Leserumfrage bei soheit.de: Ein Interview mit Andreas Edler

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Vernetzt…

Ist das Internet wirklich so anonym, so unpersönlich, wie das von einigen behaupten wird? Was sind das für Menschen, die da meine Texte lesen? Um das heraus zu bekommen, könnte ich eine Leserumfrage starten. Ich könnte einen Artikel schreiben und alle Leser des Artikels bitten, mir die in dem Beitrag gestellten Fragen zu beantworten.

Ein anderer Weg ist, direkt mit einem Leser in Kontakt zu treten und ihn zu interviewen. Besonders interessant ist das, wenn mir der Leser zwar als solcher, aber darüber hinaus nicht bekannt ist.

Andreas Edler hat hier bei soheit.de schon viele Kommentare geschrieben. Auch den Artikel „Kaum Leser und dennoch nicht entmutigt“ hat er kommentiert. Ich kannte Andreas nur von den Kommentaren hier, und von von den Beiträgen auf seiner Website. Daher dachte ich mir: Das ist der ideale Interviewpartner für meine „Leserumfrage“. Also habe ich ihn gefragt, ob er „dabei“ ist. Andreas hat sofort zugesagt. Genug der Vorrede, hier ist das Interview mit Andreas Edler:

Hallo Andreas, vielen Dank, dass Du bei dieser „Leserumfrage“ mitmachst! Bevor wir uns den Fragen zu soheit.de widmen, erzähl uns bitte ein bisschen Dir. Was machst Du beruflich, was sind Deine Interessen?

Bitte, gerne. Beruflich habe ich mich vor 25 Jahren entschieden Bankkaufmann zu werden und das auch umgesetzt. Immer schon galt mein Interesse aber auch der Computerei und als sich Ende 1998 die Gelegenheit bot, habe ich sie genutzt und bin in die EDV-Organisation einer Sparkasse gewechselt. Sehr spät habe ich mich dann noch entschieden, mich fortzubilden und habe am Friedrich-List-Berufskolleg in Herford den staatlich geprüften Betriebswirt in Wirtschaftsinformatik gemacht. So sitze ich nun täglich im Büro zwischen den Rechnern und versuche u.a. das Internet zu bändigen.

Zur Arbeit fahre ich sehr gerne mit dem Fahrrad und nutze dies in der Freizeit ebenfalls für lange und kurze Touren. Einmal im Jahr fahre ich mit einem Freund auch eine mehrtägige längere Radreise. Über das Thema “Fahrradfreundlichkeit” bin ich in 2009 auch zu den Grünen gekommen, die mich ansprachen ob ich Lust hätte mich dort zu engagieren. Und seitdem sitze ich in Bad Oeynhausen im Stadtrat und versuche das ein oder andere Geschehen in die grüne Richtung zu drehen.

Leider bin ich seitdem deutlich weniger im Kino gewesen. Bis dahin hat es mich mindestens einmal die Woche in ein Lichtspielhaus gezogen. Inzwischen bin ich schon froh, wenn ich es ein- oder zweimal im Monat schaffe, einen Film auf der großen Leinwand zu sehen.

Du bist viel im Netz unterwegs. Wenn ich das richtig gesehen habe, betreibst Du auch mehrere Websites. Über welche Themen schreibst Du dort?

