Ein Farn, ein Farn, ein Farn!

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Mit mehreren Freunden waren wir mit dem Auto unterwegs, als ich, der geborene Beifahrer, auf der rechten Straßenseite einen Verkehrsteilnehmer entdeckte, der sich anschickte ohne Obacht zu geben auf die Fahrbahn zu rennen. »Ein Farn, ein Farn, ein Farn!«, rief ich dem Fahrer zu, um ihn auf den Unachtsamen aufmerksam zu machen. Als meine Freunde diesen ebenfalls ausmachten, lachten sie sich scheckig. Der Farn, der da über die Straße trappelte, war ein Fasan. Aber hey, ich kann dieses „Wortspiel“ begründen. Ich liebe Farne.

Glanzschildfarn

Diesen Glanzschildfarn habe ich am 20.4.2014 aufgenommen, an dem Tag, an dem die Osterräder in Lügde ihren großen Auftritt haben – am Ostersonntag. So wie er mir da in die Kamera blickte, erinnerte er mich an ein Osterrad. Und er erinnerte mich daran, mal über Fasane, Entschuldigung, Farne zu schreiben.

Sichelfarn

Sichelfarn

Farne sind für die meisten Menschen unspektakuläre Pflanzen. Den Eindruck habe ich im Laufe der Jahre gewonnen, weil mich die Leute auf viele Pflanzen in meinem Garten ansprechen – aber ich habe bislang noch keinen Gartenfan erlebt, der mich auf die Fasane in meinem Garten angesprochen hat. Einer etwas länger zurückliegenden Inventur zufolge, wachsen dort ümmerhin 15 verschiedene dieser Roll-up´s.

Strauch-Pfingstrose

Demnach sind Pflanzen erlebbarer, wenn sie blühen. Auf die Strauchpfingstrosen hier, werde ich jedes Jahr angesprochen – wenn sie blühen. Wohingegen ich den leicht bizarren Wuchs der Pflanze besonders interessant finde. Ich habe nichts gegen die Blüte, aber Blüten haben halt immer nur einen relativ kurzen Auftritt. Daher war mir die Antwort auf die Frage: Wie blüht die Pflanze?, nie besonders wichtig bei der Gestaltung meines Gartens.

Rotschleierfarn

Rotschleierfarn

Die ganzen Rhododendren und Azaleen die zurzeit in voller Blütenpracht stehen, habe ich wegen ihrer Blatt-, oder wegen ihrer „Körperform“ gepflanzt. Bei den wenigsten dieser Pflanzen wusste ich, wie ihre Blüten aussehen werden. Ich habe mich damals nach dem „Winterprinzip“ gerichtet: Viele Gärten sehen im Winter traurig, platt, nichtssagend aus. Also dachte ich mir: Ich möchte ein Garten, der auch im Winter noch Charakter hat. Beispielsweise sollte dort auch im Winter noch Farbe zu sehen sein – nicht nur Grün. Ihr wollt wissen, wie ich den Charakter meines Gartens umschreibe? – Verspielt.

Filigranfarn

Filigranfarn

Bevor ich das Thema gänzlich verfehle (das ist mir in der Schule übrigens permanent gelungen): Warum ich Farne mag? Farne haben für mich etwas urtümliches, ursprüngliches:

Im Karbon (vor etwa 360–300 Millionen Jahren) bildeten Farne (in größerer Form als heute, meist Baumfarne genannt) zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen riesige Wälder und schufen die Basis für die heutigen Steinkohle-Vorkommen.[…] Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Farne sind somit wahrscheinlich älter als die Samenpflanzen, die erstmals im oberen Devon auftraten.

de.wikipedia.org/wiki/Farne

Rippenfarn

Rippenfarn

Wie gesagt, vielen Menschen fallen die Roll-up´s nicht ins Auge. Doch sind es nicht nur wunderschöne „Begleiter“, die den Anblick eines Beetes auflockern können – sie sind auch unglaublich vielfältig im Wuchs und Farbe. Manche Farne habe ich anfänglich nicht als solche erkannt. So ein Klassiker ist zum Beispiel der Hirschzungenfarn, ein Fasan, der sich auch im Winter nicht gänzlich verdrückt.

Hirschzungenfarn

Hirschzungenfarn

Die Farne waren es übrigens, die mich den hier schon oft erwähnten Satz prägen ließen: Der Aufmerksame wird belohnt.

Rüsselfarn

Diesen Kumpel hier, habe ich bislang immer Rüsselfarn genannt. Doch nach meinen aktuellen Recherchen, kann das kein Rüsselfarn sein. Ich schaue mal, ob ich seinen wahren Namen noch erotisieren kann.

Gleiches gilt für diesen meinen Freund. Manchmal wundert es mich, wie wenig erpicht ich bin, die Namen all der Pflanzen in meinem Garten zu kennen. Doch wie sagte schon Onkel Johann Wolfgang von Goethe: „Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himmelsglut.“