Kirchturmdenken in Lügde

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Ein
Kirchturm Turm der Kirche Sankt Josef in Niese (22.9.2010, 0009)

[…] Die Bezeichnung umschreibt so bildhaft das Eintreten für das eigene Dorf (eben den “Kirchturm”) und Auswirkungen, die nur so weit bedacht werden, wie man den eigenen Kirchturm sieht. Alle weitergehenden Auswirkungen im größeren Maßstab treten dabei in den Hintergrund. […]

Das ist eine Definition aus der de.wikipedia.org zum Stichwortwort Kirchturmpolitik, wohin die Enzyklopädie das Stichwort Kirchturmdenken umleitet. Das nur so nebenbei. Denn eigentlich geht es hier „nur“ um Kirchtürme – aber auch um das Denken, wenn man denn Achtsamkeit dem Denken zuordnet.

Ein
Kirchturm Turm der Kirche Sankt Marien in Sabbenhausen (18.4.2010, 0059)

Jetzt aber zu den hier eingeklebten Fotos mit den sehr unterschiedlich aussehenden Kirchtürmen. Der Baustil des ganz oben im Foto festgehaltenen Turmes erinnert mich an Gebäude wie sie oft im Süden, zum Beispiel in Griechenland zu sehen sind. Der Zwiebelturm lässt mich an ganz andere Regionen denken:

Weltweit bekannt sind Zwiebeltürme bei orthodoxen Kirchengebäuden in Ländern der ehemaligen UdSSR und Bulgarien.

[Quelle: http://de.wikipedia.org]

Beide Türme schmücken katholische Kirchen in Lügde. Die Kirchen stehen nur ein paar Kilometer auseinander und sind doch so unterschiedlich. Interessant, nicht wahr?

Ich habe die Fotos mehreren Lügdern gezeigt. Erschreckend viele der Befragten konnten mir nicht sagen, wo diese Kirchtürme zu sehen sind. Als ich ihnen dann erklärte, dass der Zwiebelturm der Kirchturm der Sankt Marien Kirche im Ortsteil Sabbenhausen, und der griechisch aussehende Turm der Kirchturm der Sankt Josef Kirche im Ortsteil Niese ist, waren sie bass erstaunt.

Okay, ich kann den Leuten zugute halten, dass die beiden Kirchen recht klein sind. Wobei der Zwiebelturm in Sabbenhausen nicht so einfach zu übersehen ist, wie das Foto unten zeigt. Aber es sind halt Kirchen, die nicht im Focus der Touristenfänger stehen. Bei denen sind die Kirche Sankt Kilian in der Lügder Kernstadt und das Kloster im Ortsteil Falkenhagen die Renner.

Ein kleiner Ort, ringsherum Felder, im Hintergrund ein kleiner
bewaldeter
Berg. Der Ortsteil Sabbenhausen in Lügde (18.4.2010, 0031)

Ich gebe zu, dass ich den Kirchturm in Niese auch erst vor ein paar Jahren richtig wahrgenommen habe – und zwar erst, nachdem ich begonnen habe Lügde fototechnisch für mich zu erschließen. Mit dieser Aussage widerspreche ich mich. Denn ich habe auch die Aussage meines Freundes Jannick unterschrieben, der schon sehr früh festgestellt hat: Wer fotografiert, bekommt weniger mit. Dennoch halten wir fest: Man kann, wenn man markante Fotomotive sucht, auch aufmerksamer werden.

Eigentlich wollte ich die beiden Kirchtürme als Schmankerl in das renovierte Webangebot der Stadt Lügde, luegde.de, unterbringen. Im „alten“ Webangebot habe ich sie auch mal in der Rubrik „Bild der Woche“ vorgestellt. Doch das Bild der Woche gibt es nicht mehr. Nur noch ein Rudiment davon – den Bilderbogen. Aber vielleicht bohren wir diese Geschichte noch auf.

Wie auch immer, die Kirchturmfotos ließen sich auf luegde.de nicht unterbringen. Man muss ja auch nicht Fotos auf Deubel komm raus in ein Webangebot hineinpressen. Selbst dann nicht, wenn für viele Besucher derartiger Websites Fotos offensichtlich ganz oben auf der „Einkaufsliste“ stehen. Doch sind es Kirchtürme, die die Leute sehen wollen? Die Türme sind ja nicht spektakulär. Und Kirchtürme kann man meistens nur von außen besichtigen.

Egal, ich wollte die beiden sehr unterschiedlichen Kirchtürme vorstellen, auf sie aufmerksam machen. Wenngleich sie nicht spektakulär sind, sind sie doch nicht typisch für unsere Region – zumindest würde ich solche Baustile hier nicht erwarten. Insofern gehören die Türme für mich zu den verkannten „Pralinen“ von Lügde – denn auch sie zeigen die Vielfalt unseres Örtchens.

Das Wort Kirchturmdenken ist eigentlich negativ behaftet. Denn wer möchte sich schon vorwerfen lassen, nicht über den eigenen Tellerrand hinausblicken zu können – oder zu wollen. Vielleicht aber sollte man den Begriff Kirchturmdenken auch mal als Aufforderung verstehen:

Schau doch mal, was es – außer den schon ewig herausgestellten Highlights – sonst noch in deinem Städtchen an schönen Dingen zu entdecken gibt – und stelle sie vor.