Warme Worte zu Weihnachten

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Weihnachtskerze (13.12.2005, 9840)

Aus allen Richtungen schneit es zur Zeit wieder Weihnachtsgrüße. Doch ich bin davon überzeugt, viele davon sind einfach über.

In diesem Jahr habe ich viel mehr Weihnachtskarten, -Briefe und -E-Mails bekommen, als in den Vorjahren. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. 2012 musste ich einiges am Häuschen reparieren und erneuern lassen. Und alle ausführenden Firmen haben das bevorstehende Weihnachtsfest zum Anlass genommen, mir für das Vertrauen und die Zusammenarbeit zu danken. Soheit so gut.

Vier, fünf Unternehmer habe ich mal gefragt, warum sie Weihnachtspostkarten versenden. Kundenservice, Sich-in-Erinnerung-bringen – das waren so Gründe die mir dann genannt wurden. Bei allen Antworten war aber auch eine weitere Aussage mehr oder weniger deutlich zwischen den Zeilen herauszuhören: „Weil man das doch so macht!“ Diese Aussage, egal in welchem Zusammenhang, ist für mich kein Argument. Sie zeugt von Gedankenlosigkeit, von Hilflosigkeit und vielleicht sogar von mangelndem Mut.

Dazu passt der klassische Wunsch, der oft mit den Weihnachtsgrüßen verknüpft wird: Besinnlichkeit – „Er sie es wünscht besinnliche Weihnachtszeit“. Das liest sich schön an. Aber sollte ich mich nicht das, ganze Jahr hinweg, also immer mal wieder besinnen? Warum also ausgerechnet zur Weihnachtszeit? Oder verstehe ich das mit der „Besinnlichkeit“ falsch?

Manchmal gehört zu der Aufzählung von Wünschen auch der nach einer „friedvollen Weihnachtzeit“. Das klingt so, als sei Weihnachten üblicherweise, also in aller Regel nicht friedvoll – mehr kriegerisch. Erst neuerlich hatte ich mich darüber ausgemärt:

[…] Auf jeden Fall ist mir mittlerweile klar geworden, warum in den Weihnachtskarten so oft von Wünschen nach einer friedvollen und ruhigen Weihnachtszeit zu lesen ist. Vermutlich ist da die eigene Sehnsucht die Mutter des Gedanken, weil die Absender von eigenen, tiefgreifenden Erfahrungen […] für´s Leben geprägt wurden.

Jemand schrieb mir: „Wir wünschen [ihnen…] Zeit zur Entspannung, Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge […]“ Der muss ja von mir einen Eindruck bekommen haben, dachte ich mir, habe ich so un-entspannt gewirkt? Und was soll das mit der Besinnung auf wichtige Dinge? Meint der, dass ich mich bislang nur auf unwichtige Dinge besonnen habe?

Ich persönlich stehe ja auf Zufriedenheit – als Wunsch und in Formvollendung. Man liest zwar öfters von dieser Wunsch-Priorität: „vor allem Gesundheit“ – aber auch gesunde Menschen können unausstehlich sein. Zufriedene Menschen dagegen sind ein Genuss – für sich selbst und für andere.

Zwischenergebnis: Es ist sinnlos Weihnachtsgrüße zu versenden, nur „weil man das so tut“. Und ich sollte mir schon darüber Gedanken machen, welche Wünsche ich mit „in die Tüte packe“.

Ich mag Weihnachtspost, wenn sie Individualität erkennen lässt, das heißt, wenn der Absender konkret auf das Miteinander zwischen ihm und mir eingeht. Ein Beispiel:

Mit einem der Unternehmer der für mich tätig war, bin ich im Streit auseinandergegangen. Seine Mitarbeiter haben gute Arbeit geleistet. Doch der Firmenchef ist mir gegenüber mehrmals inakzeptabel aufgetreten, sodass ich höflich aber bestimmt die Zusammenarbeit aufkündigen musste. Danach war Funkstille. Nun hat er mir zu Weihnachten ein kleines Präsent hinterlassen. Nichts Besonderes, es stand einfach eines Abends vor meiner Haustür.

Gut, er zeigt guten Willen, habe ich mir gedacht. Aber das Präsent interessiert mich überhaupt nicht, es wird in der Mülltonne landen (nicht weil ich eine beleidigte Leberwurst bin, sondern weil ich keine Steh´rumchen und Staub´zuchen brauche). Ich hätte es schön gefunden, wenn er in der beiliegenden Karte auf den Konflikt eingegangen wäre, wenn er mir gezeigt hätte, dass er sich noch mal mit unseren Unstimmigkeiten auseinandergesetzt hat. Dafür bedarf es keines Romans, ein Satz hätte vielleicht schon genügt.

Zweites Zwischenergebnis: Weihnachtsgruß-Karten, -Briefe, -E-Mails sind komplett überflüssig, wenn sie in der gleichen Form zigmal versandt werden – das sind Spams! Ich werde doch mit niemand besser oder mehr zusammenarbeiten, nur weil er mir so einen Weihnachtsgruß hat zukommen lassen.

Ein Unternehmer erzählte mir kürzlich, dass er auch gern auf das Versenden der Weihnachtsgrußkarten verzichten würde, aber viele Kunden würden eine Grußkarte zu Weihnachten erwarten. Das kann sein, das kann aber auch nicht sein. Denn ich bin mir sicher, wenn man wirklich mal die Kunden fragen würde, würde das Argument mit der Erwartungshaltung ziemlich schwach werden.

Die Kunden sind doch nicht blöd. Im Gegenteil, sie kommen sich vielleicht sogar noch vereimert vor, wenn man sie mit substanzlosen Karten, Briefen oder E-Mails belästigt. Es sei denn sie glauben noch an den Weihnachtsmann und daran, dass das mit den W-Grüßen so sein müsse, weil´s doch alle machen.

Drittes Zwischenergebnis: Wer Weihnachtsgrüße versendet, sollte den Kunden direkt ansprechen und auf die gemeinsame Arbeit konkret eingehen. Abstrakt-pauschale Weihnachtsgrüße sollten sich die Unternehmen „schenken“.

Ich gehe mal davon aus, das die allermeisten Unternehmen auch von anderen Firmen Weihnachtspost bekommen, zum Beispiel von denen, mit denen sie zusammenarbeiten (Zulieferer oder dergleichen). Mich würde wirklich mal interessieren, wie die Unternehmer selbst zu der Weihnachtskartenflut stehen.

Ergebnis:

Was zählt ist doch die Zusammenarbeit im Alltag, und vor allem die Qualität der Produkte beziehungsweise die der Dienstleistungen. Ich möchte persönlich, individuell bedient und nicht pauschal „abgespeist“ werden – auch nicht bei Weihnachtsgrüßen in Form von Karten, Briefen, oder auch E-Mails.

PS: Aus der Reihe „Hier gibt´s die jeweilige Vollversion vom Bild der Woche“ – das Foto oben zeigt die Vollversion vom Bild der 51. Kalenderwoche 2012

PPS: Weil es hier gerade so weihnachtlich ist: A Christmas Song von Jethro Tull.

Update 28.12.2012: Teil II dieser Reihe ist zwischenzeitlich auch erschienen: „Wohin mit den Weihnachtspräsenten?“.