Erst die Pressemitteilung?

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A. Bock war auch auf dem Schellenturm, 30.9.2012, 75

Erst die Pressemitteilung, dann die „Homepage“! Diese in Stein gemeißelte Aussage ist dem ehern Gesetz, dem „Gentlemen’s Agreement“ geschuldet, von dem ich gestern erzählte. Vor zwei Jahren fragte ich schon mal: „Müssen Presseverteiler sein?.“ Ich habe das damals verneint.

Ein guter Freund sprach mich seinerzeit darauf an und meinte, dass er meinem Nein so nicht folgen würde. Seine Argumentation werde ich aber jetzt nicht ausbreiten, weil das auch gut in einem separaten Artikel passt. Nur so viel: Ich bin nach der Diskussion etwas mit meiner Meinung zurückgerudert:

Ich habe nichts (mehr) dagegen einzuwenden, wenn den Lokalzeitungen Pressemitteilungen zugesandt werden. Nur mit der Reihenfolge in diesem „Paragrafen“: Erst die Pressemitteilung, dann die „Homepage“!, bin ich nicht einverstanden. Es muss heißen: Erst stelle ich die Information für meine Kunden auf meiner Website zur Verfügung, und danach schicke ich dazu die Pressemitteilung an die Zeitungen. – Meine Kunden informiere ich zuerst!

Ich würde auch kein Word- oder PDF-Dokument für die Pressemitteilung erstellen. Es reicht vollkommen, in die E-Mail an die Zeitungen den Link zum entsprechenden Artikel auf der eigenen Website einzufügen.

Auch wenn dann der Artikel in der eigenen Website als Pressemitteilung fungiert, sollte er jedoch nicht so verfasst sein. Das heißt, er sollte eben nicht so spröde formuliert sein, wie es Pressemitteilungen oftmals sind. Wichtig aber ist, dass der Artikel alle für die Information relevanten Fakten enthält.

»Ja Volker, das hast du uns schon mehrmals erzählt. Wir haben das auch so gemacht. Aber der Herr Gösebrecht (Name von der „Redaktion“ geändert) hat mir gesagt: Wenn sie mir keine richtige Pressemitteilung schicken, dann wird keiner von unserer Zeitung zu ihrer Veranstaltung kommen. Und wir werden auch nicht darüber schreiben.« Dieser Vorfall, den mir eine Bekannte schilderte, ist kein Einzelfall. Mir ist dergleichen schon einige Male berichtet worden.

Das für mich ein Beleg dafür, dass es dieses eherne Gesetz (siehe oben) tatsächlich gibt. Und darauf berufen sich solche Redakteure. Freilich wissen auch die Redakteure in den Lokalzeitungen, dass ihnen das Internet immer häufiger die Show stiehlt. Und mit solchen „Drohungen“ versuchen sie sich dagegen zu stemmen. Doch die Zeiten ändern sich. Ich zitiere noch mal Thomas Knüwer:

Tageszeitungen sind eine Technologie, Technologien werden von besseren Technologien abgelöst. Ergo: Tageszeitungen sterben.

Und noch eine Textpassage aus seinem Artikel „Weil der Verlag sich ändern muss – ein paar Denkanstöße“. Diesmal verwende ich die Textpassage, um sie an solche Redakteure wie den oben erwähnten zu richten:

Als Alan Rusbridger seinen Posten als Chefredakteur des “Guardian” antrat, sagte er sinngemäß: “Wer glaubt, sich nicht um das Thema Internet kümmern zu müssen, kann gehen.”

Update: Weil es zum Thema passt: „Ein spannender Tag für den Lokaljournalismus“ von Thomas Knüwer:

Die meisten Lokalzeitungen betreiben Leser- und Honoratiorenbeschmusung, für Recherchen bleibt wenig Zeit, Termin- und Verlautbarungsjournalismus dominiert die papierenen Seiten.