So richtig betreibe ich eigentlich nur 1 Seite, nämlich meine private Homepage Damit bin ich tatsächlich schon Mitte/Ende 1996 angefangen. Damals bei T-Online, als die mit den privaten Homepages starteten. Ich habe schon immer sehr, sehr viele Filme im Kino oder auf Video und DVD gesehen und daher angefangen, diese kurz zu kommentieren. Daraus wurde dann in 1999 die Seite “filmfacts”. Die wuchs und wuchs und hatte zeitweise an die 2.000 Besucher am Tag. Auf der privaten Seite habe ich nebenbei immer mal wieder kurze Texte zu meinem Befinden oder meiner Meinung zu allem möglichen veröffentlicht. Jedoch ohne ein Content-Managment-System dahinter. Das habe ich um 2003 herum geändert und mit Blogger.com und später einem selbst gehosteten Wordpress regelmäßiger und häufiger “ins Internet” geschrieben. Neben den Filmkritiken schreibe ich über alles was mich in irgendeiner Form bewegt. Meist ist das “Gemecker”. Wahrscheinlich ganz einfach, weil man viel schneller mit Kritik bei der Hand ist, als einfach mal zu sagen “Das finde ich gut.”. Gleichzeitig zieht “Meckern” natürlich auch viel eher Besucher an ;-) Schnell wurde ich neben dem privaten Kram wie abgerissener Achillessehne oder dem Bau einer Holzterrasse auch politisch. Sowohl kommunal, indem ich Entscheidungen aus Rat und Verwaltung kommentiert habe, als auch darüber hinaus. Inzwischen betreue ich auch den Internetauftritt des Ortsverbandes und der Fraktion der Grünen in Bad Oeynhausen.

Wie oft ergänzt Du Deine Webangebot? Wie häufig schreibst Du dort Texte, wie oft schiebst Du ein Foto hoch?

Die Filmseite stagniert leider seit Jahren. Das schlägt sich auch ganz deutlich auf die Besucherzahlen nieder. Ich finde einfach nicht mehr die Zeit - und manchmal die Lust - mich länger hinzusetzen und eine Kritik zu einem Film zu schreiben. Selbst meine laienhaften und wenig elegant formulierte Schreibe benötigt nämlich Zeit, wenn es halbwegs gehaltvoll sein soll. Da ist es wesentlich einfacher, in einem privaten Blog zu erwähnen, dass man den Garten vertikultiert hat oder wo entlang die letzte Radtour führte. Auf filmfacts erscheint daher vielleicht ein- oder zweimal im Monat etwas, auf andreas-edler.de schreibe ich eigentlich täglich. Oft sogar mehrere Beiträge. Bilder kommen sicher in jedem zweiten Text vor, da ich finde es lockert die Seite auf und macht das Angebot freundlicher. Dabei sind alle Fotos tatsächlich von mir selbst gemacht. Ich habe damit dann keine Probleme wegen dem Bild eines Brötchens abgemahnt zu werden ;-)

Alle anderen Webseiten werden aktualisiert, sofern sich etwas geändert hat. Das kann manchmal auch etwas länger nicht geschehen.

Wie häufig wirst Du auf bestimmte Beiträge angesprochen?

Leider sehr wenig. Das war ja auch der Grund, warum ich den Kommentar auf soheit.de hinterlassen habe. Reaktionen gibt es eher selten. Das sieht etwas anders aus in dem speziellen Bereich über die Achillessehne. Als mir diese in 2003 gerissen ist, habe ich dazu ein Forum eingerichtet, welches immer noch sehr gut frequentiert ist und laut den dort geschriebenen Beiträgen und auch persönlicher Mails an mich, dem ein oder anderen weiter geholfen hat. Das geht soweit, dass mir gesagt wurde, es hätten schon Krankengymnasten ihre Patienten an das Forum verwiesen. Das macht mir natürlich Laune.

Ein anderer Teil meiner Seite, über die ich sehr viele Reaktionen bekommen habe, ist die Holzterrasse. Zeitweilig bekam ich da jede Woche mehrere Mails mit Anfragen zur Vorgehensweise und zum aktuellen Stand. Es war sogar schon mal plötzlich jemand hier vor der Haustür, der einen Freund in Vlotho besuchte und die Gelegenheit nutzte - wo er schon mal hier in OWL war - meine Terrasse anzusehen, da er selbst eine plante und bei mir soviel gelesen hatte. Und ich bin schon mal im Restaurant auf einem Campingplatz von jemandem angesprochen worden, ob ich nicht Andreas Edler sei. Er hätte meine Terrasse nachgebaut. Da habe ich mir natürlich ein Loch in den Bauch gefreut!

