Der Lügder Marktplatz wird aufgemöbelt

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 5 Minuten

„Umgestaltung Markt-/ Kirchplatz“ ist zurzeit auf einem großen Hinweisschild vor dem Markplatz zu lesen. Ich finde, das ist ein guter Zeitpunkt kurz ein bisschen vom Marktplatz zu dokumentieren. Doch zunächst zum

Kirchplatz

Mitten in der Altstadt Lügde steht, wie es sich für so einen historischen Stadtkern gehört, die Kirche – die Sankt Marien Kirche. Das Rathaus, das ist wohl auch typisch, hat direkt neben ihr „Platz genommen“. Der Kirchplatz, zudem also auch die Fläche zwischen Kirche und Rathaus gehört, war bislang zum großen Teil mit Waschbetonplatten befestigt. Grün spendeten Rasenflächen und ein paar zuletzt nicht mehr schöne Sträucher. Insgesamt machte der Kirchplatz schon länger keinen guten Eindruck mehr. Insofern ist es gut, das er nun neugestaltet wird.

Lügde: Der Innenhof zwischen Kirche und Rathaus wird erneuert I, Blick Richtung Mittlere Straße (10.8.2013, 30)

Lügde: Der Innenhof zwischen Kirche und Rathaus wird erneuert II, Blick Richtung Vordere Straße (10.8.2013, 28)

Der Marktplatz

punktet mit seinen bogenförmig gepflasterten Natursteinen. Die Veranstaltungsfläche in der Mitte des Platzes ist mit Basalt gepflastert,…

Lügde, Marktplatz, Bogenpflaster, Basaltstein (10.8.2013, 8)

…während die Geh-, Fahr- und Parkflächen mit Sandsteinen gepflastert sind.

Lügde: Marktplatz, Bogenpflaster, Übergang Mittlere Straße (10.8.2013, 19)

Eingefasst sind diese Flächen mit Granitsteinen. Für ein lebendiges Grün garantieren acht Lindenbäume. Beinahe wie Eckpfosten teilen sie den Marktplatz in zwei Parkflächen und die dazwischen liegende Veranstaltungsfläche ein. In den späten Abendstunden, oder in der dunklen Jahreszeit sorgen solche Straßenlaternen dafür, dass der Marktplatz ausreichend belichtet wird.

Auch wenn der Marktplatz schon ein bisschen älter ist, ich mag das bogenförmige Natursteinpflaster, die Lindenbäume, aber auch die Straßenlampen, die gut zu dem historischen Ambiente passen. Insofern finde ich es sehr schade, dass nach meinem Kenntnisstand mehrere der Bäume aber auch das Natursteinpflaster einem Betonsteinpflaster weichen muss.

Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wann genau der Marktplatz mit der hier beschriebenen Gestaltung umgebaut wurde. Ich schätze, das war vor 25 bis 30 Jahren. Übrigens: Davor war der Marktplatz schon mal mit Betonmaterial gepflastert – mit dunkelgrauen, quadratischen Betonplatten.

Der Brunnen

Zu einem Marktplatz an historischer Stelle gehört auch ein Brunnen.

Lügde: Der Marktplatz mit dem Brunnen (10.8.2013, 37)

Der Brunnen, wie er hier zu sehen ist, wurde erst (wieder-)errichtet, als der oben beschriebene Marktplatz neu gestaltet wurde. Der damalige Bodendenkmalpfleger hatte den Standtort lokalisiert, freigelegt und erkundet. Es gibt wohl auch einige Fundstücke aus dem Originalbrunnen.

Lügde: Marktplatz mit historischen Brunnen (10.8.2013, 16)

Auch der Brunnen soll weichen, wenn der Marktplatz neu hergerichtet wird. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird der neue Brunnen etwas versetzt errichtet. Er soll, soweit die Absicht der Planer, weniger klobig sein und sich besser in das Geschehen auf dem Marktplatz integrieren lassen, sodass zum Beispiel auch Kinder daran spielen können.

Der Brunnenplatz soll mit einigen Kunstplastiken bereichert werden. Zunächst stand lange Zeit die Idee im Raum, Bronzeplastiken in Form von Ziegen im Bereich des Brunnenplatzes aufzustellen. Ähnlich wie das Ackerpferd, gehörten früher auch Ziegen zum Bild der von den landwirtschaftlichen Kleinstbetrieben geprägten Altstadt von Lügde. Der bereits im März vorgestellte Entwurf für den „Ziegenbrunnen“ soll von dem Wunstorfer Bildhauer Bernd Maro stammen.

