Wie ein Shetland-Pony zum Ackerpferd wurde

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Shetland-Pony-Plastik in Lügde vor dem Rathaus (28.7.2013,
0102)

Dieses niedliche Ackerpferd vor dem Lügder Rathaus ist in Wahrheit ein…?

Hinweisschild: Shetland-Pony von Prof. Heinrich Drake (28.7.2013,
0091)

Richtig! Es ist ein Shetland-Pony, eine Bonze-Plastik, erstellt von Prof. Heinrich Drake. Ich merke schon, Ihr habt Eure Hausaufgaben gemacht und auch den Text „Lügde, die Acker-Bürger-Pferd-Osterräder-Stadt“ gelesen.

Heinrich Drake (* 15. Februar 1903 in Ratsiek/Lippe-Detmold; † 26. Juli 1994 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

…ist in der de.wikipedia.org zu lesen. Wie ich unlängst schon bemerkte, heißt das: Prof. Heinrich Drake ist ein „Sohn der Stadt“ Lügde – denn Ratsiek ist ein kleiner Ortsteil von Sabbenhausen. Und Sabbenhausen ist ein Ortsteil von Lügde. Soheit so gut. Nur: Zu der Zeit, also 1903, gehörte Sabbenhausen, und auch Ratsiek noch nicht zu Lügde. Einzelheiten dazu gibt es hier zu lesen. Wenn man es also genau nimmt, war Heinrich Drake zwar ein Lipper, aber kein Lügder.

Doch zurück zum Shetland-Pony und zu der Frage: Warum schreibe ich diesen Text? Antwort: Nach dem Bau der Bahnunterführung, der Umgehungsstraße, dem Emmerauenpark, der Umgestaltung der Mittleren Straße werden demnächst die Flächen zwischen der Sankt Marien Kirche und dem Rathaus neu gestaltet. Und dazu gehört eben auch der Marktplatz in Lügde, in dessen Nähe, vor der Giebelseite des Rathauses, die Shetland-Pony-Plastik seinen Dauer-Parkplatz hat. Bis jetzt…

Bronzeplastik „Shetland-Pony“ von Prof. Heinrich Drake vor dem Lügder Rathaus (28.7.2013, 107) – zu sehen ist ein Teil der neu gestalteten Mittleren Straße mit den historischen Fachwerkhäusern.

Ich bin oft gefragt worden, welche Bedeutung diese Plastik hat. Woraufhin ich immer geantwortet habe: »Du meinst das kleine Ackerpferd? Das soll daran erinnern, dass Lügde einst eine Ackerbürgerstadt war.« (Näheres siehe: „Lügde, die Ackerbürgerstadt“) Aber wie oben festgestellt, ist das Pferdchen kein Ackerpferd, sondern ein Shetland-Pony. Warum erzähle ich dann so was?

Für eine genaue Recherche muss ich noch im Archiv herumkramen. Aber soweit mein Kollege, der das Thema seinerzeit als Sachbearbeiter betreute, und ich das in Erinnerung haben, ist die Bronzeplastik „Shetland-Pony von Heinrich Drake“ um 1984 herum aus Ostberlin geholt und aufgestellt worden. Bei der Plastik handelt es sich jedoch um eine Kopie, schilderte mir mein Kollege, das Original würde sich in einem Berliner Museum befinden.

Die Kopie der Bronze-Plastik sei eigens für Lügde in Ostberlin gefertigt worden. Sie von der DDR nach Westdeutschland, hier nach Lügde zu holen wäre eine bürokratisch recht aufwendige Aktion gewesen, erinnerte sich mein Kollege: »dafür waren auch Zollpapiere erforderlich«.

»Was war denn der Grund dafür, die Bronze-Plastik aufzustellen?«, fragte ich ihn. Man habe damals beschlossen, auch in Lügde ein Kunstobjekt von Prof. Heinrich Drake aufzustellen, da er ja ein berühmter „Sohn der Stadt“ ist. (Was, wie oben ausgeführt, nur bedingt korrekt ist.)

Das es nun gerade das Shetland-Pony ist, sei dem damaligen Stadtdirektor Dieter Will wohl zu verdanken. Er habe gemeint, dass das Shetland-Pony am besten zu Lügde passen würde, da sein gedrungener Körperbau dem eines Ackerpferdes ähnlich sei. Und Lügde wäre schließlich eine Ackerbürgerstadt gewesen. Pferde, wie sie als Bronzeplastik vor dem Lippischen Landesmuseum in Detmold zu sehen sind, seien doch eher untypisch für Lügde, hätte er gesagt.

Man habe damals auch lange überlegt, in welche Richtung das Pferd schauen sollte, berichtete mir mein Kollege. Das ist interessant, der Kopf des Pferdes ist in Richtung einer Gaststätte auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewandt.

Rückseite Shetland-Pony-Plastik von Prof. Heinrich Drake (28.7.2013, 0100) – Im Vordergrund die Mittlere Straße, links die Giebelseite des Rathauses und im Hintergrund der Marktplatz mit dem historischen Brunnen.

Ich nehme an, dass die Skulptur mit der anstehenden Neugestaltung des Marktplatzes weichen muss, genauso, wie der Brunnen im Hintergrund des Bildes. Aber wohin mit dem Shetland-Pony, was so lange ein Ackerpferd war? Meine Kollegin meinte, die Plastik könne gut im Emmerauenpark aufgestellt werden: »Dann können auch die Kinder damit spielen.« Eigentlich gehört das Bronze-Pony nach Ratsiek oder Sabbenhausen, gab ich zu bedenken, da Prof. Heinrich Drake in Ratsiek geboren ist. »Stimmt. Man könnte das Pferd in Sabbenhausen aufstellen, dort, wo jüngst das ehemalige Schulgebäude in Sabbenhausen abgerissen wurde. Denn die Fläche soll ja auch schön hergerichtet werden.«

Wir werden sehen und berichten.

Lüchte, 10.8.2013