Geschichten von „gemeinsamen Fuß- und Radwegen“

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Eine
Fahrradklingel

Fahrrad-Signalgerät

Auf einem gemeinsamen Fuß- und Radweg zu wandeln ist mitunter – wie soll ich sagen? – unterhaltsam. Egal ob als Fußgänger oder als Fahrradfahrer.

Vielleicht sollte ich vorab noch erwähnen, dass ich mit einem Fahrrad auf die Welt gekommen bin. Es gibt wirklich einige viele, die fest davon überzeugt sind. »Ich habe dich noch nie mit dem Auto gesehen – immer nur mit einem Fahrrad«, meinte neulich noch jemand. Ein Satz, wie er mir so oder ähnlich schon häufiger gesagt wurde. Kurzum, ich konnte noch nicht laufen, da bin ich schon geradelt. Und diese Freude am Fahrradfahren ist bis heute ungebrochen.

Ihr könnt Euch denken, dass ich, von längerer Altersmilde gezeichnet, auf sehr viele Erlebnisse als radelnder Verkehrsteilnehmer zurückblicken kann. Von zwei solcher Geschichten will ich heute berichten. Ich habe sie erst unlängst erlebt – als Fahrradfahrer auf zwei verschiedenen, „gemeinsamen Fuß- und Radwegen“.

Mehrere Kilometer befuhr ich bereits einen mit dem Straßenverkehrszeichen 240 gekennzeichneten Weg – er war für hiesige Verhältnisse recht belebt. Fußgänger wie Fahrradfahrer aber nahmen ruhig und gelassen aufeinander Rücksicht, alles war entspannt. Irgendwann hatte ich eine Fußgängerin vor mir, die von einem Hund an einer Leine geführt wurde. Der Hund hatte es offensichtlich eilig, denn die rund zwei Meter lange Leine war ständig gespannt. Doch Frauchen schien sich nicht bewegen zu lassen, mal einen Gang zuzulegen.

Vorsichtig betätigte ich meine Fahrradklingel, um dem Gespann mitzuteilen, dass ich, wenn es eben möglich ist, überholen möchte. Als ich das zweite mal klingelte, wurde der Hund unruhig und zog noch beherzter an der Leine. Frauchen protestierte lautstark und zog ihrerseits an der Leine – allerdings vergeblich. Noch immer wollte Frauchen von mir keine Notiz nehmen. Ich versuchte es erneut mit einem kurzem Klingeln und einer Frage: »Darf ich kurz vorbeifahren?« Hundchen, nunmehr total genervt, hob zu einer Schimpftirade an. Frauchen keilte zurück. Da ein Vorbeikommen weiterhin unmöglich war, sah zu, dass ich bei der nächsten Möglichkeit von dem gemeinsamen Fuß- und Radweg auf die parallel verlaufende „Autostraße“ wechselte. Während ich an dem Gespann vorbeifuhr bemerkte ich noch: Frauchen trug Kopfhörer…

Einige Wege und Straßen weiter bog ich auf einen schmalen Wiesenweg ab – verkehrsrechtlich ebenfalls ein 240er Weg. Vor mir joggte eine junge Frau. Und vor ihr fuhr ein kleines Kind mit einem Fahrrad. Dem Anschein nach waren es Mutter und Sohn, die gemeinsam eine Feierabendrunde drehten. Die Mama redete auf das Kind ein, nicht so über den Weg zu schlenkern und schneller zu fahren. Sohnemann schien das aber nicht zu beeindrucken, die Kapuze seiner Jacke hatte er vorsorglich über den Kopf und tief ins Gesicht gezogen. Ich klingelte. Mama, nach wie vor mitten auf dem Weg joggend, nahm mich nicht wahr. Ich klingelte noch mal. Die Mama zeigte immer noch keine Reaktion, wohl aber der Sohnemann, der seinerseits seine Fahrradklingel betätigte. Das konnte er schon richtig gut, das Radeln hingegen weniger. Doch wir „verstanden“ uns prima. Über mehrere hunderte Meter klingelten wir uns gegenseitig zu – die joggende Mama zwischen uns bekam davon offenbar nichts mit. Auch nichts von dem, was ich, direkt hinter ihr fahrend, ihr währenddessen so erzählte – denn Mama hatte Stöpsel Kopfhörer „im Ohr“…

Als der Weg so breit wurde, dass ich die beiden gefahrlos überholen konnte, nickte ich den beiden im Vorüberfahren dankend zu. Auch nachdem ich an ihnen vorbei war, morsten klingelten mein kleiner Fahrradfreund und ich noch lange miteinander.

Mein Chef, dem ich von den Fahrradgeschichten erzählte, ist ebenfalls leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Er meinte: »Du hast dein neues Fahrrad nicht richtig ausgestattet. Was du brauchst ist eine richtige Klingel! Ich schicke dir mal einen Link