Durch die Wiesen von Lügde nach Bad Pyrmont

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In dem Artikel „Bad Pyrmont und Lügde: Gibt es in zehn Jahren nur noch eine Stadt?“ habe ich eine Fortsetzung angekündigt. Hier ist sie. Entgegen der Ankündigung mache ich hier aber nun doch das Emmertal zwischen Lügde und Bad Pyrmont zum Thema. Entschuldigt bitte, aus Gründen der Vollständigkeit gibt es auch ein paar Wiederholungen.

Das Tal von Bad Pyrmont und Lügde (7.10.2012, 46), im Vordergrund Bad Pyrmont, im Hintergrund Lügde.

Von dem Talkessel, den sich Lügde und Bad Pyrmont teilen, habe ich hier schon des Öfteren erzählt. Fährt man die Pyrmonter Straße von Lügde nach Bad Pyrmont erhält man den Eindruck, die beiden Städte seien schon längst „nur noch eine Stadt“. Nutzt man die andere Straßenverbindung über die Hohenborner Straße, entsteht dieser Eindruck nicht. Zwischen diesen beiden Verbindungsstraßen liegen die Emmerwiesen. Diese Karte von Google Maps verdeutlicht das recht gut; darin wird das Gebiet als Emmertal bezeichnet.

Die Emmer kreuzt den Wiesenweg (8.1.2012, 106)

Namensgeber für die Emmerwiesen ist die Emmer, unser „Hausfluß“, der gern auch mal über die Ufer läuft, sich aber überwiegend eher gemütlich durch „die Wiesen“ mäandert. Mitten durch die Emmerwiesen verläuft eine schmale Straße, der Emmerweg. Diese Verbindung zwischen Lügde und Bad Pyrmont ist nicht für den normalen Autoverkehr zugelassen. Wir nennen die Straße auch Wiesenweg, weil sie rechts und links von Wiesen gesäumt ist. Ein typischer Dialog lautet: »Wie bist Du hier?« »Mit dem Fahrrad durch die Wiesen.«

Wiesen am Emmerweg (11.5.2012, 13)

Durch die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen, gibt es rechts und links des Wiesenweges noch weitere Wege, die gern von Spaziergängern und Radfahrern genutzt werden. So schön wie dieses Mini-Emmertal zwischen Lügde und Bad Pyrmont auch ist, wenn die Emmer Hochwasser führt, ist hier große Vorsicht geboten.

Lügde, beziehungsweise Bad Pyrmont, 9. Januar 2011: Auch die Nachbarstadt Bad Pyrmont bekommt eine „Breitseite“ vom Hochwasser ab.

Im Vordergrund des Bildes ist die Hohenborner Straße und im Hintergrund Bad Pyrmont zu sehen. Im Vordergrund auch gut zu erkennen, die Flußschlingen, das „normale“ Emmerbett. Der „See“ in der Mitte des Fotos „markiert“ das oben beschriebene Mini-Emmertal. Und irgendwo diagonal durch das Bild, aber fototechnisch schwer zu visualisieren, verläuft die Landesgrenze. Denn Bad Pyrmont gehört zu Niedersachsen und Lügde zu Nordrhein-Westfalen.

Wir Lügder nutzen diese Verbindung durch die Wiesen vermutlich häufiger als die Pyrmonter. Das liegt schlicht daran, dass Bad Pyrmont um einiges größer als Lügde ist, ein Kurort ist und damit in vielen Bereichen über ein größeres Angebot verfügt. Am meisten wird der Emmerweg wohl von Schülern aus Lügde frequentiert, die mit dem Fahrrad zum Gymnasium in Bad Pyrmont radeln. Denn in Lügde gibt es kein Gymnasium.

Da der Emmerweg nur selten von Kraftfahrzeugen, und wenn, hauptsächlich von landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren wird, ist er, im Vergleich zu den beiden anderen Verkehrsverbindungen (Pyrmonter Straße und Hohenborner Straße) sicherer und ruhiger. Selbst auf den verkehrsberuhigten Straßen in Lügdes Altstadt geht es dagegen wesentlich hektischer zu.

Und genau das macht den Wiesenweg so beliebt bei Fahrradfahrern und Fußgängern. Um von Lügde nach Bad Pyrmont zu kommen, benötigt man für die von Wiesen gesäumte Strecke zu Fuß etwa 20 bis 30 Minuten. Mit dem Fahrrad dauert es halt halb so lang. Wer es eilig hat, schafft das selbstverständlich wesentlich schneller.

Aber es gibt neben der „Verkehrsberuhigung“ noch einen weiteren, wichtigen Grund dafür, weshalb die Wege zwischen den Wiesen so gern genutzt werden. Die Wiesen liegen im Emmertal, also im Tal, man muss keine Steigungen überwinden. Und flache Wege sind in Bad Pyrmont und auch in Lügde nicht sehr viele zu finden. Besonders ältere Menschen wissen daher einen Spaziergang „durch die Wiesen“ zu schätzen.

Für mich ist dieses Emmertal ein Naherholungsgebiet wie es „näher“ für Lügder und Pyrmonter nicht sein kann. Die Ruhe vor dem Autoverkehr, vor der Hektik, dem Lärm, die naturnahen Wiesen, die flachen Wege bieten sich geradezu zur Entspannung an. Dabei sind „die Wiesen“ kein Weltkulturerbe mit grandioser Kulisse. Das denke ich, zeigen schon die Fotos hier und dort. Aber wer einfach nur mal kurz abschalten will, der sucht dafür auch keine touristische Hauptschlagader, der sucht dafür ein Rückzugsgebiet.

Apropos Rückzugsgebiet: Auch für die Emmer sind die Wiesen, das Emmertal ein wichtiges Rückzugsgebiet – ein natürliches Hochwasserrückhaltebecken. Und wenn man sich mal die Fotos vom Hochwasser anschaut, dann wird klar, dass wir auf dieses Hochwasserrückhaltebecken nicht verzichten können.

Vielleicht könnt Ihr jetzt nachvollziehen, warum ich kürzlich schrieb:

Und ich wünsche mir, dass der Wiesenweg mit seinem naturnahen Umfeld möglichst so erhalten bleibt, wie er ist. Auch wenn sich die Städte Bad Pyrmont und Lügde immer mehr annähern wollen, sollen, müssen – ist es ist meines Erachtens nicht notwenig, noch mehr Natur zu zerstören. Denn die Natur ist eines unserer wichtigsten Potenziale hier in der Umgebung.

Keinesfalls würde ich aus diesem Gebiet einen zweiten Emmerauenpark gestalten wollen. Einige Wege könnten vielleicht ausgebessert und einige Parkbänke erneuert werden – viel mehr würde ich nicht an dem Emmertal zwischen Lügde und Bad Pyrmont ändern. Es muss nicht alles Kurpark-Glamour oder Emmerauenpark-Kick sein. Bewusst oder unbewusst, es gibt auch ein Bedürfnis nach Schlichtheit.