Sind „lebende“ Visitenkarten eine bessere Werbung als Flyer und Plakate?

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Engelsgesang (20.12.2010, 15)

Hin und wieder muss ich kleinere Veranstaltungen organisieren, wie zum Beispiel die Feierstunde zur Würdigung des Ehrenamtes. Um den feierlichen Charakter einer solchen Veranstaltung hervorzuheben, versehen wir das Programm gern mit einem musikalischen Rahmen. Da ich es nicht immer das gleiche Muster ablaufen lassen möchte, versuche ich bei jeder Veranstaltung auch andere musikalische Akteure „zu Wort“ kommen zu lassen.

Aus verständlichen Gründen bevorzugen wir dafür eigentlich örtliche Chöre und Musikvereine. Vor etwa anderthalb Jahren setzte ich mich mit dem Leiter eines rund zwanzigköpfigen Chores in Verbindung. Ich habe den Chor zufällig mal gehört und dachte mir, dass er mit seinem Repertoire sehr gut zum Thema der anstehenden Veranstaltung passen würde. Allerdings wollte ich nicht den ganzen Chor engagieren. Das Zahlen-Verhältnis der Veranstaltungsteilnehmer zu den Musikern hätte dann nicht gepasst.

Also fragte ich den Chorleiter, ob der Chor mit nur vier bis sechs Sängerinnen und Sänger auftreten kann. Der Chorleiter hatte Verständnis für den Grund meiner Anfrage, musste mir aber, nach Rücksprache mit seinen Akteuren, absagen. Die Sängerinnen und Sänger hätten sich nicht einigen können wer von ihnen dabei mitwirkt, erklärte er mir. Der Chor sei nur als Ganzes, also mit allen Sängerinnen und Sänger ein Chor.

Der Leiter eines anderen, zirka zehnköpfiger Chores berichtete mir, dass der Chor den musikalischen Part des Abends nicht übernehmen könne, weil er mitten in den Proben zum Weihnachtskonzert stecke. Außerdem sei es dem Chor nicht möglich, lediglich mit einer Abordnung aufzutreten.

Ich habe es den Chören nicht übel genommen. Dennoch war ich irritiert. Die in Rede stehenden Veranstaltungen dauern etwa vier bis fünf Stunden, wobei der offizielle Teil maximal zwei Stunden in Anspruch nimmt. Und der offizielle Teil ist es, den die Musiker mit drei, vier Musikbeiträgen einrahmen sollten. Und selbstverständlich erhalten die Musiker dafür einen Geldbetrag als Dank.

Wenngleich die Musiker bei solchen Veranstaltungen nicht im Mittelpunkt stehen, bieten diese für die Musiker die Gelegenheit auf sich aufmerksam zu machen. Sie können dabei eine „lebende“ Visitenkarten abgeben. Meines Erachtens können derartige Visitenkarten eine bessere Werbewirkung entfalten als Plakate und Flyer – besonders dann, wenn zum Beispiel in zeitlicher Nähe gerade ein großes Weihnachtskonzert mit dem kompletten Chor ansteht.

Sicher, um eine „lebende“ Visitenkarte anbieten zu können, ist ein bisschen mehr Aufwand nötig. Außerdem ist manchmal Spontanität gefragt: Was, ihr wollt hören und sehen wie gut wir singen? Kein Problem, schon mit drei bis sechs Leuten können wir euch binnen kürzester Zeit eine kleine Kostprobe geben. – Doch der Aufwand kann sich lohnen.

Dass das so ist, habe ich nach der jüngsten Feierstunde zur Würdigung des Ehrensamtes erlebt. Denn sowohl die Ehrengäste als auch die Politiker waren von den Darbietungen der beiden Musikstudenten der Hochschule für Musik in Detmold angetan. Und sie werden sie sicherlich weiterempfehlen und bei Bedarf vielleicht auch selbst engagieren.

Auf die Idee Studenten der Hochschule für Musik für die Veranstaltung zu gewinnen, sind wir übrigens ebenfalls nur gekommen, weil sie sich vor einiger Zeit mal in der Elbrinxer Marktscheune mit zwei Musikstudentinnen präsentiert hat. Auch dort haben die Vertreterinnen der Hochschule sofort neue Fans gefunden.

Apropos Elbrinxer Marktscheune – der Gedanke daran bringt mich zur Elbrinxer Dorfbühne. Auch Theatergruppen könnten sich so eine „lebende“ Visitenkarte kreieren. Ich denke dabei an ein fünf- bis zehnminütiges Theaterstück, wofür nur ein bis drei Spieler_innen und nur wenige Requisiten nötig sind. Mit so einem kurzen Theaterstück könnte, wenn es dazu passt, zum Beispiel das Rahmenprogramm zum Osterräderlauf oder auch zum Mittelaltermarkt in Lügde ergänzt werden.

Fazit:

Ohne Frage, eine „lebende“ Visitenkarte bereitzuhalten bedeutet für einen Musik- oder Theaterverein zusätzliche Arbeit und mehr Spontanität und Flexibilität. Aber die Vereine können damit eine bessere Werbewirkung erzielen als es Flyer oder Plakate können.