Wie können Lügde und Bad Pyrmont noch dichter zusammenrücken?

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Bad Pyrmont und Lügde ausgegrenzt, 30.9.2012, 66

Erste Ideen für ein gemeinsames Entwicklungskonzept Lügde / Bad Pyrmont liegen vor“ lautet die Überschrift eines Artikels vom 7.1.2012 unter luegde.de. Vorgestellt werden sollen die Ideen am 17.1.2013 in einem Lügder Restaurant. Da ich noch nicht weiß ob ich an dem Termin teilnehmen kann, habe ich schon ein paar Gedanken dazu „in den Äther“ geschickt: „Bad Pyrmont und Lügde: Gibt es in zehn Jahren nur noch eine Stadt?“ und „Durch die Wiesen von Lügde nach Bad Pyrmont“.

Hier noch ein paar weitere Dinge, die mir zu den aufgeworfenen Fragen (1): „Wie können die beiden Städte im Talkessel – zum Wohl ihrer Bewohner – noch dichter zusammenrücken?“ und „Gibt es in zehn Jahren nur noch eine Stadt?“ eingefallen sind.

Wie suchen wir die Antworten darauf? Der Weg ist wichtig.

Zum Wohl der Bürger – diesen Zusatz in der ersten Frage (1) finde ich entscheidend. Wer kann über das Wohl der Bürger besser entscheiden, als die Bürger selbst? Es reicht meines Erachtens nicht, zwei, drei Treffen anzuberaumen und dann darüber im politischen Raum zu entscheiden. Das ist altes, aber nicht mehr zeit- und zweckmäßiges „Handwerk“. Ich glaube, das Thema ist so bedeutend, dass man sehr intensiv daran arbeiten sollte Bürger_innen zum Mitmachen zu bewegen.

Wenn die Fragen zum Wohl der Bürger_innen beantwortet werden sollen, darf das nicht in Form eines Diktates geschehen, sondern in einem Prozess, an dem sich möglichst viele Bürger_innen einbringen können und wollen. Wollen? Ja, es muss ihnen Spass machen, das zu tun. Ich zum Beispiel mag solche Präsentationen in Restaurants oder anderen öffentlichen Räumen nicht. Das ist mir zu statisch, zu zäh. Es gibt viele Möglichkeiten, so einen Prozess zu gestalten, einige habe ich bereits in meinem ersten Artikel kurz angerissen.

Ein Zusammenwachsen muss in den Köpfen beginnen.

Nun ist es ja kein Geheimnis, dass sich Pyrmonter und Lügder gern auch mal beharken. Das hat Tradition. Es gibt wohl auch in der Geschichte einige Dinge, die dafür manchmal als Grund genannt werden. Mich interessieren die historisch bedingten Animositäten wenig. Dennoch glaube ich, dass man auch sie in dem Prozess deutlich beleuchten sollte. Denn auch solche uralten, unverdauten Kamellen stehen einem „Zusammenrücken“ – einem Zusammenwachsen – entgegen.

Es gibt jedoch nicht nur historisch bedingte Distanzen in den Köpfen von Lügdern und Pyrmontern. Beispiel: Bad Pyrmont ist eine Kurstadt mit viel herrschaftlicher, pompöser Bausubstanz. Lügde ist eine ehemalige Ackerbürgerstadt mit vielen Fachwerkgebäuden. Es braucht nicht viel Phantasie, um daraus Frotzeleien zu kreieren. Sicher kann man mit einem milden Lächeln darüber hinwegsehen, doch solche Hänseleien können sich aufschaukeln und entzünden. Daher würde ich auch diese scheinbare Banalität in dem Prozess mal thematisieren.

Bad Pyrmont ist viel größer als Lügde und kann daher auch auf einer umfangreicheren Klaviatur spielen. Dennoch müssen die Gespräche in Augenhöhe geführt werden, damit die Städte mit breitem Konsens zusammenwachsen können. Hier sind besonders die im Rampenlicht der Presse stehenden Entscheidungsträger gefragt. Sie müssen den Animositäten mit vorbildlichen Verhalten entgegenwirken.

Bevor es richtig losgeht: Wo stehen wir, wer sind wir?

