Auf der Suche nach einer lustigen Geschichte

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Eine Nilgans positioniert sich auf einem
Abfallbehälter

»Du, deine letzten Texte sind sehr ernst. Da schwingt oft so was negatives mit. Du könntest mal wieder einen lustigen Text schreiben.« Vermutlich hat er das verzweifelte Rattern unter meinem spärlichen Kopfhaar gehört und fügte noch ein Beispiel hinzu: »Den Text, in dem du von deinem Leben als dürrer Hering erzählst – den finde ich richtig gut.«

Es ist schön, Freunde um sich zu wissen, die auch mal konstruktive Kritik üben. Doch selbst die Verwandtschaft schreckt davor nicht zurück. Auf der Geburtstagsfeier neulich, wir hatten uns bereits bis zum Abendbrot durchgegessen, meinte meine Nichte: »Also ich finde, Volker [sie meinte tatsächlich mich] ist eindeutig zu dünn.« Ich weiß nicht, worüber meine Nichte und die Gäste am anderen Tischende sich gerade unterhalten haben, aber diese „Feststellung“ ließ alle in der großen Runde hellhörig werden – selbst mich taube Nuss. Für eine gefühlte Ewigkeit wanderten alle Blicke von meiner Nichte zu mir zurück zu ihr, wieder zu mir und so weiter… Wobei meine Nichte und ich uns aus technischen Gründen nur gegenseitig angestarrt haben – sie herausfordernd ich perplex.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Ich wollte nur festhalten: Es gibt viele Möglichkeiten jemandem zu sagen, dass man ihn mag. Mitunter ist es für den Empfänger ein bisschen aufwendig das zu erkennen und herauszufiltern. Aber wenn man dazu bereit ist, und sich nicht von der „Verpackung“ ablenken lässt, klappt das sogar.

Einen Tag später erhielt ich von meiner Nichte, die übrigens viel schlanker ist als ich, eine E-Mail:

Du könntest mal eine Serie über das Thema: Gedanken zur Beziehung zwischen Mensch und Tier schreiben […] zu dem Thema fällt dir als Teilzeithindu doch bestimmt gleich was ein, oder?

Gestern noch viel zu dünn, heute Teilzeithindu. Liebe kann unermesslich sein. Warum nur wollen alle von mir was lesen? Und dann soll es auch noch lustig sein. Aber wenn ich so nett darum gebeten werde, bin ich der allerletzte der sich verweigert (ich stehe auf solche pathetischen Floskeln). Also schrieb ich meiner Nichte: »Du, für Anregungen bin ich dir immer dankbar. Dachtest du an Geschichten wie diese oder jene

Zwischenzeitlich versuchte ich herauszufinden, welche Tiere noch nicht auf dem grünen Gästesofa von soheit.de saßen: Wir hatten hier schon einen Molch, eine Spinne, eine Fliege, einen Igel, eine Schlange, ein Reh, jede Menge Hühner, reichlich Katzen und Pferde – also beinahe die komplette Passagierliste der Arche Noah.

Tiere, Tiere, Tiere, brabbelte ich weiter grübelnd daher, bis die zündende Idee für kurze Zeit mein Oberstübchen erhellte: Hohe Tiere! Von hohen Tieren hast du lange nichts mehr geschrieben. Mit absoluter Mehrheit beschloss ich (nur das blöde Gewissen hatte sich mal wieder enthalten): Den Reigen „Gedanken zur Beziehung zwischen Mensch und Tier“ eröffnest du mit einem Artikel über Politiker. Politiker sind doch hohe Tiere, oder?

Kurz nach dieser Entscheidungsfindung klapperte der Briefkastendeckel – wieder eine E-Mail von meiner Nichte:

Ja genau, an so was in der Art hatte ich gedacht [womit sie jedoch diesen Text meinte] Mein persönliches Bedürfnis ist es immer mein Umfeld von der Schönheit von Tieren und Pflanzen zu überzeugen und sie so anzuhalten, mehr Rücksicht zu nehmen. Ich glaube das gelingt am besten durch persönliche Erlebnisse hübsch anschaulich aufbereitet […] Hast du schon Ideen?

Ob ich schon Ideen habe? Na klar – aus der Reihe hohe Tiere, heute ganz frisch im Programm: Politiker! Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich meine Leser_innen von deren Schönheit überzeugen und sie anhalten kann, mehr Rücksicht auf Politiker zu nehmen.