Von der Relevanz eigener Informationen

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

HS DETMOLD 1950, 30.9.2012, 84

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie und wann Informationen auf Websites bereitgestellt werden. Von einem Beispiel habe ich „vorhin“ erzählt.

Viele Firmen und Behörden betreiben eine eigene Website. Sehr viele von diesen Webangeboten lassen schnell erkennen: Das sind lediglich virtuelle Visitenkarten. Eine Website ist ein Werkzeug. Aber was macht es für einen Sinn, wenn ich den motorisierten Stemmhammer in der Ecke verstauben lasse und mich weiter mit Hammer und Meißel quäle. Doch genau das ist das Schicksal vieler Websites, sie bleiben ungenutzt.

Und sollte die eigene „Homepage“ doch genutzt werden, dann meistens erst dann…

…wenn alles gelaufen ist.

Immer wieder habe ich beobachtet, dass erst nach einer Veranstaltung, nach Abschluss eines Projektes darüber auf der eigenen Website berichtet wird. „Ach, wir könnten doch darüber einen Text „für´s Internet“ schreiben. Das nennt man: ein Pferd von hinten aufzäumen. Und außerdem: Schon die wenigen Worte – „für´s Internet“ – lassen den Schluss zu, dass hier jemand das Internet und sein Werkzeug nicht zu nutzen versteht. Es geht dabei nicht um Texte für´s Internet, sondern um Informationen für die Kunden!

…wenn die Lokalzeitungen schon darüber berichtet haben.

Die Zeitungen sind für einige Firmen und Behörden offensichtlich wichtiger als die Kunden. Ich denke dabei an einem Fall, den ich unlängst zufällig mitbekommen habe. Kunden hatten wiederholt um Informationen über ein Projekt gebeten. Dennoch hielt das Unternehmen es nicht für erforderlich, die erbetenen Infos auf der Website bereitzustellen. Doch als die Lokalzeitungen über das Projekt berichteten, hielt auch die Firma ihr eigenes Projekt für relevant und veröffentlichte auf ihrer Website darüber einen Artikel.

…wenn der Zeitungsartikel „falsche“ Informationen enthält.

Auch dann wird ein eigenes Thema unvermittelt relevant. Eine Maßnahme ist abgeschlossen und die Zeitungen haben darüber geschrieben. Aber oje: „Die Zahlen in dem Zeitungsartikel sind falsch! Das müssen wir sofort richtigstellen! Können wir das nicht mit unserer Homepage machen?“ Hätte die Firma regelmäßig auf der eigene Website über das Projekt informiert, hätte sie seelenruhig darauf verweisen können: „Schaut in unser Webangebot. Dort stehen die richtigen Zahlen.“

Hier in der Region Lügde-Lippe hat jedoch diese Aussage noch immer Gültigkeit:

„Wenn es nicht in der Zeitung steht, dann ist es nicht passiert.“

„Warum sollte ich mir auch die Mühe machen, auf meiner Homepage über meine Arbeit zu berichten? Das ist doch Aufgabe der Lokalzeitung!“ Das sind Sätze, wie ich sie dauernd höre. Es scheint ein ehernes, tief und fest verwurzeltes Gesetz zu geben: zuerst die Zeitungen! Erst wenn sie darüber – wohlgemerkt in ihren Druckausgaben – geschrieben haben, dann darf man vielleicht auch selbst darüber etwas veröffentlichen: auf Flyern, auf Plakaten, auf Handzetteln und im eigenen Webangebot – aber bitteschön in genau der Reihenfolge!

Wo wir gerade beim Thema „Zeitungen“ sind: Vorgestern hat Thomas Knüwer einen lesenswerten Artikel geschrieben: „Weil der Verlag sich ändern muss – ein paar Denkanstöße“. Er schreibt darin:

Tageszeitungen sterben. Machse nix dran. Das Geschäftsmodell funktioniert einfach nicht mehr. […] Entwickelt sich Deutschlands größte Tageszeitung so weiter wie in den vergangenen 10 Jahren, wird sie in 15 bis 18 Jahren bei einer Auflage von Null sein. Und glauben Sie nicht, dass Axel Springer noch eine “Bild” druckt, die sich wenige tausend mal verkauft. […]

Immerhin haben […] vor allem Lokalzeitungen, derzeit noch die Luft, um sich auf das Ende des gedruckten Papieres vorzubereiten.[…]

[…] subjektive Thesen: Tageszeitungen sind eine Technologie, Technologien werden von besseren Technologien abgelöst. Ergo: Tageszeitungen sterben.[…]

[Quelle: indiskretionehrensache.de] Ja, ja, die Lokalzeitungen haben derzeit noch Luft. Ich kann das sogar mit anderthalb Gründen untermauern: Noch immer wissen viele Leute nicht so recht, wofür sie ihre „Homepage“ nutzen können. Und dann gibt es ja noch dieses „Gentlemen’s Agreement“ mit den Zeitungen…

Eine „Homepage“ die zeitnah und umfassend informiert gehört zum Kundendienst. Sicher, einen Text schreiben, Fotos schießen und bearbeiten – das macht Arbeit, das kostet Zeit. Und…

Trotzdem muss dieser Satz gesprochen werden, damit die Dringlichkeit der Lage klar ist: “Wer glaubt, sich nicht um den Wandel seiner Arbeit durch das Internet kümmern zu müssen, der kann gehen.”[…]

[Quelle: indiskretionehrensache.de]

Ähnliche Artikel: