Prämie für die Pflege von lebenden Zäunen

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Ein kleiner Vorgarten

Mein Vorschlag: Wer den „lebenden Zaun“ der sein Grundstück einfasst erhält, oder einen lebenden Zaun pflanzt, der sollte dafür belohnt werden.

Wenn ich mir die Straßenzüge hier in der Gegend anschaue, gewinne ich den Eindruck, dass immer mehr „lebende Zäune“ gegen „tote Zäune“ ausgetauscht werden. Ein Grund dafür ist, ein „lebender Zaun“, also eine Hecke, erfordert mehr Pflege – macht mehr Arbeit. Ich schildere das mal kurz anhand des „lebenden Zaunes“, der mein kleines Hausgrundstück einrahmt.

Dieser „lebende Zaun“ ist eine Hainbuchenhecke. Sie ist größtenteils 1,50 Meter hoch und rund 35 Zentimeter breit. Um sie zu schneiden muss ich auch in vier Nachbargärten. Ich schneide sie zwei Mal im Jahr. Der straßenseitige Teil benötigt sogar einen bis zwei Schnitte mehr. Denn wenn die Hecke so richtig in ihrem Element ist, vereinnahmt sie schnell schon mal einen Teil des Gehweges, der straßenseitig daran entlang führt. Und wer möchte schon mit dem Kinderwagen an einer Hecke entlang fahren, von der ihr oder ihm bei regnerischen Wetter gern auch mal nasse Zweige „um die Ohren“ klatschen.

Für den geeigneten „Frisörtermin“ gibt es einige Anforderungen: Der erste Schnitt im Jahr sollte erst erfolgen, wenn die in der Hecke eventuell nistenden Vögel bereits ausgezogen sind. Und es sollte möglichst Windstill sein, damit sich das Schnittgut nicht zu weit vom „Tatort“ entfernt. Außerdem hole ich mir vorher das Okay der Nachbarn ein, wenn ich auf deren Grundstück tätig werden möchte (Gott sei Dank, habe ich nette Nachbarn). Und dann gilt es noch Lust und Zeit für den Heckenschnitt zu haben. Diese ganzen Voraussetzungen unter einem Hut zu bringen, ist mitunter nicht einfach. Da wird der Punkt „Lust am Heckeschneiden“ auch schon mal hintenan gestellt.

Gut zweienhalb Arbeitstage benötige ich, um die gesamte Hainbuchenhecke einmal zu schneiden. Der Herbstschnitt und die straßenseitigen „Zwischenschnitte“ sind natürlich weniger zeitaufwendig.

„Alles schön und arbeitsintensiv, aber das ist doch dein Bier! Warum willst du dafür belohnt werden?“, werden mir jetzt vielleicht einige sagen wollen. Ja, grundsätzlich ist das mein Bier. Aber ich habe für meinen Vorschlag auch einige Argumente:

Wenn zum Beispiel eine Stadt einen Eingriff in die Natur vornimmt, in dem sie Grünflächen mit einer Straße überbaut, muss sie dafür Ausgleichsflächen schaffen:

Die Eingriffsregelung (auch Eingriffs-Ausgleichs-Regelung) ist im deutschen Recht das bedeutendste Instrument zur Durchsetzung von Belangen des Naturschutzes, das in der “Normal-Landschaft” greift, also auch außerhalb naturschutzrechtlich gesicherter Gebiete. Grundidee ist ein generelles Verschlechterungsverbot für Natur und Landschaft. Mit der Eingriffsregelung sollen negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft (Beeinträchtigungen) vermieden und minimiert werden. Des Weiteren sollen nicht vermeidbare Eingriffe durch Maßnahmen des Naturschutzes ausgeglichen werden.

[Quelle: de.wikipedia.org]

Ich ersetze meinen lebenden Zaun nicht durch einen toten Zaun. Ich pflege die Hecke schon in dritter Generation. Viele Tiere gewährt die Hecke Unterschlupf: Dazu zählen Vögel, Igel und auch Frösche. Außerdem ist die Hain-Buchen-Hecke ein Stück „grüne Lunge“: Sie filtert Staub aus der Luft, und sie produziert wie alle grünen Pflanzen Sauerstoff.

Eine 100jährige Buche setzt pro Stunde etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff frei. Das entspricht etwa der Menge, die fünfzig Menschen in einer Stunde zum Atmen benötigen.

[Quelle: http://www.wasistwas.de]

Ein kleiner Hintergarten

Wenn ich hier bislang auch nur von Einzäunungen geschrieben habe, bei den Gärten ist das nicht anders:

Ein üppig mit Bäumen, Sträuchern und Büschen bepflanzter Garten benötigt mehr Pflege, verursacht mehr Arbeit, als ein übersichtlich mit Pflanzen bestückter Garten. Und auch hier beobachte ich: Immer mehr Gartenbesitzer reduzieren die Pflanzen in ihrem Garten. Wo früher Bäume und Sträucher standen, werden Rasenflächen oder sogar Steinflächen angelegt.

Wie gesagt, ich kann das verstehen. Ich gehöre auch zu diesen Menschen, die nicht jünger, sondern älter werden. Je älter man wird, desto weniger Lust hat man, mit einer zwei- oder gar dreiteiligen Leiter in Baumspitzen zu kraxeln um dort Äste und Zweige zu schneiden. Auch das Schneiden von Formgehölzen kann lästig werden, wenn man viele davon hat und es sich um schnell wachsende Pflanzen handelt.

Doch Vorgärten, und damit auch Einzäunungen, prägen das Straßenbild. Und die Straßenbilder in ihrer Gesamtheit prägen das Bild einer Stadt. Wenn aber auch in den Gärten immer mehr Grün verschwindet, verliert eine Stadt an „Leben“. Noch befinden wir uns in dem Stadium, in dem wir diese „Nebenwirkung“ nicht wahrnehmen. Aber irgendwann wird es uns auffallen – spätestens wenn das Grau das Grün verdrängt hat.

Und wenn es uns aufgefallen ist, wird es uns vielleicht auch etwas Wert sein, wieder mehr Grün, mehr Natur in den Straßenbildern zu sehen. Warum sollte man also nicht, ähnlich wie bei der Regenwassergebühr, Hauseigentümer finanziell entlasten, wenn sie für den Erhalt von lebenden Zäunen, Bäumen und Pflanzen in den Städten sorgen?

Lüchte, 6.9.2013