Bad Pyrmont und Lügde: Gibt es in zehn Jahren nur noch eine Stadt?

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Das Thema „Landesgartenschau Bad Pyrmont und Lügde“ wird wohl in der Versenkung verschwinden, dachte ich bis gestern. Aber als ich in dem Artikel vom 7.1.2013 „Erste Ideen für ein gemeinsames Entwicklungskonzept Lügde / Bad Pyrmont liegen vor“ auf der Website von luegde.de diesen Satz las:

[…] Dabei wird zwar auch eine mögliche interkommunale Gartenschau thematisiert […]

fragte ich mich: Ist das noch Agonie oder eine Wiederbelebung? Ich tippe auf Ersteres. Denn ich glaube, dass das Projekt für die beiden Städte nicht finanzierbar ist. Soheit dazu.

Interessant ist vielmehr das gemeinsame „Entwicklungskonzept Lügde / Bad Pyrmont“, das eigentliche Schwerpunktthema des Artikels. Ich habe die Studenten die daran mitwirken, zufällig mehrere Male getroffen. Einmal, als ihnen von Ortskundigen die Emmerwiesen zwischen Lügde und Bad Pyrmont vorgestellt wurden, und einen Tag später, als sie, ausgerüstet mit Kameras Menschen filmten, die den Wiesenweg (offiziell heißt er wohl Emmerweg) entlang gewandert, geradelt oder sonst wie gefahren sind.

Schon als Schüler habe ich den Verbindungsweg zwischen Bad Pyrmont und Lügde, der für den normalen PKW-Verkehr nicht zugelassen ist, nahezu jeden Tag genutzt. Und wann immer ich heute etwas in Bad Pyrmont zu erledigen habe und dafür kein Auto benötige, radele oder wandere ich dort entlang. Es war also gar nicht mal so zufällig, dass ich den Studenten dort begegne. Wenn deren Kamera eingeschaltet war, haben sie mich sowohl als Fußgänger als auch als Fahrradfahrer gefilmt. Gefragt haben sie mich allerdings nichts. Schade, dabei finde ich das Thema sehr spannend.

Viele Leute nennen den Wiesenweg so, weil er eben links und rechts mit Wiesen gesäumt ist. Nahe der Wiesen fließt auch die Emmer. Und wenn die Emmer Hochwasser führt, ist der Weg oft nicht passierbar (zumindest offiziell nicht). Dann aber wird klar, warum der Wiesenweg Emmerweg heißt.

Im Laufe der Jahre ist der Weg „kürzer“ geworden. Er ist natürlich nicht geschrumpft, sondern die Bebauung, zum Beispiel das Lügder Gewerbegebiet, hat ihm über die Jahre ein Stück „Natur“ abgetrotzt. Da ich den Weg von Kindesbeinen auf nutze, stimmt mich das immer ein bisschen wehmütig.

Ein paar Tage nach meiner unfreiwilligen Statistenrolle las ich in den Pyrmonter Nachrichten (Druckausgabe), worum es eigentlich geht:

Wie Dortmunder Städtebau-Studenten die Wünsche der Einheimischen in Erfahrung bringen

heißt es in dem Artikel vom 27. Oktober 2012 auf der Seite 11 im zweiten Teil der Schlagzeile. Und im Text:

Wie können die beiden Städte im Talkessel – zum Wohl ihrer Bewohner – noch dichter zusammenrücken?

Um Antworten auf die Frage zu finden, hatten die Studenten Bürgerinnen und Bürger aus Bad Pyrmont und Lügde zu „Tischgesprächen“ in ein Lügder Restaurant eingeladen. Prof. Yasemin Utku, die das Projekt begleitet, wird in dem Artikel zitiert:

„Gibt es in zehn Jahren nur noch eine Stadt?“, stellte die Leiterin des Dortmunder Städtebau-Studiengangs in den Raum. „Oder sollen beide Städte ihr Profil behalten?“

Ich hab´s ja geschrieben: Ein spannendes Thema. Und ich wage mal eine Prognose: Nicht das Entwicklungskonzept wird die Fragen beantworten, sondern die Notwendigkeiten, denen wir uns vielleicht schon in sehr naher Zukunft stellen müssen. Ich denke dabei auch an unzählige Entwicklungskonzepte, die in den Archiven ruhen aber kaum eine zielentsprechende Wirkung entfaltet haben.

Übrigensens: Die Fotos auf dieser Seite zeigen, wie Ihr Euch vielleicht schon gedacht habt, Eindrücke von dem Wiesenweg zwischen Bad Pyrmont und Lügde. Und ich wünsche mir, dass der Wiesenweg mit seinem naturnahen Umfeld möglichst so erhalten bleibt, wie er ist. Auch wenn sich die Städte Bad Pyrmont und Lügde immer mehr annähern wollen, sollen, müssen – ist es ist meines Erachtens nicht notwenig, noch mehr Natur zu zerstören. Denn die Natur ist eines unserer wichtigsten Potenziale hier in der Umgebung. Während ich das so schreibe habe ich mir übergelegt, in den nächsten Tagen dazu mal einige Gründe zu texten. Wobei ich dabei nicht nur den Wiesenweg und sein Umfeld beleuchten möchte.

Noch mal kurz zu dem oben erwähnten Zeitungsartikel der Pyrmonter Nachrichten. Darin ist auch zu lesen:

Was Prof. Utku – trotz aller angeregten Diskussionen – bedauerte: „Es kamen nur wenige junge Leute.“ [zu den Tischgesprächen im Oktober 2012] Dabei seien an der Gigas-Schule sogar noch kurzfristig Handzettel verteilt worden.

Mit der Gigas-Schule ist die Johannes-Gigas-Schule in Lügde gemeint. Ich frage mich: warum Handzettel? Die Schule hat doch eine eigene Website. Oder lesen die Schüler nicht in der eigenen Website? Und wenn sie es nicht tun stellt sich die Frage: Warum eigentlich nicht?

Worauf ich hinaus will: Studenten, also junge Leute, arbeiten an einem Entwicklungskonzept und die Professorin beklagt: „Es kamen nur wenige junge Leute.“ Wer könnte es besser wissen, wo und wie junge Leute zu erreichen sind, als junge Leute – wie zum Beispiel Studenten? Ich bin zwar nicht jung, aber ich würde – wie so oft – dazu raten, dafür das Internet zu nutzen.

Vielleicht fragt sich jemand: Was meint denn der mit „wie so oft“? Hier drei Beispiele:

Bei der schnellen Recherche im Netz habe ich zu dem „Entwicklungskonzept Lügde / Bad Pyrmont“ leider keine Infos von den Studenten gefunden. Vielleicht gibt es bei Facebook dazu mehr. Lippe-aktuell.de hat noch einen informativen Artikel zur Ausgangssituation des Konzeptes: „Welche Chancen hat die Region?“.

Update 9.1.2013: Hier die angedrohte Fortsetzung: „Durch die Wiesen von Lügde nach Bad Pyrmont