Werben mit Fotos – aber bitte nicht so…

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Ein alter, großer Baum auf einer
Wiese. Die alte Eiche auf dem Finkenkamp in Lügde (18.4.2010, 0080)

Ob auf Plakaten, Flyern oder auf Websites, Fotos eignen sich hervorragend, um für ein Produkt zu werben. Doch oft werden dafür Fotos verwendet, die kaum oder nichts mit dem Produkt zu tun haben. Hier drei Beispiele:

Auf einem großflächigen Plakat wird für einen Wochenmarkt geworben. Darauf ist ein riesiges Foto von einer lächelnden Obstverkäuferin zu sehen. Ein Bezug zum betreffenden Wochenmarkt ist nicht erkennbar. Im Bildhintergrund oder -Vordergrund ist nichts markantes zu sehen, was auf den Ort in dem der Wochenmarkt stattfindet schließen lässt. Die Obstverkäuferin kann auf irgendeinem der unzähligen Wochenmärkte aufgenommen worden sein – vielleicht ist das Foto sogar in einem Outdoor-Fotostudio entstanden.

In einem Flyer wird die schöne Landschaft mit den vielen Wanderwegen angepriesen. Doch selbst Ortskundige können nicht sagen, welche Örtlichkeit ihrer Heimat auf den Fotos mit den Wanderern festgehalten wird. Bäume, Wiesen, Wege, Zäune – die Foto-Motive sind schön, aber doch irgendwie fremd – beliebig.

Eine Website wirbt für mehrere touristische Angebote. Auf dem Seitenkopf ist das Bild von einem Klatschmohn-Feld zu sehen. Nur Klatschmohn. Viele rote Blüten. Sonst nichts. Schön – aber austauschbar.

Wenn ich solche Bilder entdecke frage ich mich: Warum zum Teufel halten die „Experten“ so wenig vom Wiedererkennungswert? Ist deren Wochenmarkt so uninteressant, ist deren Landschaft so unattraktiv, sind deren touristischen Angebote so langweilig, dass sie mit derartig beliebigen Fotos werben?


Vor ein paar Tagen wurden mir zwei Entwürfe von Flyern gezeigt. Der Flyer soll für einen Wanderweg werben. Auf dem Deckplatt der Flyer-Entwürfe ist der Baum auf dem Foto oben zu sehen. In das Bild von dem Baum ist dieses Steinkreuz als freigestelltes Motiv eines anderen Fotos eingearbeitet worden…

Ein kleines Kreuz aus
Sandstein Das Schafrichterkreuz an der Kiliankirche in Lügde (8.10.2005, 0256)

…so, als würde das Kreuz in unmittelbarer Nähe des Baumes stehen. Auch wenn die Kombination der Motive interessant ist – aber Baum und Kreuz stehen zirka vier Kilometer voneinander entfernt. Das heißt, hier wird mit einer Fotomontage geworben. Der Wanderweg würde aber sowohl an dem Kreuz als auch dem Baum entlangführen, wurde mir versichert. Okay, dann ist es halt ein Suchbild, könnte man den „Strategen“ zugute halten.


»Wenn ich im Internet nach einem interessanten Urlaubsort suche, lasse ich mich schon sehr von den Fotos und dem Design der Webangebote inspirieren.« Ich habe diesen Satz schon unzählige Male zu hören bekommen. Womit ich nicht sagen will, dass es unsinnig ist, sich über eine Website zu informieren. Interessant ist allerdings, dass mir dieser Satz wiederholt auch von Tourismus- und Marketingexperten gesagt worden ist – von denselben Leuten also, die „Fotos“ wie die oben beschriebenen zu Werbezwecken einsetzen.

Mit Authentizität haben solche Bilder meines Erachtens nicht viel zu tun. Tolle Foto können Emotionen, good vibrations erzeugen. Doch was ist, wenn ich als Tourist vor Ort die Motive wie ich sie auf der Website oder auf dem Flyer gesehen habe, nicht finde?