Grünen in NRW sich unter „Open Data Angebote“ vorstellen: Welche Daten wären interessant, wie sollten sie angeboten werden und so weiter.

4. Barrierefreiheit

a) Schriftgröße, Kontrast, Sprachausgabefunktion: Von dem Thema „barrierearme Websites“ habe ich mich bereits 2007 im positiven Sinne infizieren lassen. Ich habe die Geschichte nie ganz aus den Augen verloren. Aber manchmal sind einem bereits durch das verwendete CMS die Hände gebunden.

Außerdem habe ich zwischenzeitlich den Eindruck, dass diejenigen Menschen die es wirklich betrifft, bessere technische Lösungen gefunden haben sich die Schriftgröße und/oder den Kontrast zu verstellen, als es die Möglichkeiten auf einigen Websites bieten. Womit ich diese Punkte nicht herunterspielen will. Einige dieser „Regulierungswerkzeuge“ auf den Websites sehen mir jedoch eher nach Alibi als nach echtem Wollen aus.

b) Mehrsprachige Websites: Auch das steht auf unserer To-do-Liste. Weil Lügde aber nun mal keine Weltmetropole ist, brennt uns die Geschichte nicht unter den Nägeln.

c) Design, Usability et cetera: Webdesign – ein prickelndes Thema, und eine unendliche Geschichte. Zum Stichwort Usability habe ich hier (Stichwort Navigation) schon etwas gesagt. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zu den beiden Punkten schreiben, weil dieser Text sonst sieben Seiten länger wird.

Für mich gehört zum Punkt „Barrierefreiheit im Netz“ vor allem die einfache Sprache. Ich gebe zu, auch hier bin ich kein Vorbild. Aber ich arbeite daran – bei jedem Text. Vielleicht darf ich es noch erleben, dass die Behördensprache zu Grabe getragen wird.

Epilog

Ich finde es gut, dass die Grünen in NRW die oben angesprochenen Punkte mit ihrem Online-Check in den Focus gerückt haben. Vielleicht kommt dadurch tatsächlich mehr Schwung in die Sache. Aber diese Dinge umzusetzen kosten Geld. Dabei ist es nicht damit getan, eine Agentur zu beauftragen: Hey, mach mal! Denn „betanken“ müssen die Kommunen die Software. Dafür jedoch muss immens viel Zeit investiert werden – fortlaufend. Denn eine Website ist nie fertig. Das wiederum heißt, es müssen Mitarbeiter_innen für die Aufgaben bereit gestellt werden.

Nach meinen Beobachtungen können sich viele Besucher_innen einer Website jedoch nicht vorstellen, wie viel Aufwand hinter einem gut gemachten Webangebot steckt. Wer auf solche Webangebote verweist und ein gleiches Angebot wünscht, muss also bereit sein, dafür tief in das Portmonee der Gemeinde zu greifen.