Pionierpflanzen in den Ohren

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Pusteblumen (21.5.2013, 58)

Juli 2013, 35 Grad Celsius im Schatten, ich betrat den Frisörsalon meines Vertrauens. »Na, möchten sie einen Sommerschnitt?«, begrüßte mich die Frisörin. »Nö, ich hätte es gern winterlich, die Haare bitte 10 Zentimeter länger.« Das habe ich natürlich nicht gesagt, sondern so was wie: »Genau! Wie haben Sie das nur so schnell erraten?« Möglicherweise ist die Antwort auch noch ein paar Stufen höflicher ausgefallen.

Während die Guteste sich an mein Kopfhaar zu schaffen machte, berichtete sie: »Also ich glaube ja, im Sommer wachsen die Haare schneller.« »Echt? Das habe ich bei mir noch nicht festgestellt«, gab ich zurück, »Schade eigentlich. Das würde mir bestimmt gut zu Kopf stehen. Aber was soll´s, Sean Connery hat sich schließlich auch damit arrangieren können, dass Mann überbordende Weisheit mit dem Kopfhaar bezahlt.«

Die Frisörin grinste diplomatisch und ratterte mit dem Haartrimmer durch meine Ohrmuscheln. Es hörte sich an, als würde sie einen Bambuswald abholzen. Jetzt musste ich breit grinsen. Fragend schaute sie mich an. »Wissen sie woran mich die Haare in den Ohrmuscheln erinnern? An Löwenzahn der aus den Mauerwerksfugen alter Häuser wächst. Sie könnten das Rasieren der Büschel auch als „Denkmalpflege“ in ihrem Portfolio aufnehmen.«

Also wenn Ihr künftig auf der Preisliste eines Frisörstudios den Punkt „Denkmalpflege“ beziehungsweise „Entfernung von Pionierpflanzen“ entdeckt, dann wisst Ihr Bescheid.