Der Horror und die Menschlichkeit

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Eine laubleere Baumkrone und der
Mond.

Menschen, die ein Thema leidenschaftlich diskutieren, können einen mitreißen, sie können andere für das Thema begeistern oder sie von ihrem Standpunkt überzeugen – sie können aber auch genau das Gegenteil bewirken. In einer Diskussion haben meistens diejenigen Erfolg, die im Thema sind – fundierte Argumente darlegen, und diese mit den Gegenargumenten nachvollziehbar abwägen.

Ich sollte also nicht nur Argumente haben, ich sollte mir auch die Gegenargumente anhören und in meiner Argumentationskette berücksichtigen. Und ich sollte meine Argumentationskette möglichst ruhig und sachlich vortragen. Klar, das wird umso schwieriger, wenn die Sache um die es geht, mir sehr nahe geht, wenn sie mich direkt betrifft, wenn sie mir Sorgen bereitet, wenn sie mich beängstigt.

Leidenschaftlich hin oder her – was hat das jetzt alles mit der Überschrift „Der Horror und die Menschlichkeit“ zu tun?

Das Buch verschlug uns den Atem: der epische Umfang, die Details, das Abenteuer, der Horror und die Menschlichkeit. Es schien uns ebenso bedeutend wie „Das Tagebuch der Anne Frank“.

Steve McQueen im Vorwort zum Buch „Twelve Years a Slave“, Seite 5.

In dem Buch Twelve Years a Slave sind die Memoiren von Solomon Northup nachzulesen, der in Freiheit geboren, entführt und 12 Jahre lang als Sklave festgehalten wurde.

Was mich an dem Buch beeindruckt hat ist die Art, wie Solomon Northup seine Erlebnisse als Sklave erzählt. Obwohl er den abgrundtiefen Hass von Menschen und den damit verbundenen Horror am eigenem Leib erlebt hat, berichtet er darüber nahezu sachlich. Und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war das auch ein Punkt, der ihm wichtig war – er wollte den Horror dokumentieren, und keine Schmähschrift verfassen.

Für mich sind Menschen wie Solomon Northup Vorbilder: Menschen, die auch dann noch besonnen bleiben, wenn das Leben, eine Krankheit, oder die Boshaftigkeit anderer Menschen sie vor großen Herausforderungen stellt.

Ich hoffe, dass ich mich möglichst oft an solche Menschen erinnere, wenn mal wieder die Leidenschaft mit mir durchgehen will.