Sind Fahrradfahrer die schlechteren Verkehrsteilnehmer?

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Andreas hat mich überhaupt erst auf den Gedanken gebracht, diesen Artikel zu schreiben. Denn in seinem Blog macht er das Fahrradfahren aus den unterschiedlichsten Gründen immer mal wieder zum Thema. Eine Kritik die er dabei schon häufiger erwähnt hat ist, dass die Berichterstattungen über das Fahrradfahren in den klassischen Medien oftmals den Eindruck erwecken, ein Großteil der Fahrradfahrer seien Rowdys.

Daran musste ich denken, als ich vor ein paar Tagen diese kurze Mitteilung vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen gelesen habe:

[…] Danach sind einerseits die Städte und Gemeinden in der Pflicht, für sichere Radverkehrsanlagen zu sorgen. Andererseits sind auch alle Verkehrsteilnehmer aufgefordert, grundlegende Regeln zu beachten. Radfahren ist eine gleichberechtigte Teilnahme am Straßenverkehr. Die Regeln der Straßenverkehrsordnung gelten für alle. […]

[Quelle: kommunen-in-nrw.de]

Diese Mitteilung bezieht sich dabei auf den Flyer (Flyer! Was denn auch sonst?) vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. „Sicher unterwegs mit dem Fahrrad“.

„Andererseits sind auch alle Verkehrsteilnehmer aufgefordert, grundlegende Regeln zu beachten“, heißt es bei den beiden unisono. Dort steht zwar „*alle*“ Verkehrsteilnehmer, aber in dem Kontext hört sich das ein bisschen so an, als würden gerade die Fahrradfahrer die Verkehrsregeln missachten. Denn um die Fahrradfahrer dreht es sich ja dort. Und als kleiner Klaps auf den Hinterkopf der Radfahrer, quasi im Vorbeigehen dann noch der Satz: „Die Regeln der Straßenverkehrsordnung gelten für alle“ – auch für euch, ihr Fahrradfahrer!

Sehe ich das zu eng? Ich denke nicht. Wenn auch nur ganz dezent, ist die Mitteilung meines Erachtens ein kleiner Beleg für die von Andreas geäußerte Kritik. Und ich glaube mittlerweile auch, das ist kein Einzelfall. Es muss im Vergleich zu den Autofahrern über Gebühr viele böse, böse Fahrradfahrer geben – wenn das stimmt, was solche Berichterstattungen gern mal so suggerieren.

Solche Berichterstattungen über die Fahrradrowdys erinnern mich an die Gauß’sche Normalverteilung. Ich glaube nicht, dass es – jeweils im Verhältnis zur Gesamtzahl gesehen – mehr Fahrradfahrer als Autofahrer gibt, die die Verkehrsregeln „übertreten“.


Und in der Mitteilung ist noch ein Satz enthalten, der es in sich hat: “Radfahren ist eine gleichberechtigte Teilnahme am Straßenverkehr.“ Auch darauf werde ich noch eingehen. Das hätte ich eigentlich schon längst machen müssen…

[Update 13.10.2013:] Die angekündigte Fortsetzung „Sind Fahrradfahrer im Straßenverkehr gleichberechtigt?“ ist auf Sendung.