Weil sie das überblicken können

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Zwei Straßenlaternen, im Hintergrund ein Gebäude, darauf ist das Wort
Hotel zu
lesen. Die alten Straßenlaternen auf dem Marktplatz in Lügde (21.1.2013)

Wie soll er denn nun werden, der neue Brunnen auf dem Lügder Marktplatz? Modern, klassisch oder historisch? Wie ich neulich schon sagte, ich tendiere zu der modernen Version. Außer den bereits genannten gibt es einen weiteren Grund dafür: Die neuen Straßenlaternen sind sehr schlicht, wie das Pflaster auch eher modern und grenzen sich sehr von den historischen Fachwerkhäusern ab. Doch wenn man die Artikel der hiesigen Lokalzeitungen liest und den Verwaltungsvorschlag studiert, wird die klassische Brunnen-Variante das Rennen machen.

Klassisch ist ein gutes Stichwort: Spannend ist, wie intensiv sich die Leute (ich ja auch) mit dem Thema auseinandersetzen. Möglicherweise wäre die Geschichte nicht so hochgespült worden, wenn nicht:

[…] In der anschließenden Diskussion […], die Kostenrelation des Brunnens tlw. kritisch betrachtet […]

…worden wäre. Das Zitat ist aus dem Sitzungsprotokoll des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen vom 4.3.2013. Wat denn, 70.000 Euro für so´n paar Ziegen? Nun ja, Ziegen sind nunmal teuer – wenn sie denn aus Bronze sind.

Ich vermute mal, dass die neu gepflasterte Mittlere Straße und der neu gestaltete Markt- und Kirchplatz etwas mehr gekostet haben. Aber über diese Baumaßnahmen wurde weit weniger diskutiert. Warum?

Mich erinnert das an die leidenschaftlich geführten Debatten die es hier vor ein paar Jahren gegeben hat, als für die Haupt- und Realschule in Lügde ein neuer Name gesucht wurde. Denn aus der Haupt- und Realschule hatte man gerade eine „Haupt- und Realschule im organisatorischen Zusammenschluss“ kreiert.

Über Jahrzehnte war die Schule landläufig mit der Bezeichnung „Schulzentrum am Ramberg“ bekannt. Eigentlich lag es nahe, sie irgendwie so zu benennen: „Schulzentrum Lügde“. Dann aber kam aus der Ecke der Historiker der Vorschlag, die Schule auf den Namen „Johannes-Gigas-Schule“ zu taufen. Uhi, was hat das Thema viele hitzige Diskussionen ausgelöst. Nicht wenige haben dabei die Contenance verloren. Dabei ging es doch nur um den Namen für ein Gebäude.

Aber über Fragen wie: Ist der Frontalunterricht noch zeitgemäß? Müsste der Unterrichtsstoff nicht mal grundlegend überholt werden?, habe ich hier kaum jemand reden gehört. Warum?

»Natürlich diskutieren sie gern über Namen von Gebäuden, Brücken, Brunnen und Straßen. – Weil sie das überblicken können«, gab mir damals ein Freund zur Antwort.