Sind wir Lipper noch nicht so weit?

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Ein See, im Hintergrund das letzte rötliche Licht der untergehenden
Sonne.Novemberabend am Schiedersee (24.11.2013, 0021)

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Frage bezieht sich auf unser Mitwirken im Internet.

In den vergangen Jahren habe ich vielen Akteuren versucht zu helfen, eine Website an den Start zu bringen und sie dann mit Inhalten zu betanken. Doch die anfänglichen Strohfeuer der Begeisterung brannten alle nur kurz. Einige der Akteure sind auf Facebook ausgewichen, andere haben das Publizieren im Netz ganz eingestellt.

Den Grund dafür kann ich nachvollziehen: Es ist oft nicht leicht, substantielle Inhalte zu liefern – und das auch noch regelmäßig. Das kostet Energie und eine Menge Zeit.

Manchmal aber frage ich mich: Ja haben wir denn alle ein Brett vor dem Kopf? Man braucht doch nur ein paar Fragen zu beantworten, und schon hat man eine Menge Text zu schreiben: Wer seid ihr, warum seid ihr, wie seid ihr zusammengekommen, was habt ihr gemacht, was macht ihr jetzt, was wollt ihr noch machen? Zugegeben, die Antworten auf die meisten Fragen liefern nur Futter für statische Inhalte. Die könnten eigentlich schnell geliefert werden – eigentlich. Aber schon an der Stelle scheitern wir oft.

Ja, richtig gelesen. Ich habe geschrieben: Scheitern wir oft.

Es gibt mehrere Gründe für dieses Scheitern. Ein Grund ist, dass viele die eigene Website noch nicht als Werkzeug für ihre Arbeit erkannt haben. Sie sind noch in dem Gedanken verfangen: „Internet, da muss ich wohl auch mitmachen.“ Aber aus welchem Grund, zu welchem Zweck, mit welchem Ziel sie mitmachen wollen, das haben sie sich nicht klar gemacht.

Und irgendwann kommt das Argument, welches ich nahezu jeden Tag zu hören bekomme: „Nebenbei, zusätzlich zur eigentlichen Arbeit Texte zu schreiben, Fotos zu machen und alles hochzuladen, das ist zuviel Arbeit, das schaffen wir nicht.“ Niemand würde so über ein gutes Werkzeug reden. Denn Werkzeuge sind dazu da, sich die Arbeit zu erleichtern. – Werkzeuge sind aber auch dazu da, einen guten Job zu machen.

Stattdessen passiert so etwas:

Wir verzetteln uns gern. Eine Info-Broschüre für Neubürger muss her. Wir wollen ein Newsletter verschicken. Also werden eilends Inhalte gesammelt um diese Dinge zu bestücken. Woher werden die Inhalte genommen? Jedenfalls nicht von der eigenen Website – denn dort sind die Infos meistens nicht zu finden. Stattdessen suchen wir in unzähligen Aktenwinkeln. Und das bei jeder Aktion aufs Neue. Stimmt, wir hatten das Thema erst kürzlich: Die eigene Website als zentrale Auskunftsstelle.

Das Alltagsgeschäft findet in der virtuellen Welt nicht statt. Nur wenn etwas großartiges ansteht – dann wird daran gedacht, das auch im eigenen Webangebot zu „verkünden“. Allerdings oft erst nachdem Flyer und Plakate gedruckt, und die Presse informiert wurde. Und wenn es ganz schlecht läuft, erscheint erst nach der Veranstaltung, also wenn alles gelaufen ist, eine Info auf der Website. Auch diesen Punkt habe ich hier, unter soheit.de, schon x-mal angesprochen. – Verkehrte Welt.

Wenn ich Herr einer Information bin – wenn die Information von mir kommt – weil ich die Veranstaltung plane, weil mein Betrieb, meine Einrichtung, meine Behörde Aktionen in die Wege leiten möchte die für viele interessant sein könnte – dann sollte man doch davon ausgehen, das ich die Informationen auch als erster bringe. Und was eignet sich dafür besser als die eigene Website, die ich jederzeit, rund um die Uhr selbst bestücken kann?

Und hier das Beispiel, welches Auslöser für mich war diesen Text zu schreiben:

Unlängst mussten wir das Webangebot der Stadt Lügde, luegde.de, erneuern. Als ich die Texte für unsere Ortsteile übernommen habe ist mir wieder aufgefallen, wie wenig Substanz sie haben. »Das ist peinlich!«, sagte ich meiner Kollegin, und: »Am liebsten würde ich die jeweiligen Seiten der Wikipedia verlinken. Da steht wenigstens was gescheites drin.« »Ich muss dir doch nicht von der Weisheit der Vielen erzählen. An den Artikeln in der Wikipedia schreiben oft mehrere Leute«, bekam ich von ihr zu hören.

