Sonst denken die Leute, du seist ein…

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Sie: Ziemlich viel Laub hier im Tunnel. Er: Ja, das könnte man ja mal wegmachen. Sie: Wie? Du willst das wegmachen? Er: Warum nicht? Sie: Das lass mal schön die Stadt machen. Sonst denken die Leute, du seist jetzt für den Bauhof tätig, oder du seist ein Ein-Euro-Jobber. Er: Oder sie denken, ich hätte von einem Gericht Sozialstunden aufgebrummt bekommen.

Diese Geschichte erzählte „Er“, ein Lügder Rentner, mir im Herbst vergangenen Jahres. Es habe ihn in den Fingern gejuckt, das Laub im Fußgängertunnel am Bahnhof zu entfernen. »Aber es ist ja wirklich so, es könnte dann der Eindruck entstehen, dass ich Sozialstunden abzuleisten habe«, begründete er mir seine Zurückhaltung. Ich erzählte ihm die Geschichte eines Freundes, dem ein dreckiges Ortsschild seines Wohnortes störte. Er hat es einfach gereinigt und von der Aktion im Netz berichtet.

»Ich weiß nicht, ob das ein guter Tipp war«, hielt mir ein anderer Freund entgegen, dem ich von dem Erlebnis berichtete. Ich fragte ihn nach dem Grund. »Muss man denn jede gute Tat an die große Glocke hängen?«, gab er mir zu bedenken.

Heute Morgen beobachtete ich zufällig, wie der Inhaber eines kleinen Betriebes zielstrebig auf die Eingangstür seines Geschäftes zuging. Unvermittelt schwenkte er etwas ab um zwei Meter entfernt ein zerknüddeltes Papiertaschentuch aufzuheben. Sofort musste ich an den Aphorismus denken:

Wer sich für das Kleine zu groß ist, ist für das Große zu klein.

Die Stadt braucht viel mehr Menschen, die nicht erst lange nach der Zuständigkeit fragen, die keine Show brauchen, um Gutes zu tun.