Lügde die Ackerbürgerstadt

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Die fleißigen Leser von soheit.de haben es längst verinnerlicht: Lügde ist nicht (nur) „die 90 Minuten Stadt“. Lügde ist, beziehungsweise war auch eine Ackerbürgerstadt. Dazu verklärte ich unlängst:

Der Baustil der historischen Fachwerkhäuser in der Lügder Altstadt ist charakteristisch für den einer Ackerbürgerstadt. In der Entstehungsphase der Fachwerkhäuser gab es noch keine Traktoren. Die Pflüge auf den Äckern wurden damals von Pferden gezogen. Diese schweren Pferde waren vergleichsweise so wertvoll wie heute die großen, hochtechnisierten Landmaschinen. Die kleine Bronzeplastik in Form eines Pferdes an der Rathausseite zur Mittleren Straße soll übrigens an diese Zeit, als Lügde eine Ackerbürgerstadt war, erinnern.

Ach ja, haben Sie erkannt, welchen Blick von Lügde der Fotograf hier eingefangen hat?

Absolut sicher bin ich mir nicht, aber die Straße die in der rechten Bildhälfte zu sehen ist, müsste die Eschenbrucher-Straße sein. Ich nehme an, der Fotograf stand bei der Aufnahme auf dem Ramberg. In der Nähe der des Ortes steht heute die Johannes-Gigas-Schule.

Die hier eingeklebten Fotos hat übrigens mein Onkel aufgenommen. Er ist ein waschechter Lügder, der aber schon seit Äonen in Mönchengladbach wohnt. Natürlich ist er Lügde immer verbunden geblieben. So wie auch sein Sohn, was mithin mein Cousin ist. Als mein Cousin, der ebenfalls in der Welt-Fußball-Stadt residiert, vor drei Wochen zu Besuch war, überreichte er mir eine CD voll mit digitalisierten Schwarzweißfotos die sein Vater aufgenommen hat. Der CD hat er den Titel gegeben: „Als unsere Welt noch schwarz-weiß war! – Ein Streifzug durch die Kindheit“. Wie unschwer zu erraten sind darauf viele herrliche, lustige Fotos aus unserer Kindheit zu sehen – die allermeisten davon kannte ich noch nicht.

»Das dürfte dich besonders interessieren: Ich habe auch ein paar Landschaftsfoto draufgepackt. Daran kannst du schön erkennen, wie Lügde sich verändert hat«, meinte mein Cousin. Stimmt! Schon die beiden Fotos hier auf dieser Seite haben mich sofort dazu motiviert, wieder ein bisschen von Lügde zu dokumentieren. Auf diesem Foto

…ist mir sofort das Ortseingangsschild in die Augen gesprungen. Vorweg: Das Bild zeigt ein Ortseingangsschild von Lügde an der Eschenbrucher-Straße. Insofern passt es sehr gut zum eingangs beschriebenen Foto. Das für mich Interessante an dem Ortsschild aber ist:

„Lügde, Kreis Höxter, Reg-Bez Detmold“ ist auf dem Schild zu lesen. Damals liefen die Osterräder noch nicht im Kreis Lippe, sondern im Kreis Höxter – hier, als Beweis ein aktuelles Ortseingangsschild. Wie geht denn das?, werden sich vielleicht die Leserinnen und Leser fragen, die gerade erst zugeschaltet haben. Ganz einfach: Wir Lügder sind Beute-Lipper!

Die Großgemeinde Lügde wie wir sie heute kennen, schätzen und lieben gibt es erst seit dem 1. Januar 1970. Denn zuvor waren die Ortsteile selbstständige Gemeinden.

…schrub ich in dem Beutelipper-Text. Das heißt, das Foto wird vermutlich vor dem Zeitpunkt aufgenommen worden sein. Und wenn man jetzt noch die oben kurz angedeutete, örtliche Nähe der beiden Fotomotive – Ackerpferd am Ramberg und Ortsschild an der Eschenbrucher-Straße – in Erwägung zieht, lässt sich durchaus vermuten, dass beide Fotos vor dem 1.1.1970 aufgenommen wurden.

PS: Das Ackerpferd-Foto oben ist übrigens die Vollversion vom Bild der 29. Kalenderwoche 2013. Alle Artikel zum Thema „Bild der Woche“ unter soheit.de gibt es hier.

Update: Zum Vergleich habe ich ein paar aktuelle Fotos zum Thema zusammengeschoben – siehe Artikel: „Lügde, die Acker-Bürger-Pferd-Osterräder-Stadt“.

Lüchte, 28.7.2013