Ich entgegnete ihr dass das keine gute Begründung ist, und dass man doch davon ausgehen sollte: Wenn jemand zu den Ortsteilen von Lügde fundierte Inhalte liefern kann – dann das Rathaus. »Hast du die Zeit, diese Infos aus den ganzen Akten zusammenzutragen?«, fragte sie mich. »Nein, die Zeit habe ich leider nicht«, gab ich zu. Ich wüsste auch nicht in welchen Aktenbergen ich anfangen sollte zu suchen. Aber wenn wir endlich beginnen würden regelmäßig unsere Infos – auch über die vermeintlichen Alltagsgeschäfte – ins Netz zu stellen, würden es die Leute die nach uns kommen über die Volltext-Recherche einfacher haben.

Als meine Kollegin von der Weisheit der Vielen sprach, fühlte ich etwas wie Wehmut. Ich musste an Lippeblogs denken. Lippeblogs.de hat vor ein paar Wochen den Betrieb eingestellt. Ich habe gern mit lippeblogs.de gearbeitet – auch wegen der vielen guten Ideen die dahinter standen.

Lippeblogs war, wie WordPress, eine Software zur Verwaltung der eigenen Website, und, wie der Name schon vermuten lässt, geeignet damit ein Weblog aufzubauen. Der Macher der hinter der Software stand ist ein engagierter Ex-Lipper. Er hat mir mal verraten, dass er mit der Plattform den Lippern ein einfaches Werkzeug an die Hand geben wollte, Lippe in der ganzen Vielfalt die Lippe zu bieten hat im Netz zu präsentieren.

Aber Lippeblogs war nicht nur ein CMS. Lippeblogs bot sogar Wikis an. Eines, welches jeder für sich auf seinem Lippeblog eröffnen konnte. Und ein unabhängiges, großes LippeWiki.

Und dieses „große“ LippeWiki hätte das werden können, worauf der Name schließen lässt: Eine Wikipedia über Lippe. Anfangs funktionierte es auch, aber wir Lipper haben es nicht verstanden das für uns auszubauen. Ich nehme mich von dem Vorwurf nicht aus. Asche über mein Haupt. Doch mit dem LippeWiki hätten wir vielleicht dem oben geschilderten Problem mit den fehlenden Informationen über die Ortsteile von Lügde ein Werkzeug entgegenstellen können. Aber wie gesagt: Wir haben es vergeigt.

Lippeblogs hatte sogar einen lippischen „Gartenzaun“. Dieser „Gartenzaun“ war eine Möglichkeit, Kurznachrichten „über den Gartenzaun“ zu verbreiten. Um es auf den Punkt zu bringen, der Gartenzaun war: Twitter für Lipper. Aber auch ich bin damals lieber zu Twitter rüber. Twitter ist ja viel größer, da machen viel mehr mit, dachte ich. Blödsinn! Wir reden von Zusammenhalt, aber wir rennen trotzdem immer der großen, anonymen Herde hinterher.

Doch es kommt noch besser: Alles was auf den Blogs von Lippeblogs gepostet, zuletzt im LippeWiki ergänzt, oder über den „Gartenzaun“ getickert wurde, lief im Lippeblogs-Magazin zusammen. Das Lippeblogs-Magazin war wie ein großer lippischer Nachrichten-Ticker.

Was hätte das Magazin werden können, wenn wir Lipper die Chance genutzt hätten? Eine große Plattform auf der Lippe in seiner ganzen Vielfalt präsentiert wird. Ein Magazin über Lippe, das nicht von ein paar Gatekeepern und sogenannten Marketingexperten zusammengedengelt wird. Ein Magazin von vielen Lippern über Lippe. Geil!

Noch mal zur Wiederholung: Wer ist Herr der lippischen Informationen? Wer kann besser über Lippe und die Lipper berichten als die Lipper selbst?

Was mir persönlich auch an Lippeblogs gefiel war – ich habe es oben schon kurz angesprochen – der Macher der hinter Lippeblogs stand, ist ein ganz normaler Leut, ein engagierter Ex-Lipper, der sich noch immer für Lippe begeistern kann. Und der hat diese Ideen schon Ende 2007, Anfang 2008 umgesetzt!


Nun ja, die Chance habe wir vertan.

Und was machen wir jetzt? Wir verzetteln uns weiter, wurschteln weiter aneinander vorbei und überlassen das vermarkten von Lippe, aber auch von Lügde, den Gatekeepern – den Presseleuten und den Marketing-„Experten“.

Wir Lipper sind halt noch nicht so weit. Schade.