Das Internet ist kaputt bevor sie es merken

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Zwei Reiher sitzen auf einem Baum und schauen in dieselbe
Richtung.

Aussichtsplattform für Reiher

»Für diese Videoclips soll es reichlich Fördermittel geben. Unglaublich.« Sie sprach von Videoclips für touristische Zwecke. Einerseits schien sie begeistert, und hoffte mit eigenen Projekten davon ebenfalls profitieren zu können, andererseits schien sie zu irritieren, dass für so etwas so hohe Zuschüsse bereitgestellt werden.

Ich war eher zufällig in die Gesprächsrunde der Marketingexpertinnen geraten. »Das erinnert mich an die Geschichte mit der Bekassine«, dachte ich – offensichtlich laut. Denn ich hatte augenblicklich ihre volle Aufmerksamkeit. »*Hä?!*« stand in ihren Gesichtern geschrieben. »Ich spreche von Sascha Lobos „Rede zur Lage der Nation“ auf der diesjährigen re:publica«, fügte ich erklärend hinzu.

Die Fragezeichen verschwanden nicht aus ihren Gesichtern. »Ihr kennt doch Sascha Lobo?« Zögernd verneinten sie. Jetzt war ich irritiert. »Sagt euch die re:publica etwas?« »Wie ich dich kenne, ist das eine Internetmesse«, erhielt ich zur Antwort. Kurz erklärte ich, was es mit der Bekassine auf sich hat: „Die Bekassine ist euren Eltern mehr wert, als euch das Internet“, meinte Sascha Lobo in seinem Beitrag auf der re:publica 2014.

Der Grund, warum mich die Sache mit den hohen Zuschüsse für touristische Vidoclips an Sascha Lobos „Rede zur Lage der Nation“ erinnert hat ist: Ich war (mal wieder) erstaunt, welche Prioritäten bei den Zuschüssen aus öffentlichen Kassen gesetzt werden.

Aber das ist nicht der Grund dafür, dass ich diesen Text schreibe. Die Geschichte ist nur eine von vielen. Eigentlich dürften sie mich nicht mehr überraschen. Aber trotzdem bin ich es jedes Mal. So viele Menschen twittern, facebooken, posten bis die Papillarleisten abgeschubbert sind – aber wenn ich solche Netzthemen wie Urheberrechte, Recht am eigenen Bild, Netzneutralität, Leistungsschutzrecht mal anspreche, habe ich meistens das Gefühl, die Leute hören mir nur aus Höflichkeit zu.

Das wird sicherlich zu einem sehr großen Teil an mir liegen. Vermutlich gelingt es mir nicht, die Bedeutung dieser Themen genügend herauszustellen. Was wiederum daran liegen könnte, dass ich selbst nicht ausreichend Hintergrundwissen dazu habe.

Als ich mit dem Bloggen begann, erklärte mir ein Freund: »Denk daran, du bloggst für dich.« Und er gab mir den Tipp, dass ich die Netzpolitik den Experten überlassen sollte. »Schreib über lokale Themen.«

Er war es aber auch, der mich vor Jahren auf die Netzpolitik aufmerksam gemacht hat. Er wusste, wie sehr mich das Internet begeistert. Und er wusste von meinem Interesse an juristischen Themen. Oft hat er die Sorge zum Ausdruck gebracht: »Bevor die Leute das Internet in seiner Breite und seinen gigantischen Möglichkeiten entdecken, wird es nicht mehr so sein wie es ist.« Das diese Sorge berechtigt ist, dafür gibt es unzählige Beispiele.

Ich werde weiterhin über lokale Themen bloggen, oder über mehr oder weniger kuriose Dinge, die ich erlebt habe. Aber ich werde hier auch wieder Themen aus der Netzpolitik in den Raum werfen. Zum Beispiel mit den kleinen Link-Listen „Links unten“. Wie gesagt, ich bin auch kein Experte. Aber ich bin besorgt und oft auch entsetzt, was dort, auf den verschiedenen Ebenen der Politik, in netzpolitischer Hinsicht geschieht. Vielleicht kann ich auf diese Weise ein kleines Stück dazu beitragen, dass die Themen von mehr Menschen aufmerksam verfolgt werden.