Weihnachten über Liebe zu schreiben, ist unverfänglich

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

Ein Herz aus Holz liegt auf einem
Holztisch. Ein Herz aus Holz (24.12.2013, 0022)

Nur noch einmal schlafen, dann ist Weihnachten – das Fest der Liebe. Übrigens: Das habe ich neulich schonmal getextet. Allerdings unter meinem „Pseudonym“. Der Text sei ein richtiger Renner geworden, wurde mir berichtet. Jemand habe den Text noch am selben Tag unter Facebook verdrahtet, und am nächsten Morgen (19.12.2013) habe er bereits über 60 „gefällt mir“ Einträge geerntet.

Diese „Like-Knöpfchens“ sind eine nette Erfindung. Gerade zu Weihnachten kann man dann quasi im Vorbeigehen noch mal beweisen, was für ein Gutmensch man (oder Frau) doch ist: „Finde ich gut!“ Das erinnert mich an Straßenmusiker in den weihnachtlich illuminierten Einkaufsstraßen, denen mal eben noch ein paar Cent in den Hut geworfen wird.

Nein, nein, ich will nicht lästern. Die Vorweihnachtszeit mag es gerne hektisch. Da fehlt schon mal die Zeit, selbst ein paar eigene und vor allem persönliche Worte zu finden. Wenn es auch ein ganz kleines ist, so ist es dennoch ein Geschenk, ein Beweis der Liebe – das Drücken des „Gefällt mir-Knopfes“. – Aber ich schweife ab.

Zurück zum Fest der Liebe: Die Weihnachtszeit ist eine ideale Zeit, das Wort Liebe in einem Text unterzubringen, ohne sich dabei einem Verdacht auszusetzen. Das kann ich nunmehr bestätigen. Denn tatsächlich habe ich, als ich den eingangs erwähnten Artikel geschrieben habe, dreimal überlegt: Kann ich das Wort Liebe hier erwähnen? Ich habe mich dafür entschieden – wenn auch mit einer kleinen Distanzierung: „Weihnachten ist das Fest der Liebe, heißt es“.

Zwischenergebnis: Zu Weihnachten über die Liebe zu schreiben, ist unverfänglich. Das bringt sogar reichlich „Sammelpunkte“.

Ja, ja, die Liebe. Vermutlich hat sich jeder schon mal an einer Definition dieses Wörtchens versucht. Auch ich gebe nicht auf. Kaum ein Material, was ich dabei noch nicht als Metapher bemüht habe: Liebe als Fundament, Liebe als Kleber und so weiter. Unlängst schrieb mir meine Muse in einer Kurzmitteilung: „Liebe macht ja bekanntlich blind.“ Woraufhin ich ad hoc zurückschrieb:

„Die Liebe selbst macht nicht blind. Es ist das Ego, was meint, die Liebe für seine Einstellungen verwenden zu können. Aber die Liebe gehört niemandem. Sie ist nicht formbar, und sie passt in keine Schublade. Sie ist eine Gnade. Sie ist ein Licht, dem wir folgen sollten.“

Nein, ich bin Nichtraucher. – Vermutlich ging mir dabei gerade der Text über die Liebe aus dem Buch Der Prophet von Khalil Gibran durch den Kopf. Das passiert mir oft: To Have And Not To Hold.

Dennoch habe ich das Gefühl, je mehr wir uns über die Liebe den Kopf zerbrechen, desto weniger Raum hat sie, sich zu entfalten. Til Schweiger hat das kürzlich auf den Punkt gebracht, als er von den Tagen in seinem Leben sprach, die er gern ganz bewusst noch mal erleben möchte. Dazu zählt für ihn dieser Tag:

[…] als ich mich zum ersten Mal verliebt habe, ohne zu wissen, was das überhaupt ist […]

[Quelle: www.focus.de]

Ich befürchte nur, dass wir, wenn wir diesen Tag noch mal bewusst erleben dürften, er eine ganz andere Wirkung hätte. Dem Gefühl würde dann genau das fehlen, was diese Momente ursprünglich ausgemacht hat – das Unbekannte, die Leichtigkeit, die Unbefangenheit und so weiter. Weil wir, wenn wir bewusst erleben, den Kopf eingeschaltet haben. Und der würde beobachten und einordnen. Und das kostet Ressourcen, die wir den schönen Momenten nehmen.

Das erklärt vielleicht auch, warum die Liebe selbst nicht blind macht. Blind macht eher, was wir in die Liebe hineininterpretieren, was wir erwarten wenn sie sich zeigt. Aber wirklich entfalten kann sie sich nur, wenn wir sie so lassen wie sie sich uns zeigt – egal an welchem Ort.

Ich vergleiche die Liebe gern mit einer schönen Blume, die ich am Wegesrand entdecke. Grabe ich sie aus um sie in meinen Garten zu pflanzen – um sie zu besitzen – könnte es leicht passieren, dass sie dort eingeht.

Warum war Weihnachten noch gleich das Fest der Liebe?


Ich frage mich gerade, ob auch dieser Text „Sammelpunkte“ bringen würde? Und wenn ja, wie viele? – Egal, ich höre jetzt mein Lieblingsliebeslied des Tages: A Love Supreme. Wer wie ich lieber eine ältere und längere Version hören möchte: Bitte schön.