Laut Aussage eines Papierartikels der Pyrmonter Nachrichten (PN) vom 10.8.2013 hat zwischenzeitlich der Bildhauer Christian Uhlig aus Lügdes Partnerstadt Angermünde ebenfalls einen Vorschlag zur Brunnengestaltung unterbreitet. Er ginge die Themen seiner Arbeiten nicht ganz so ernst an und würde wohl auch Spaßiges einbauen, heißt es in dem Beitrag.

Von Prälat Heinrich Festing soll laut dem Papierartikel der Vorschlag gekommen sein, einen „Kaiser-Karl-Brunnen“ zu errichten, weil 784 Karl der Große hier in Lügde das Weihnachtsfest gefeiert haben soll. Angelehnt an den Grundriss der Aachener Kaiserpfalz könnte der Brunnen achteckig gestaltet werden. In seiner Mitte könnte ein Kaiser-Standbild errichtet, und an den Brunnenwänden Tafeln mit Infos über Lebensstationen angebracht werden, berichtet der Text.

Ergänzend dazu titelte die PN am 16.8.2013 in einem Papierartikel: „Dann aber historisch korrekt!“ In dem Artikel werden Argumente gegen den „Kaiser-Karl-Brunnen“ aufgeführt, die von dem Lügder Jürgen Hinrichs stammen sollen. Ich versuche die Argumente mal einzudampfen: „Das Leben und Wirken Karls des Großen sollte nicht glorifiziert werden.“ Karl der Große war in vielerlei Hinsicht aus heutiger Betrachtung ein Barbar. Um 2009 habe ich das hier bereits mehrmals thematisiert - zum Beispiel: „Was war er für ein Mensch?“ oder „Keine Fantasy-Romane“.

Wie auch immer, vorgestellt werden sollen die Brunnen-Ideen in der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen am 9.9.2013.

Es kursiert auch eine Hausnummer: 70.000 Euro sei für den Brunnen veranschlagt. Aber nach Abzug von Zuschüssen und Spenden würde die Stadt nur noch 10.000 Euro zu zahlen haben. Nun ja. Ich komme unten noch mal auf den Punkt zurück (1).

Das Rathaus

Auch das Rathaus soll von der Verjüngungskur des Marktplatzes profitieren. Der ebenfalls sehr klobige, stufenlose Ein- und Ausgang des Rathauses, hier aus der Vogelperspektive:

Lügde, Rathaus, stufenfreier Aufgang (10.8.2013, 13)

soll erneuert werden.

Schaffung eines neuen barrierefreien Eingangsportals des Rathauses mit beidseitigen Rampen und Betonung durch geschwungene Treppenanlage mit Überdachung (Stahlkonstruktion mit Glasdach) mit Bühnenfunktionen.

…ist in der Niederschrift des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen vom 4.3.2013 nachzulesen. Auf gut Deutsch: Das Rathaus bekommt seine eigene Chormuschel. Vielleicht bleibt uns dann so was künftig erspart ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass sich mal jemand positiv über die Fassade des Rathausgebäudes geäußert hat. Dabei gehört eine Bemerkung wie: „Euer Rathaus passt nicht zu der schönen Altstadt“, noch zu den sehr freundlicheren Kommentaren. Es ist halt ein Gebäude mit einem sehr stilisiertem Fachwerk aus Beton. Wobei die Ausfachung alles andere als energiesparend ist. Vielleicht aber wird sich durch die nun vorgesehenen Maßnahmen der Anblick des Rathausgebäudes ein bisschen verbessern.

Fördermittel

Hinweisschild am Marktplatz in Lügde (10.8.2013, 38)

(1) „Umgestaltung des Markt-/Kirchplatzes“, steht auf dem großen Hinweisschild vor dem Marktplatz, und: „Hier wird unter Beteiligung des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Stadt Lügde mit Mitteln aus der Städtebauförderung gebaut“. Auch wenn die Bescheide über die Bewilligung von Fördergeldern das Aufstellen solcher Hinweisschilder verpflichtend fordern – bei solchen Schildern muss ich immer grinsen: Aus welchem Topf auch immer ihr das Geld dafür nehmt, und egal ob es ein Topf des Bundes, des Landes oder der Stadt ist – es ist immer der Steuerzahler der das Projekt finanziert. Insofern sind solche Schilder es meines Erachtens nicht wert, dafür Steuergelder auszugeben.

Lüchte, 19.8.2013