Alle anderen Texte werden aber deutlich weniger frequentiert und wenn es nach Prominenz geht, dann bin ich sicher eher ein V oder W-Blogger statt einer aus der A- oder B-Riege :-)

Wie viele Kommentare bekommst Du im Durchschnitt unter einem Artikel?

3.705 Posts und 3.033 Kommentare. Also weniger als einen Kommentar pro Beitrag. Und das Ergebnis ist noch verfälscht, da besonders die wenigen Beiträge zu der Terrasse überproportional häufig kommentiert wurden.

Wie intensiv bewegst Du Dich auf anderen Plattformen wie Facebook oder Twitter?

Zu intensiv ;-) Ich twittere ziemlich viel glaube ich. Vom Handy, vom Sofa mit dem Laptop, am PC … Bei Facebook direkt schreibe ich eigentlich gar nichts. Ich lasse aber alle Tweets von Twitter zu Facebook replizieren. Und ich lasse automatisiert alle Blogbeiträge aller Seiten bei Twitter anoncieren, so dass sie auf dem Wege auch bei Facebook landen. Etwaige Reaktionen auf diesen Plattformen beantworte ich dann natürlich. Dort bekomme ich auch deutlich mehr Rückmeldungen als auf mit der originären Kommentarfunktion im Blog. Und sei es nur, dass jemand bei einem Facebook-Post, welcher widerum nur durch einen Blogeintrag initiiert wurde, auf “gefällt mir” geklickt hat.

Wozu nutzt Du diese Plattformen?

Wenn man es also genau nimmt, nutze ich Facebook lediglich als Werbeplattform für meine Webseite. Twitter zu einem Teil auch, allerdings schreibe ich hier auch viel. Fernsehgucken kann ich mir z.B. ohne Twitter nur noch schwer vorstellen bzw. bei Talkshows gar nicht mehr ohne ertragen. Oft sind die Echtzeitkommentare zu #AnneWill #Jauch oder #Illner deutlich unterhaltsamer als die eigentliche Talkrunde. Und Castingshows kann man eigentlich generell nur noch mit Direktkommentaren über das Netz ertragen.

Aber auch Nachrichten bekomme ich per Twitter rund um die Uhr direkt auf das Handy. Es ist schon ein nützlicher Dienst.

Ich kann mir vorstellen, dass Du schon einige kuriose Dinge bei Deiner Arbeit im Internet erlebt hast. Gibt es ein Ereignis, was Dich total überrascht hat, wo Du gesagt hast: Das kann nur das Internet?

Naja, dass ich in einem Restaurant von fremden Leuten angesprochen werde, die meine Seite gelesen haben, finde ich schon sehr kurios. Dazu zählen aber auch einige Telefonate mit Leuten die sich ebenfalls die Achillessehne gerissen haben oder einer, dem ich mal nachts um kurz vor Mitternacht erklären sollte, wie man die Gehäusehälften eines Vespa-Motors auseinander bekommt. Aber Dinge die nur das Internet kann? Ich sehe das Medium mehr als eine Kommunikationsmöglichkeit, die schnell und direkt ist. Natürlich ist das in den letzten 1 12 Jahrzehnten ein gewaltiger Sprung Sprung in der Vernetzung gewesen, aber ich würde nicht sagen “das kann nur das Internet”. Das kann nur das Internet “so schnell” trifft es meist schon eher.

Lass uns jetzt noch soheit.de unter die Lupe nehmen. Wie bist Du auf soheit.de aufmerksam geworden?

Hm, wenn ich ehrlich bin, weiß ich das gar nicht mehr. Ich vermute, über die Suche nach “lokalen Blogs”. Lügde ist zwar nicht mehr ganz so nah bei Bad Oeynhausen, aber wahrscheinlich habe ich nach Dingen aus der Umgebung gesucht, ein oder zwei Beiträge gelesen und die Seite in den Google-Reader zu den abonnierten RSS-Feeds einsortiert. Dafür spricht, dass soheit.de unter “Bad Oeynhausen und Umgebung” gelistet ist.