Ich halte es auch für sinnvoll, wenn die beiden Städte in der Anfangsphase in den eigenen Reihen klären, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Je offener und fairer die Antworten darauf gesucht und gefunden werden, desto besser ist das für die späteren, gemeinsamen Gespräche. Es bietet sich an, wenn die Städte – jede für sich – an diesem Punkt auch darüber nachdenken: Wer ist das eigentlich: Die Stadt?. Ich behaupte ja immer noch: Wenn eine Stadt sich gut präsentieren will, wenn sie gewinnen und aufsteigen will, dann müssen Bürger_innen, Politiker_innen, Gewerbetreibende, Verwaltungsleute zu einem Team werden. Und ich glaube, in Lügde könnten wir an der Teamarbeit noch einiges verbessern.

Über die Emmerwiesen zusammenwachsen?

Entstanden sind in diesem Arbeitsstadium drei Rahmenkonzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese reichen von einer stärkeren baulichen Konzentration in den zentralen Bereichen beider Städte über eine so genannte „Flächen-Rochade“ bis hin zu einer baulichen Nachverdichtung entlang dem Emmertal.

…ist hier nachzulesen. Flächen-Rochade, bauliche Nachverdichtung entlang dem Emmertal – aus mehreren Gründen erzeugen die Formulierungen bei mir ein Unbehagen. Ich bin nicht der Meinung, dass wir eine Nachverdichtung entlang dem Emmertal benötigen. In dem Artikel „Durch die Wiesen von Lügde nach Bad Pyrmont“ habe ich mich schon dazu geäußert, warum wir das Emmertal in seiner jetzigen Form erhalten sollten.

Brauchen wir wirkliche eine bauliche Nachverdichtung? Es muss in unseren Genen liegen, dass wir ständig anbauen, neues bauen, obwohl der echte Bedarf dafür oft eher sinkt (2). Wäre es nicht sinnvoller, das was ich habe zu erhalten, zu pflegen, auf den neuesten Stand zu bringen, als dauernd etwas hinzuzufügen, was dann auch noch gepflegt werden muss? Wenn ich das richtig beobachte, haben wir – in Bad Pyrmont wie auch in Lügde – sehr viel Bausubstanz, die leer steht, die saniert werden müsste, für die Eigentümer beziehungsweise Mieter gefunden werden müssten. Wäre es da nicht besser, zunächst alle Energie auf die vorhandenen Bausubstanzen „in Not“ zu konzentrieren?

Wer kennt sie nicht, die Stichworte: demografischer Wandel, Leerstandsmanagement, Stadtmarketing, Naturschutz – und für alles gibt es eigene Behörden, Abteilungen, Ausschüsse, Software und so weiter. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sie eher gegeneinander anstatt miteinander arbeiten.

Weitere Industrie hier im Talkessel anzusiedeln ist nach meiner Einschätzung kaum möglich. Ein Kessel hat halt nur einen begrenzten Raum. Hinzukommt, dass wir sehr weit entfernt von den nächsten Autobahnen liegen. Wie wäre es mit innovativen Dienstleistern? Die brauchen nicht so viel Raum wie die Industrie. Aber auch die benötigen Autobahnen – Daten-Autobahnen, also gute, superschnelle Internetanbindungen. Mit denen können wir allerdings auch nicht dienen. Doch gerade weil uns die „echten“ Autobahnen fehlen, brauchen wir breite, mehrspurige „Daten-Autobahnen“.

Zurück zur Ausgangsfrage: Gibt es für eine bauliche Nachverdichtung wirklich den Bedarf? Ich bezweifle das.

Mir ist klar, ich habe hier viele Punkte nur kurz aufgeworfen und nicht vertieft. Vielleicht werde ich einige von ihnen zu einem späteren Zeitpunkt noch ausleuchten und mit Argumenten bestücken.

  • (1) Pyrmonter Nachrichten, Artikel „Ideen beraten in wechselnden Tischrunden“ vom 27. Oktober 2012, Seite 11
  • (2) Das ist eine Behauptung, ich weiß. Aber ich finde die These sehr interessant, und werde gelegentlich in einem separaten Artikel darauf eingehen.

Update 9.2.2013: In Sachen „Datenautobahn in Lügde“ tut sich etwas.