Wie viele Leser hast du eigentlich? Lohnt sich der Aufwand?

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Innereien eines Zeitmessers.

Hin und wieder werde ich gefragt: »Wie viele Leser hast du eigentlich?« Womit die Fragenden die Anzahl der Leserinnen und Leser meines Geschreibsel hier auf soheit.de meinen. Manchmal kommt dann von mir eine Antwort wie: »Eine komplette Fußballmannschaft würde sich damit nicht bilden lassen. Aber ich arbeite dran…«

»Und, lohnt sich der Aufwand?« Die Frage kann ich ebenfalls schnell beantworten: Ein Fußballer wird kein Fußballstar, wenn er nur vor einem gefüllten Stadion spielen will – er muss erst beweisen dass sich lohnt ihm zuzuschauen. Möglicherweise hinkt der Vergleich, aber ich denke, er erklärt bereits einiges.

Aber ich beginne noch mal von vorn:

Wie viele Leser hast du?

Als „alleinerstehender“ Blogger eine große Leserschaft zu gewinnen ist natürlich nicht einfach. Aber ist das überhaupt mein Ziel? – Ich komme später noch mal darauf zurück. Doch um die Eingangsfrage zu beantworten: Ich weiß es nicht.

Behörden, Schulen, Kindergärten, Vereine haben es leichter mit ihrem Webangebot Leser zu gewinnen. Denn sie können bereits mit einem festen Kundenstamm rechnen. Bürger, Schüler, Eltern, Vereinsmitglieder haben ein natürliches Interesse daran, von ihrer Behörde, ihrer Schule, ihrem Kindergarten, ihrem Verein informiert zu werden.

Vor diesem Hintergrund bin ich oft erstaunt, dass manche Behörden, Kindergärten, Vereine dieses Potential nicht erkennen. Mensch, da sind doch schon welche, die könnt ihr sofort glücklich machen!, denke ich oft, wenn ich die „Macher“ in den Einrichtungen über die vielen Wenn´s und Aber beim Thema Webangebot reden höre. Informiert eure Kunden, schreibt was ihr euch überlegt habt, was ihr tut, und dass ihr nichts zu verbergen habt! Bindet eure Kunden mit ein, lasst sie mitmachen!

Lohnt sich der Aufwand?

Wie sieht das Verhältnis zwischen Mitteleinsatz und Erfolg aus? Ist der Ertrag groß genug?, bimmelte es neulich in meinen Ohren, als mir ein Experte was das Thema Wirtschaftlichkeit anbelangt die Frage nach dem Aufwand stellte. In dem Fall ging es allerdings nicht um soheit.de, sondern um das Webangebot von einigen Kindergärten.

Auch Behörden, Kindergärten, Schulen und Vereine möchten zufriedene Kunden. Ich hoffe dass das so ist. Also erübrigt sich eigentlich die Frage: Brauchen wir überhaupt ein Webangebot? Aber ich will meine Antwort trotzdem etwas eingehender begründen:

Ich bleibe mal bei den Stichwörtern Kundenzufriedenheit, Schulen Kindergärten und Vereine. Für die Schüler und die jüngeren Vereinsmitglieder ist das Internet ein stinknormales (Entschuldigung) Medium. Für sie ist es völlig normal, sich darin zu informieren. Das sind also Kunden, die meines Erachtens mit ihrem Medium auch „bedient“ werden sollten.

Aber auch die Eltern scheinen manchmal als Kunden nicht richtig wahrgenommen zu werden. Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Eltern eurer Kinder im Kindergarten, eurer Schüler?, habe ich in dem Zusammenhang schon mehrfach gefragt. Denn bereits für die derzeitig „amtierende“ Elterngeneration ist das Internet kein Teufelszeug mehr. Auch sie informiert sich regelmäßig im Netz.

Allerdings wundere ich mich, dass es offensichtlich kaum Eltern gibt, die gute Webangebote von ihren Einrichtungen einfordern. Erwarten sie das nicht? So nach dem Motto: Ach die…!

