Ein temporäres Wahrzeichen von Lügde und mehr

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Leuchtendes Osterkreuz auf dem Osterberg in Lügde (2.4.2012,
15)

Das leuchtende, weithin sichtbare Osterkreuz auf dem Osterberg ist ein temporäres Wahrzeichen von Lügde. Denn es leuchtet nicht über das ganze Jahr hinweg und – selbstverfreilicht – auch nur nächtens.

Mit dieser Beleuchtung ist das Kreuz nur in der Osterzeit zu sehen; zwei Wochen vor und eine Woche nach Ostern. Das „Beginndatum“ ist immer auch der Tag, an dem die Jahreshauptversammlung des Osterdechenvereins stattfindet. In diesem Jahr wird das Kreuz ab Freitag, den 27. März, so feierlich erstrahlen. Die Beleuchtung „erlischt“ am Weißensonntag.

schrub ich 2009 unter luegde.net. Obwohl ich Lügder bin, habe ich das auch erst recherchieren müssen. Ein Kollege, der sehr aktiv im Osterdechenverein mitwirkt und am Ostersonntag auch die Osterräder mit Roggenstroh stopfen hilft, hat mir das verklärt.

Ganz in der Nähe des Osterkreuzes befindet sich die Stelle, von der am Ostersonntagabend die sechs Osterräder abgestoßen werden – also ihr Rennen ins Tal antreten. Jedes Mal wenn das zwischen die Speichen gestopfte Roggenstroh in einem Rad angezündet und anschließend das Rad „auf die Bahn geschickt“ wird, wird das Licht am Osterkreuz ausgeschaltet. Es wird wieder eingeschaltet, wenn das jeweilige Rad seinen Lauf – hoffentlich möglichst weit unten im Tal – beendet hat. Denn, so die alte Weise: Wenn die Räder gut gelaufen sind, gibt es ein gutes (Ernte-)Jahr.

Nun, seit vorgestern Abend – 15. März 2013 – leuchtet es wieder. Wenn ich es abends aus meinem Küchen- oder Schlafzimmerfenstern sehe, erzeugt das in mir ein angenehmes Gefühl – ein inneres Aufatmen. Zum einen, weil das ein wetterunabhängiges Zeichen für die jetzt unmittelbar bevorstehende Ostertage ist. Es befeuert bei mir das Bedürfnis, endlich wieder mehr Zeit im Freien zu verbringen.

Zum anderen erinnert mich das Osterkreuz an meine Kindheit. Vor meinem inneren Augen sehe ich dann meine beiden Geschwister und mich, wie wir auf der Fensterbank in der Küche meiner Oma hocken und dem Osterräderlauf zuschauen. Meine Oma immer im Hintergrund und aufpassend, das keiner von uns Quengels von der Fensterbank purzelt. Schon Tage vorher hat uns mein Opa ans Fenster gelockt: »Schaut mal, das Osterkreuz leuchtet schon! Jetzt ist bald Ostern.«

Ich kann nichts dafür – meine Synapsen… Verzeiht mir bitte: Gestern Abend habe ich mir auf 3Sat die Dokumentation „Wader Wecker Vater Land“ angeschaut. Was mich jetzt an ein Lied erinnert, das mein Opa mit seiner Laute meiner Oma oft vorgespielt hat. Mein Opa saß dabei mit einem Stuhl genau vor jenem Fenster in der Küche meiner Oma. Das Lied gehört auch zum Repertoire von Hannes Wader und heißt: „Ännchen von Tharau“. Ihr dürft jetzt raten, wie meine Oma hieß.

Ja, ja – ich bin vermutlich auch ein Traumtänzer:

„Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner, der Narren und Traumtänzer steh’n.“

Quelle: Textausschnitt aus dem Lied „Traumtänzer“ von Hannes Wader