Die Stadt muss die Leistungen der Vereine anerkennen

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Artisten im Kurpark von Bad
Pyrmont

Dieser Text ist eine Fortsetzung von Große Politik ist wie kleine Politik.

»Kein einziger der Vereine wird „pleite“ gehen, wenn dieser Zuschuss an den Dachverband nicht gezahlt wird«, behauptete ich. »Ja, bei einem Betrag zwischen 100 und 200 Euro jährlich ist das vermutlich so. Das sind „nur“, in Anführungsstrichen, Anerkennungsbeträge.« »Dann könnte man sie doch auch streichen«, lockte ich meinen Gesprächspartner. »Um Gottes Willen nein! Auch kleine Chöre erbringen eine Leistung für das Gemeinwohl. Und das muss die Stadt auch irgendwie anerkennen. Anerkennung ist wichtig!« »Auf das Argument werden die Vereine wohl auch pochen.« Er nickte. »Also können wir an dieser Stelle schon mal nicht sparen«, zog ich kurz Zwischenbilanz.

»Sie waren doch in mehreren Vereinsvorständen tätig: Werden die Vereine in den vergangenen Jahren wirklich darüber nachgedacht haben, dass mit diesem regelmäßig gezahlten Zuschuss ihre Leistungen anerkannt wurde? Oder ist die Anerkennung sang und klanglos in den Kassenberichten verbucht worden?« Er grinste: »Vermutlich letzteres.«

»Das ist schon merkwürdig mit der Anerkennung. Kommt sie regelmäßig, verliert sie ihren Wert. Will man sie darum streichen, ist der Teufel los.« Er zuckte leicht mit der Schulter. Ein Ausdruck der sagen sollte: Das ist wohl so. »Da stellt sich mir die Frage: Ist das dann überhaupt Anerkennung?«

»Die Anerkennung der Leistung von Vereinen, die Vereinsförderung, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements ist wichtig!«, bekräftigte mein Gesprächspartner erneut. »Wer ist denn dafür eigentlich zuständig?«, fragte ich wie nebenbei. »Die Stadt, der Rat!« Er war sichtlich erstaunt über meine Frage. »Und wer ist das: die Stadt? Und wer ist der Rat?« Er schaute mich irritiert an und schüttelte dabei kurz den Kopf, denn er weiß wo ich arbeite, und er nahm vermutlich an, dass es sich um eine rhetorische Frage handelt. Doch ich zielte damit auf eines meiner Lieblingsthemen:

»Die Stadt, das sind wir alle. Alle Einwohner! Und Einwohner sind aktiv in den Familien, in den Kindergärten und Schulen, in den Vereinen – aber auch im Rat, in seinen Ausschüssen, und in der Verwaltung.« Mit einem Nicken stimmte er mir zu.

»Wenn „*die Stadt*“ alle Einwohner sind, auf wen zeigen dann die Menschen die da sagen: „Da muss die Stadt doch mal was machen!“? – Und wenn wir alle „die Stadt“ sind, wer ist dann eigentlich für die Vereinsförderung beziehungsweise für die Förderung des ehrenamtlichen Engagements zuständig?«

Mein Gesprächspartner schmunzelte. Er ahnte vermutlich was ich sagen würde. »Wer ist das dann, der da dem Dachverband mit dem Zuschuss eine Anerkennung zukommen lassen soll?« »Wir alle sind es. Und wir tun das mit unseren Steuergeldern«, antwortete er ruhig.

Mir war wichtig, noch etwas herauszustellen: »Der Rat uns seine Ausschüsse, die Politik – das sind wir auch. Wir alle. Wir haben die Politiker gewählt, damit sie für uns entscheiden. – Meckern wir dann nicht eigentlich über uns, wenn wir mit deren Entscheidungen nicht einverstanden sind?

Für wen also engagieren sich die vielen Menschen in unserer Stadt? Sie engagieren sich für ihre Mitmenschen – man könnte also auch sagen: Sie engagieren sich für „die Stadt“. Doch es ist ein Unterschied ob ich sage: „meine Mitmenschen“ oder „die Stadt“. Das eine zeugt von Nähe, und das andere von Distanz.«

»Worauf willst du hinaus?«, wollte mein Gesprächspartner wissen. »Mich ärgern diese Schubladen die da in vielen Diskussionen erzeugt werden: die Stadt, die Politiker, die Verwaltung, der Verein X, die Gruppe Y. Schubladendenken zeugt von Distanz. Wer „die Stadt“ sagt, meint auch sich selbst, will aber von seinem Teil des Zutuns – und sei es nur das Nachdenken – ablenken. Die Stadt, das sind wir alle, Punkt! Wir müssen viel mehr „Wir“ sagen und meinen. Wir müssen die Leistungen der anderen anerkennen. –

Wir müssen die Leistungen der Vereine anerkennen.«