Zwischenergebnis: Auch wenn einige Kunden es (noch) nicht einfordern – trotzdem: Ob Kindergarten, Schule oder Verein, ein gutes Webangebot sollten sie meines Erachtens haben. Ich vermute, dass es nicht mehr lange dauern wird, dann werden selbst die Eltern von Kindergartenkindern mit Nachdruck ein informatives, stets aktuelles Webangebot von den Kindergärten einfordern. Übrigens: Man muss nicht warten, bis die Kunden einen Kundenwunsch äußern…

Wenn ich mich nicht irre, ist die Kundenzufriedenheit auch ein Thema beim Qualitätsmanagement. Ich habe gerade mal bei de.wikipedia.org nachgeschlagen. Dort ist dazu zu lesen:

[…] Inhalte sind etwa die Optimierung von Kommunikationsstrukturen, professionelle Lösungsstrategien, die Erhaltung oder Steigerung der Zufriedenheit von Kunden oder Klienten […]

Als ob ich es gewusst hätte: Die Verbesserung der Kundenzufriedenheit und die Optimierung von Kommunikationsstrukturen gehören zum Qualitätsmanagement. Und was muss ich mir unter dieser amtsknöchernden Formulierung „Optimierung von Kommunikationsstrukturen“ vorstellen? Ich bin jetzt mal mutig: Ein Webangebot ist ein Kommunikationsmittel. Es könnte (sollte) also Teil der Kommunikationsstruktur sein. Und diese gilt es zu verbessern. Ergebnis: Die Optimierung des Webangebotes gehört zum Qualitätsmanagement.

Zurück auf Anfang: Lohnt sich der Aufwand? Gegenfrage: Werden sich die Schüler, Eltern, Vereinsmitglieder – die Kunden – damit zufrieden geben wenn man ihnen sagt: „Ach, der Aufwand lohnt sich doch nicht!“?

Lohnt sich der Aufwand für soheit.de?

Und, lohnt sich der ganze Aufwand, den ich hier in soheit.de investiere? Klar doch. Ich habe längst aufgehört dieses Webangebot zu pushen. Ich verteile keine Visitenkarten, und ich habe keine Lust, bei Twitter, Facebook oder Google+ gezielt Leser zu gewinnen. Ich blogge hier friedlich vor mich hin.

»Denk daran, du bloggst für dich!«, sagte mir ein Freund als ich hier mit dem Bloggen begann. Ich habe ihn damals nicht verstanden. Ich blogge doch, weil ich gelesen werden will, weil die Leute lesen sollen, was ich tolles zu sagen habe, dachte ich damals. Nun ja, das was ich zu sagen habe, ist wohl doch nicht so toll.

Es ist vermutlich ein typisches Blogger-Einsteiger-Syndrom: Je mehr man darauf fixiert ist Leser zu gewinnen, desto mehr bremst man sich aus – Schreibblockade. Das ist wie mit dem Besuch einer Disko: Gehe ich in die Disko um Mädels zu beeindrucken oder will ich tanzen? Mittlerweile gehe ich dorthin um zu tanzen…

Ich fasse zusammen: Seit ich verstanden habe, dass ich für mich blogge, gehe ich tanzen (Ihr wisst schon, was ich nicht meine). Ich gehe doch nicht für die Zuschauer am See angeln, ich sammele doch keine Briefmarken weil mir dabei so viel Leute über die Schulter schauen, ich spiele doch nicht für die Zuschauer Fußball – das mache ich doch in erster Linie für mich, das sind meine Hobbys (also die genannten jetzt gerade nicht).

Wie viel haben Hobby und Wirtschaftlichkeit miteinander zu tun? Sind meine Leser der Ertrag meines Hobbys? Hobbys haben oft die merkwürdige Eigenschaft, dass sie zeitintensiv sind – dass man dafür Aufwand betreibt.

Soheit.de ist ein Werkzeug für mich. Ich halte hier meine Gedanken fest, ich schreibe um zu dokumentieren, ich schreibe um zu verstehen, um zu lernen. Ich blogge, um darauf zurückgreifen zu können, wenn ich mal wieder zu den Themen Internet und Webangebote „interviewt“ werde, wenn ich mich mit Freunden über Bücher austausche (du brauchst das nicht aufschreiben, schau bei soheit.de nach und gib den Suchbegriff Bücher ein), wenn ich mich über das Thema Gärten unterhalte, wenn wir mal wieder auf die Umgehungsstraße in Lügde zu sprechen kommen, wenn ich jemandem kurz ein bestimmtes Fotomotiv zeigen möchte und so weiter, und so weiter…

Natürlich freue ich mich, wenn das, was ich hier so schreibe, auch andere interessiert. Klar ist das ein tolles Gefühl, wenn ich mitbekomme, dass ein Text von mir einen Leser bereichert hat, weil er einen Tipp, eine Idee für sich darin entdeckt hat. Ja, auch dafür betreibe ich diesen Aufwand – aber nicht in erster Linie.