Lügde: Noch eine Website nebenher?

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

„Eine Homepage nebenher“, lautet die Überschrift eines Artikels in der heutigen Ausgabe der Pyrmonter Nachrichten. In der Sub-Überschrift heißt es dann: „Wer soll künftig Lügdes Leerstände im Internet präsentieren?/ FWG-Chef: „Lohnt sich das?“ In dem Artikel werde auch ich zitiert:

Das weiß auch Volker Thiele, der mit einer Kollegin die Internetseite der Stadt Lügde neben seiner Arbeit im Rathaus betreut. „Eigentlich macht man das nicht einfach nebenher.“ Ausschlaggebend bei der Gestaltung einer Internetseite sei der inhaltliche Umfang. Und das koste viel Zeit. „Wenn dann eine vernünftige Seite entsteht, ist das auch eine gute Werbung“, sagte er.

— Druckausgabe der Pyrmonter Nachrichten vom 19.1.2014, Seite 11

Regelmäßige Leser von soheit.de brauche ich die Geschichte nicht weiter zu begründen. Für diejenigen Leser_innen die gerade erst zugeschaltet haben, füge ich meiner Aussage noch ein bisschen „Futter“ hinzu.

Als mich gestern die Redakteurin anrief und fragte, wie viel Zeit ich für Betreuung der Website luegde.de benötige, habe ich sie natürlich auch gefragt, welchen Hintergrund ihre Frage hat. Die FWG Lügde habe in den Haushaltsberatungen für 2014 vorgeschlagen, man könne die Website des Leerstandsmanagements nebenher betreuen, erklärte sie mir. Mir war der Vorschlag bis zu dem Zeitpunkt nicht bekannt. Aber auf der kommunalpolitischen Informations-Website der Stadt Lügde gibt es dazu etwas zu lesen:

[…] Die bisherigen Tätigkeiten der verantwortlichen Personen des Ilek-Leerstandsmanagement sind unserer Einschätzung nach für unsere Stadt nicht von riesigem Erfolg gekrönt. Kann auf die Umlage der 5.000 € verzichtet werden, wenn das Leerstandsmanagement in „Eigenregie“ durch die Verwaltung der Stadt Lügde (trotz Mehrarbeit) auf der Internetseite der Stadt Lügde bearbeitet wird (mit entsprechender Personalkostenaufteilung.

— Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lügde, Niederschrift vom 20.1.2014, Tagesordnungspunkt (TOP) 3

Schon das Wort Leerstandsmanagement finde ich – sorry – krank. Aber da es wie das Wort Marketing munter durch die Reihen gespielt wird, will ich mich hier nicht mit der Suche nach einem verständlicheren Begriff aufhalten.

Apropos Marketing: Meines Erachtens gehört das Leerstandsmanagement zum Marketing einer Stadt. Insofern bin ich etwas verwundert. Denn wann immer jemand eine oder mehrere Ideen hat Lügde zu „beleben“ und nach vorn zu bringen, fallen diese beiden Begriffe: Leerstandsmanagement und Marketing. Daraus habe ich (bislang) geschlossen, dass das Thema wichtig ist. „Nebenher“ impliziert jedoch: Es ist nicht wichtig. Aber das nur „nebenbei“. Womit wir beim Stichwort wären:

Eine Homepage nebenher

Die Ausgangsfrage war: Kann man eine Website die das Leerstandsmanagement der Stadt Lügde zur Aufgabe hat nebenher betreuen? »Was heißt nebenher?«, habe ich die Redakteurin gefragt. Wenn 49 Prozent einer Ganztagsstelle damit gemeint ist, könnte man schon einiges erreichen.

Wie gesagt, ich habe mich noch nicht mit der Umsetzung eines solchen Prozesses beschäftigt, aber ich versuche trotzdem mal zu erklären, welcher Aufwand damit möglicherweise verbunden ist. Und nicht ohne Grund habe ich gerade den Begriff Prozess statt Projekt gewählt.

Nehmen wir an, ich möchte ein Gebäude auf einer solchen Website präsentieren. Dann schieße Fotos von dem Gebäude, suche Zeichnungen heraus, lasse mich von unabhängigen Experten über den Bauzustand des Objektes informieren, recherchiere welche Fördermittel bei einer Sanierung möglich wären und welche besonderen Vorschriften bei einem Umbau zu berücksichtigen sind – kurz ich sammele haufenweise Informationsmaterial von dem Gebäude.

Anschließend sichte ich das Material, sortiere es, schneide Fotos zu, digitalisiere Karten, bringe sie auf ein netzfähiges Format und beginne einen aussagekräftigen Text über das Gebäude zu verfassen. Damit wirklich jeder den Text verstehen kann, bemühe ich mich diesen in verständlichen, kurzen Sätzen zu schreiben. Anschließend lade ich Text, Fotos, Kartenmaterial und so weiter hoch und verknüpfe die ganze Geschichte.

Dieser Vorgang, den ich hier in einer Kurzfassung beschrieben habe, kann nach meiner Erfahrung locker einen halben Arbeitstag in Anspruch nehmen.

Nehmen wir weiter an, ich möchte diese Website möglichst schmackhaft für die Leser_innen aufbereiten, weil ich zum Beispiel auch Leute in Hamburg oder München locken möchte, dann werde ich nicht nur das Gebäude, sondern auch das Umfeld präsentieren müssen. Also suche ich auch vom Gebäude-Umfeld Zahlen und Fakten heraus, schieße Fotos von der Straße, der Umgebung, schreibe einen Text darüber und so weiter. Auch dafür werde ich einige Stunden aufbringen müssen.

Was man auch nicht vergessen darf ist die Zeit die es braucht, solche Einträge aktuell zu halten. Rahmenbedingungen, Fördermodalitäten und vieles mehr können sich ändern.

Ich hoffe, dass nachvollziehbar wird: Eine Website die das „Leerstandsmanagement“ zur Aufgabe hat, sollte man nicht mal eben nebenher betreuen. Jeder kann einer Website ansehen, ob sich der Betreiber damit Mühe gibt oder nicht. Erfolg hat eine Website jedoch nur, wenn sich die Leser_innen umfassend informiert fühlen.

Fazit: Nebenher ist halbherzig – das erkennt jeder, und mit Erfolg wird das nicht gekrönt werden.

Einem Freund, mit dem ich mich über diese Geschichte unterhalten habe meinte: »Volker, mit Verlaub, ich weiß dass du viel Herzblut in luegde.de investierst, aber auch bei der Website erkennt man, dass sie nur nebenher betreut wird.« Ich kann ihm nicht widersprechen.