Dachverbände stärken die demokratischen Strukturen einer Stadt

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Ein
Baumhaus

Ob Freiwillige Feuerwehren, Heimat- und Verkehrsvereine, Musik-, Schützen- oder Sportvereine – sie alle engagieren sich für ihre Mitmenschen. Sie dabei finanziell zu unterstützen, ist nicht leicht. Denn wie soll das geschehen? Mit einer Gießkanne Zuschüsse zu verteilen wird oft verpönt. Das wirkt ein bisschen hilflos, so als habe man sich keine Gedanken gemacht. Und manchmal verdampfen solche Zuschüsse unbemerkt wie ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Zurzeit diskutieren einige darüber, mit welchem neuen Schlüssel man die Zuschüsse an die Heimat- und Verkehrsvereinen in Lügde verteilen könnte.

Hintergrund: In Lügde gibt es in jedem Ortsteil mindestens einen Heimatverein – zurzeit sind das insgesamt zehn Vereine. Der Schlüssel mit dem der jährliche Zuschuss von der Verwaltung bislang an die Vereine ausgezahlt wurde, berücksichtigt Faktoren wie Einwohnerzahlen des jeweiligen Ortsteils und Anzahl der Heimatvereine in einem Ortsteil. Vor ein paar Jahren hat sich ein Heimatverein aufgelöst. Die Frage ist nun: Wie könnte der dadurch „frei gewordene“ Zuschussanteil auf die anderen Vereine aufgeteilt werden?

Dazu habe ich den Diskutanten mehrere Berechnungsmodelle zugesandt. Alternativ habe ich vorgeschlagen, den Zuschuss von einem noch zu bildenden Dachverband der Heimat- und Verkehrsvereine verteilen zu lassen. Es gibt in Lügde bereits mehrere Dachverbände von bestimmten Vereinssparten – zum Beispiel den Stadtsportverband und den hier schon thematisierten Dachverband für die Musikvereine.

Welche Vorteile hat ein solcher Dachverband?

Der Dachverband sollte sich aus den Vereinen heraus gründen und organisieren. Schon dieser Prozess wird dazu führen, dass sich die Vereine besser abstimmen, besser zusammenarbeiten, zusammenrücken – sie müssen es. Das heißt, ein Dachverband zwingt die einzelnen Vereine über ihren Tellerrand zu blicken.

Für eine Stadt ist es von Vorteil, wenn die Vereine insgesamt, aber auch die Vereine einer bestimmten Vereinssparte, harmonieren. Damit wird das Wir-Gefühl der ganzen Stadt vergrößert. Ein in sich geschlossenes Vereinsleben verbessert die Außendarstellung der Stadt.

Ein Dachverband stärkt die demokratischen Strukturen einer Stadt, da er die Eigenverantwortlichkeit der angeschlossenen Vereine und deren Mitglieder erhöht. Denn sie müssen den Gerechtigkeitsfaktor finden, um den Zuschuss unter sich aufzuteilen. Sie müssen prüfen, ob er denn auch zweckentsprechend verwendet wird. Und sie müssen nach Lösungen suchen, wenn ein Verein aus der Reihe schert (Budgetpolitik).

Meine Erfahrung ist: Wann immer das Rathaus – egal ob Politik und/oder Verwaltung – direkt involviert ist, erzeugt das bei vielen Menschen schlechte Laune. Es wird zwar oft auf das Rathaus gezeigt: „Ihr müsst doch das regeln!“, aber wenn es geregelt wird, gibt es immer noch reichlich Unzufriedene. Die Eigenverantwortlichkeit der Dachverbände könnte helfen, diesen Frust-Faktor entgegenzuwirken. Daher sollte dem Gremium Dachverband auch kein Vertreter aus der Politik oder der Verwaltung angehören.

Stattdessen könnten die Dachverbände verstärkt in die Arbeit der Politik eingebunden werden – zum Beispiel, in dem Vertreter von ihnen zu den Sitzungen des betreffenden Fachausschusses eingeladen werden. Dadurch verringert sich die Distanz zur Politik, was auch zu einer Abschwächung des Frust-Faktors beitragen kann.