Wie häufig schaust Du bei soheit.de rein?

Genauso häufig, wie etwas veröffentlicht wird. Wobei das nicht ganz stimmt, denn ich habe wie gesagt den RSS-Feed abonniert und lese die Beiträge ganz oft auch nur im Reader, ohne die Seite aufzurufen. Das mache ich bei anderen Blogs genau so. Aufgerufen werden die Seiten nur dann, wenn sie z.B. einen gekürzten Feed anbieten - wobei mich das eher nervt - oder wenn ich kommentieren möchte.

Wenn Du hier durch die „Seiten blätterst“, welche Themen interessieren Dich besonders? Von welchen Themen würdest Du hier gern mehr lesen?

Ich habe kein festgelegtes Thema, das ich lesen möchte. Auf einer privaten Seite erwarte ich durchaus auch Privates oder zumindest persönliche Ansichten zu den Dingen die den Autor interessieren. Im Fall von Soheit bin ich über die geographische Nähe auf das Blog aufmerksam geworden. Vor dem Hintergrund eines privaten Blogs aus einer Kleinstadt, lese ich dann ganz gerne darüber, wie Sachen dort gehandhabt werden. Die Beiträge zum Tunnel fand ich zum Beispiel interessant. Oder - natürlich ;-) - die Posts über die Fahrradstadt im Lipperland. Also alles Dinge, die auch in die politische oder verwaltungstechnische Richtung gehen. Das interessiert mich schon wegen meines Engagements hier vor Ort.

Gibt es Themen von denen Du denkst: Dazu müsste bei soheit.de doch mal etwas zu lesen sein! – zum Beispiel wegen der örtlichen Nähe zum Thema?

Das kann ich so gar nicht sagen. Ich finde, es ist doch Sache des Autors, was er veröffentlicht und worüber er schreibt. Ich achte auch ein wenig darauf, was meine Leser wohl denken oder erwarten, aber bei den Themen oder den Befindlichkeiten, nehme ich keine Rücksicht auf externe Wünsche. Meine Seite, meine Themen. Und genau diese Erwartungshaltung habe ich auch an andere Seiten. Soheit ist doch auch eine private Spielwiese und diese Dinge lese ich ganz gerne. Wie andere denken, was sie machen oder lassen, wo und wie sie leben. Alles zusammen ergibt ein Bild von Ansichten, die sich mit den eigenen abgleichen lassen und so Bestätigung oder Denkanstöße liefern können.

Nur auf die Inhalte von soheit.de bezogen: Welche Dinge würdest Du ändern, und wie würdest Du das machen?

An den Inhalten nichts. Das ist doch alles Sache des Autors. Mein Blog, meine Spielwiese. Rein technisch/kommunikativ habe ich das Homepage-Feld im Kommentarformular schon erwähnt. Eine Anzeige der letzten Kommentare im rechten Menu ist hilfreich und lässt Besucher sicher noch mal etwas mehr stöbern.

Vielen Dank Andreas, dass Du die Zeit genommen hast, die vielen Fragen zu beantworten!

Ich habe eingangs die Fragen in den Raum gestellt: Ist das Internet wirklich so anonym, so unpersönlich, wie das von einigen behaupten wird? Was sind das für Menschen, die da meine Texte lesen? Ich denke, das Interview mit Andreas zeigt sehr gut, dass das Internet nicht anonym und unpersönlich sein muss.

Noch ein kurzer Hinweis zum Schluss. Vor ein paar Wochen fragte ich: „Was bringt die Kommentarfunktion?“ Dieses Interview ist ein weiteres Argument für die Kommentarfunktion. Sie bietet eine zusätzliche Möglichkeit, mit seinen Lesern in Kontakt zu treten.