Aus der puristischen Epoche

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Zwei Wiesen mit verschiedenen Grüntönen vor einem blauem
Himmel Grün-Grün-Blau [2.6.2013, 0133]

»Weißt du was interessant ist? Als ich mit dem Fotografieren begonnen habe, waren Pflanzenblüten auch mein Lieblingsmotiv.« »Meinst du, es gibt einen typischen Werdegang?«, wollte sie von mir wissen. »Nein, das glaube ich nicht. Pflanzenblüten drängen sich als Fotomotiv geradezu auf. Bei mir waren es wie gesagt erst die Blüten, dann Blüten mit Insekten, danach kam die Regennasse-Pflanzenausschnitt-Epoche und so weiter«, erzählte ich ihr.

»Meine Freundin hat mir vorgeschlagen, Bäume oder deren bizarre Wurzeln zu fotografieren«, es klang halb fragend. »Ja«, ich grinste, »die Phase hatte ich auch schon.« »Ich glaube das kann ich nicht, ich weiß nicht wie ich das anstellen soll.« »Sag so was nicht. Du programmierst dich damit falsch.« Jetzt schmunzelte sie.

»Aber wie findest du denn meine Fotos?« »Mehrere der Fotos die du mir vorhin gezeigt hast gefallen mir ausgezeichnet. Aber es kommt nicht auf meine Meinung an. Entscheidend ist, wie du sie findest.«

Ich begann wieder auszuholen: »Egal was wir auch tun, wir drücken uns damit aus, bewusst oder unbewusst – ob mit unserer Sprache, mit unserer Kleidung, mit der Musik die wir lieben oder aber mit Fotos die wir schießen. Ideal ist es, wenn wir uns dabei im Einklang mit unserer Mitte befinden. Soll heißen: Du musst deine Foto lieben. Wobei du auch selbstkritisch sein solltest. Und wenn du eines deiner Fotos besonders magst, dann ist das ein gutes Foto.«

Sie fragte mich nach meinen Foto-Motiven. »Ich fotografiere zum Beispiel gern Menschen und würde das gern viel intensiver tun wollen. Aber du weißt ja: das Recht am eigenen Bild…« Für ein paar Sekunden hing ich in meinen Erinnerungen fest. »Da ich aber auch ein großer Fan von unserer Natur bin, muss die „dran glauben“. Oft fotografiere ich auch nur auf Vorrat. Zum Beispiel den Weserdampfer vorhin: Wenn ich mal einen Text über die Weser, oder über eine Bootsfahrt schreibe, dann könnte ich diese Themen mit dem Foto unterstreichen.«

»Ich glaube mir fehlt der Blick für das richtige Motiv.« »Alles ist Motiv. Einfach alles. Für mich gibt es kein Handbuch für die Wahl des richtigen Motivs. Je mehr du danach suchst, desto mehr Ressourcen blockierst du mit der Suche. Denke nicht so viel, fühle, sei einfach nur offen für Neues. Beobachte mal kleine Kinder, für die Werte noch nicht oder wenig von Bedeutung sind. Für sie ist ein vom Autoreifen zerquetschter Kugelschreiber im Rinnstein eine unglaubliche Entdeckung. Lass los, spiele, entdecke!«

PS: Das Foto oben ist, Ihr könnt es Euch denken, aus meiner puristischen Epoche – ein starkes Zeitalter.