Warum mir das Teilen von Fotos im Netz Spaß macht

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Schnee auf der Pferdekoppel (10.2.2013, 5)

»Ich habe mir mal wieder auf deiner Seite die Fotos angesehen. Da sind so viele tolle Bilder bei. Zum Beispiel das Foto mit den Pferden auf der Koppel finde ich wunderschön!« Natürlich habe ich mich über das Lob meiner Kollegin gefreut. Aber gleichzeitig ist mir das immer ein bisschen peinlich. Denn ich glaube nicht, dass meine Fotos sich in besonderer Weise hervorheben.

Ein Kollege, der schon seit Äonen den Ruhestand genießt, hat mir mal aus seiner Erfahrung berichtet: »Volker, das ist normal. Von 500 Fotos ist vielleicht eines dabei, worauf du wirklich stolz sein kannst.« Wobei ich noch erwähnen muss, dass der junge Mann nicht mit einer digitalen Kamera agierte. Heutzutage rattert man mal eben aus allen Blickwinkeln und mit verschiedenen Kameraeinstellungen eine Fotoserie ab, und sucht sich anschließend das beste Foto dabei raus. Und wenn das auch nicht so ganz gelungen ist, ja dann regelt man das halt mit dem Fotobearbeitungs-Programm etwas nach. Irgendwo habe ich mal gelesen: Mit der heutigen Technik kann man eigentlich keine schlechten Fotos mehr machen.

Und warum fotografiere ich dann?

Der wichtigste Grund weshalb ich fotografiere ist: Ich möchte mit anderen die Freude an den Motiven teilen.

Was kann man sonst noch mit Fotos machen? Texte mit ihnen schmücken, Argumente versinnbildlichen, Dokumentationen optisch untermauern und so weiter. Und mit welchem Medium lässt sich das einfacher machen als mit dem Internet? Und auch hier steht für mich ein Gedanke im Vordergrund: Nirgends kann ich mit so vielen anderen Menschen teilen als im Internet.

[„Wer fotografiert, bekommt weniger mit“]

Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Kollegen von der Stadtverwaltung Bad Pyrmont. 2009 hatte er mir HDR-Bilder von Lügde zugesandt (siehe: „Lügde unter einer Wolkendecke“ unter luegde.de). Auch er hatte festgestellt, dass seine Bilder bei Google immer zu den ersten Treffern zählten. Kein Wunder, die Fotos sind auch phantastisch. Es habe ihn gefreut, dass ich seine Fotos, die er aus einem Fenster seines Elternhauses geschossen hat, unter luegde.de rausgebracht habe, sagte er mir. Woraufhin ich ihn von meiner Idee erzählte, die mir immer mal wieder durch den Kopf geht:

Wenn alle Leute mal von ihren Balkonen, aus ihren Dachfenstern Motive von Lügde fotografieren und an einer Stelle veröffentlichen würden, dann wären dabei sicher etliche, hochinteressante Ansichten zu finden.

Mal abgesehen von diesen, ich nenne sie mal „verschlossenen“ Motiven, weil sie eben nicht für jedermann zu erschließen sind, gibt es in Lügde mit Sicherheit noch etliche bemerkenswerte Blickwinkel, denen noch keine fotografische Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

[„Von Standpunkten und Perspektiven“]

Der Kollege meinte, die Idee sei hervorragend. Ich solle das unbedingt angehen und unter luegde.de, Facebook und so weiter einen „Aufruf“ starten. Okay. Wird gemacht.

Bad Pyrmont und Lügde vom Spelunkenturm fotografiert. Im Vordergrund sind die Baumkronen der Bombergallee zu sehen. (7.10.2012, 3)

Anfang 2010 starteten wir unter luegde.de mit dem „Bild der Woche“. Vor einem Jahr legte ich hier mit der Serie „Vollversionen“ nach, weil:

Da ich die Fotos für das „BdW“ zuschneiden muss, erfährt kaum jemand, wie denn wohl die Vollversion des Bildes aussieht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sich einige dafür interessieren.

