Marktplatz Lügde: weniger Grün, mehr Brunnen

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

Eine gepflasterte Fläche auf der in zwei Ecken Baumstümpfe übrig geblieben sind. Dem Marktplatz in Lügde fehlen zwei Bäume (12.9.2013, 0038)

»Wenn mal mal darüber nachdenkt, wie lange so ein Baum braucht um so groß zu werden, finde ich es schon schade dass die Bäume weichen mussten«, sagte mir meine Kollegin vor zwei Tagen, als die beiden Bäume links und rechts vor dem Eingang des Lügder Rathauses abgesägt wurden. Neben diesen beiden Bäumen sind noch zwei weitere Bäume auf der Vorderen Straße, in Höhe der Sankt Marien Kirche entfernt worden. Der Grund: Zurzeit werden in Lügde der Markt- und der Kirchplatz umgestaltet – siehe auch: Der Lügder Marktplatz wird aufgemöbelt.

Es ist ja auch traurig, wenn immer mehr Grün aus den Städten verschwindet. Doch wenn ein Baum zu groß geworden ist und einen Gefahrenherd darstellt, weil er zum Beispiel das Pflaster anhebt, dann kann es schon erforderlich sein, ihn zu beseitigen. Allerdings bin ich der Meinung, dass dann auch immer für Ersatz an gleicher Stelle, oder wenn es nicht anders möglich ist, an einem anderen Ort gesorgt wird – siehe auch: Prämie für die Pflege von lebenden Zäunen.

Die beiden Bäume vor dem Rathaus mussten weichen, weil der Eingangsbereich des Rathauses im Zuge der Marktplatz-Neugestaltung ebenfalls aufgemöbelt wird.

Eine Baustelle mit einer teilweise frisch gepflasterten Fläche. Lügde: Die Fläche zwischen Rathaus und Kirche wird neu gepflastert (12.9.2013, 41)

Die Pflasterarbeiten am Kirchplatz sind weit fortgeschritten. Soweit ich das bislang erkennen kann, wird der ganze Bereich zwischen Rathaus und Kirchplatz gepflastert. Wenn es dort wirklich keinen Ersatz für die vormals vorhandenen Grünflächen geben wird, finde ich das sehr bedauerlich.

Brunnenmodell: Ziegen spielen in der Nähe eines Brunnens. Brunnenentwurf Bernd Maro aus Wunsdorf (12.9.2013, 0050)

Recht intensiv diskutiert wird zurzeit, wie denn der neue Brunnen auf dem Marktplatz gestaltet werden soll. Oben das Modell von Bernd Maro, dass er den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen am 9.9.2013 vorgestellt hat. Dieser Vorschlag zur Brunnengestaltung steht schon seit dem Frühjahr im Raum.

Seit einiger Zeit liegt auch ein Vorschlag von Christian Uhlig vor. Sein Modell sieht vor, die Ziegen in einer Art Scherenschnitt, mit Positiv- und Negativ-Formen aus rostbraunen Stahlplatten um den Brunnen anzuordnen. Ein bisschen erinnern mich seine Ziegen-Modelle an die Bronzeplastiken im unteren Bereich des Wasserlaufes in der Hauptallee von Bad Pyrmont.

Brunnenmodell: In einer Art Scherenschnitt sind vier skizzierte Szenen mit Ziegen um einen Brunnen angeordnet. Brunnenmodell von Christian Uhlig aus Angermünde (12.9.2013, 0065)

Der dritte Vorschlag zur Brunnengestaltung kommt von Prälat Heinrich Festing. Seine Idee: Ein octagonal geformter Brunnen mit einem Standbild von Kaiser Karl dem Großen in der Mitte. In der Papier-Zeitung der Pyrmonter Nachrichten vom 11.9.2013 (Seite 11) wird dazu ein Zuschauer der Ausschussitzung zitiert: „Wir haben alle den Auftrag, unser Christentum in Europa zu verteidigen […]“ Gute Güte! Ein Brunnen zur Verteidigung des Christentums? Und dann mit der Skulptur von Karl dem Großen, sozusagen als Vorbild? Nein. Wenn Lügde eine Kaiserpfalz gewesen wäre, dann wäre ein solcher Brunnen vielleicht angebracht. Aber Lügde war eine kleine Ackerbürgerstadt.

Wenn es unbedingt eine Bronzestatue von Karl dem Großen sein soll, würde ich sie in der Nähe vom „Oberen Tor“, den südlichen Eingang der Altstadt, aufstellen. Man könnte aber auch in die beiden turmförmigen Steinstelen, die seit kürzlich dort stehen und das Eingangstor der Altstadt symbolisieren sollen, den Hinweis auf Karl den Großen „eingravieren“, schlug meine Kollegin vor.

Also: Ein Karl-der-Große-Brunnen scheidet aus. Die Modelle von Bernd Maro und Christian Uhlig gefallen mir beide. Bislang habe ich jedoch das Modell von Bernd Maro mit den plastischen Ziegenmodellen präferiert, weil ich den Marktplatz wie er zurzeit noch gestaltet ist (mit dem alten Brunnen und dem Naturstein-Pflaster) vor Augen habe.

Der Brunnen auf dem Marktplatz in Lügde

Aber das vorhandene Naturstein-Pflaster wird ja leider durch ein Betonstein-Pflaster ersetzt. Und wenn ich mir das bislang verlegte, neue Pflaster (siehe das Foto vom Kirchplatz oben) anschaue, dann glaube ich, dazu passt besser das Modell von Christian Uhlig. Das neue Pflaster wirkt nicht historisch. Der von Bernd Maro vorgeschlagene Brunnen mit den symbolisierten Natursteinen tut das jedoch – er ähnelt dem vorhandenen Brunnen.

Soweit das die Modelle erkennen lassen denke ich, dass das Modell von Christian Uhlig auch Kindern mehr Möglichkeiten bietet mit dem Wasser zu spielen. Wobei, wenn es um das Ziegen-Motiv geht die plastischen Ziegenmodelle von Bernd Maro sicherlich die geeigneteren „Spielgeräte“ für Kinder sind.

Ich bin mir noch nicht hundertprozentig schlüssig. Doch es ist wohl so: Ich habe den Eindruck, dass der neue Marktplatz dem historischen Charakter der Altstadt weniger entsprechen wird. Daher tendiere ich für das Modell von Christian Uhlig mit den eher witzigen Ziegen-Modellen.

Scherenschnitt: Eine Ziege fährt auf einem Ur-Fahrrad, eine Maus beobachtete sie dabei. Ein Detail des Brunnenmodells von Christian Uhlig (12.9.2013, 55)