Es gibt nur einen…

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Die Hamamelis, also die Zaubernuss, ist so selten nicht. Sie blüht in einer Jahreszeit, in der man blühende Pflanzen nicht unbedingt erwartet. Das Exemplar oben im Bild blüht im Januar / Februar. Und obwohl die Blüten mit den bandförmigen Blütenkronblätter recht ungewöhnlich aussehen, habe ich den Eindruck, dass die Pflanze selbst jetzt im Januar oft übersehen wird. Nun, man muss halt etwas für Pflanzen übrig haben…

Als ich unlängst wieder einmal ein Motiv für das „Bild der Woche“ unter luegde.de suchte, war mir die Zaubernuss aber auch nicht gleich in den Sinn gekommen. Ich dachte eher an Schneeglöckchen, die man sofort mit dem Jahresanfang in Verbindung bringt – selbst dann, wenn wie zurzeit kein Schnee liegt. Also stiefelte ich in den vergangenen Tagen mehrfach in meinen Garten und versuchte mittels intensiven Blickkontakt, das Wachstum der Schneeglöckchen zu beschleunigen. Doch sie wollten sich mir partout noch nicht mit ihren Blüten präsentieren. Als ich nach Alternativen suchte und mir dabei die Zaubernuss einfiel, schlug ich mir mit der flachen Hand vor die Stirn. Wie konnte ich die vergessen? Vor allem die?

Und so wurde die Zaubernuss – die einzigartige – Motiv für das erste „Bild der Woche“ im Jahr 2013. Das Originalfoto (1) habe ich oben über diesen Artikel geklebt. Ich „erlegte“ es bereits im Januar 2012. Und das ist mein Glück. Zwar blüht die Zaubernuss auch in diesem Jahr mit voller Begeisterung, aber von der Sonne habe ich in 2013 noch nicht viel gesehen.

Nebenbei: Würdet Ihr beim Anblick der bandförmigen Blütenkronblätter an Luftschlangen denken? Ich habe mich auch über mich gewundert:

Die Blüten assoziiere ich nicht nur mit dem Monat Januar, sondern auch mit einem anderen Ereignis, was uns sehr bald ins Haus steht: Weiberfastnacht. Denn die bandförmigen Blütenkronblätter der Zaubernuss erinnern mich an die Luftschlangen zur Karnevalszeit.

Nun ja. – Jetzt aber zu der Geschichte der hier in Bild und Text festgehaltenen Zaubernuss. Ich schrub ja bereits, dass sie einzigartig ist. Sie hat sogar einen eigenen Namen. Aber der Reihe nach:

Es liegt schon einige Jahre zurück, als wir sie gepflanzt haben – meine Nichte und ich. Meine Nichte war damals etwa fünf Jahre alt.

»Volker, was machst du da?« »Ich buddle ein kleines Loch für dieses Pflänzchen.« »Darf ich dir helfen?« »Aber gerne doch. Hier, nimm dieses Schäufelchen und grabe noch ein bisschen. Das Loch ist noch nicht tief genug für das Wurzelwerk.« Als wir mit dem Einpflanzen fertig waren sagte ich zu ihr: »So, nun musst du dem Pflänzchen noch einen Namen geben.« »Hat sie denn noch keinen Namen?«, fragte sie mich mit einem Bedauern in der Stimme. »Doch, schon, sie heißt Zaubernuss. Aber sie muss doch einen eigenen Namen haben, damit wir beide wissen: Das ist unsere Zaubernuss.« Nach einer Weile, wir hockten noch immer vor dem neuen Pflänzchen, fragte ich sie: »Na, wie soll unsere Zaubernuss heißen?« Ohne weiter nachzudenken und völlig selbstverständlich entschied sie: »Estherblattlümmelbaum!« – Ihr könnt jetzt darüber nachdenken, wie meine Nichte heißt und wer der Lümmel ist.

Ich habe damals nicht daran gedacht: In der Blütezeit dieser Zaubernuss hat meine Nichte Geburtstag. Und ich glaube, der Estherblattlümmelbaum blüht gerade dann am schönsten.

Es gibt nur einen Estherblattlümmelbaum.

(1): Einige Leserinnen und Leser werden es bemerkt haben, dieser Artikel ist auch ein Beitrag aus der Reihe „Hier gibt´s die jeweilige Vollversion vom Bild der Woche“. Alle Artikel mit dem Schlagwort „Bild-der-Woche“ findet Ihr hier.

Update 13.1.2012: Das unterste Foto habe ich heute noch nachgeschoben. Ich möchte damit zeigen, wie eine blühende Zaubernuss in seiner (fast) Gesamtheit aussieht.