Also zeige ich hier, unter soheit.de, die jeweiligen „Vollversionen“ – die Originale vom „Bild der Woche“. Nun ist das mit dem „Bild der Woche“ so eine Geschichte. Die Idee stammt von einem guten Freund. Er hat die Voraussetzungen geschaffen und ich legte, ohne groß nachzufragen, damit los. Auch wenn es ein nettes, „kleines“ Feature ist, es ist mit Aufwand verbunden. Ein jahreszeitlich oder Aktions bedingtes Foto heraussuchen, zuschneiden, hochladen, es zu betexten usw. ist nicht mit einem Fingerschnipp gemacht. Daher war ich entschlossen, das „Bild der Woche“ mit dem nächsten Relaunch von luegde.de einzumotten.

Dennoch habe ich mich darauf gefreut, das jüngste „Bild der Woche“ ins Leben zu rufen. Die Erklärung dazu findet Ihr hier: „Bild der 11. Kalenderwoche 2013“. Den Link schickte ich zum Leiter der in dem Text erwähnten Bilder-Ausstellung, weil ich mir dachte, auch ihn würde die kleine Werbung für die Ausstellung erfreuen. Tatsächlich war er wohl hellauf begeistert davon. Er habe beim Stöbern im Archiv vom „Bild der Woche“ unter luegde.de die Zeit verloren, schrieb er mir – und:

Bei mir reifte sofort der Gedanke, eine Ausstellung 2014 im Heimatmuseum mit Deinen Bildern der Woche vorzumerken.

(Ich würde sogar die Fotos in den vorgestellten Formaten wählen.)

Sogar einen Kalender mit den Fotomotiven wolle er erstellen, verriet er mir später. Was soll ich sagen: Es hat mich wirklich glücklich gemacht, dass das „Teilen“ meiner Fotos so viel Freude und Inspiration bereitet. Aber eine Ausstellung und ein Kalender mit meinen Fotos? Ich denke ich bleibe dabei: Meine „Ausstellungsfläche“ ist das Netz.

Ich erzählte dem Erfinder vom „Bild der Woche“ davon. »Warum leitest du so ein Lob nicht mal an deinen Chef weiter?«, fragte er mich. Ich tat es und fügte der E-Mail noch den Hinweis hinzu, das „Bild der Woche“-Feature einstellen zu wollen. Keine zwei Minuten später rief mich mein Chef an: »Das willst du doch nicht wirklich machen?«, fragte er mich. Das „Bild der Woche“ sei mein „Kind“, und darum wolle er mich nicht zwingen es fortzuführen. Aber er fände es gut, wenn ich es täte. Denn auch er sei schon mehrmals im positiven Sinne darauf angesprochen worden. Er könne sich schon denken, dass mit dem „Bild der Woche“ auch Aufwand verbunden sei. Aber es sei ein schönes Extra und es käme ja auch bei anderen gut an. – Na, wenn das so ist…

Es gibt auch eine ganz pragmatische Antwort auf die Eingangsfrage „Warum mir das Teilen von Fotos im Netz Spaß macht“:

Wenn ich die Fotos nicht hier, bei soheit.de publizieren könnte, wäre für mich der Anreiz zu fotografieren nur noch sehr gering. Digitale Fotos im Netz kann man halt schneller und einfacher hervorkramen als Fotoalben oder oder Diaboxen.

[„Wer fotografiert, bekommt weniger mit“]

Fazit:

Obwohl ich die von mir geschossenen Fotos nur im Internet veröffentliche, sind die oftmals positiven Rückmeldungen überwiegend nicht netz-typisch. Denn nur ganz, ganz selten habe ich bislang Netz-Kommentare zu einem Foto erhalten. Woran liegt das? Eine von vielen möglichen Antworten: Die Fotos sind eben nicht überirdisch gut. Sie haben nur eine lokale Wirkung.

Und: So gigantisch es auch klingt, Fotos zu teilen hat eine soziale Komponente. Und sie verstärkt sich, wenn man mit den Fotos auch arbeitet – also textlich Zusammenhänge, Hintergründe etc. mit ihnen verknüpft.