Kindergarten oder Kindertagesstätte?

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Teehaus im
Telemann-Garten Teehaus im Telemann-Garten Bad Pyrmont

Och nö, nicht schon wieder. Das hatten wir doch schon geklärt

Entschuldigt bitte, ich befürchte, dass ich über kurz oder lang wieder in eine Diskussion zu dem Thema verwickelt werde. Und dafür möchte ich mich an dieser Stelle wappnen.

Was bisher geschah: Vor ein paar Jahren begannen einige Leute damit, Kindergärten in Kindertagesstätten umzufirmieren. Den Grund dafür konnte mir bislang niemand plausibel erklären. Einige nannten mir die verlängerten Öffnungszeiten als Grund. – Nun ja, wenn der Inhaber eines Schuhgeschäftes die Öffnungszeiten seines Geschäftes verlängert, nennt er dann den Laden fortan Schuhgeschäfts-Tagesstätte?

Ich bin also für den Erhalt der Bezeichnung Kindergarten und sammele hier Argumente dafür.

Unlängst berichtete eine Freundin von einem Gespräch mit der Leiterin eines Kindergartens in Hannover. Diese habe ihr gesagt: »Mir ist es sehr wichtig, dass unser Kindergarten auch so bezeichnet wird.« Sie wolle keine Stätte. Ein Garten gefalle ihr als Sinnbild viel besser. Eine Stätte sei etwas bürokratisches, etwas wohin man manchmal nicht gerne gehe. Außerdem klänge der Begriff Kindertagesstätte in ihren Ohren eher nach einem Verwahrort.

»Ein Garten dagegen ist lebendig. Ein Wohlfühlort!«, habe sie ihr verdeutlicht, und ergänzt: »In der Obhut unseres „Gartens“ werden Kinder beim Wachsen begleitet.«

Auf das Öffnungszeiten-Argument angesprochen habe sie gesagt, dass aus der Sicht der Pflanzen ein Garten den ganzen Tag geöffnet habe. Insofern widerspreche die Bezeichnung Kindergarten nicht den verlängerten Öffnungszeiten.

»Auch die Bezeichnung Erzieherin mag ich nicht. Wir „*Er*“ und wir „*ziehen*“ nicht«, habe sie gemeint. Sie möge es, Kindergärtnerin bezeichnet zu werden. Denn es sei doch wunderschön, „seine“ Pflanzen zu beobachten während sie sich prächtig entwickeln.

Baumstamm einer
Weißtanne Baumstamm einer Weißtanne

»Wir, die wir Deutsch als Muttersprache haben, mögen das vielleicht nicht wahrnehmen, aber immer wieder wird gesagt, Deutsch sei eine Sprache die sehr hart klingt. Wie hart wird dann wohl das Wort Kindertagesstätte klingen?«, fragte meine Freundin, nachdem sie mir von dem Gespräch mit der Kindergärtnerin berichtet hatte.

Es ist doch komisch: Viele Leute ärgern sich über Anglizismen. Aber wenn wir schon mal ein Wort exportiert haben, dann gefällt es uns nicht mehr. Denn auch im Englischem gibt es den Begriff Kindergarten. Meine Gesprächspartnerin hatte dazu einen Vorschlag: »Vielleicht können wir einige Kindertagesstätter umstimmen, wenn wir ihnen anbieten, das Wort Kindergarten einfach mit einem englisch klingenden Akzent auszusprechen. – Wie wäre es mit Köndöargaarden?«