Ich. darf. nicht. schlafen.

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Stell Dir vor, Du wachst morgens in einem Bett auf, und alles ist Dir fremd: Die Frau, beziehungsweise der Mann der neben Dir liegt und schläft, der Raum in dem Du aufgewacht bist…

Völlig verunsichert stehst Du auf, bewegst Dich vorsichtig durch die Räume der Dir fremden Wohnung und kramst dabei verzweifelt in Deinen Erinnerungen. Vor einem Spiegel bleibst Du schockiert stehen, weil Dein Spiegelbild nicht dem entspricht, woran Du Dich erinnern kannst. Dieser Mensch in dem Spiegel ist mindestens zwanzig Jahre älter als Du.

Du zermarterst Dir den Kopf, doch es bleibt dabei: Alles was Dir Dein Gedächtnis von Dir liefert sind Bilder eines Menschen, der mindestens zwanzig Jahre jünger ist als Du aussiehst. Wo bin ich? Was ist passiert? Warum sehe ich so viel älter aus? Wer ist dieser Mensch, neben dem ich eben aufgewacht bin?, fragst Du Dich.

Die Frau oder der Mann kommt achtsam auf Dich zu: „Hab keine Angst. Du bist zu Haus. Wir sind verheiratet.“ Ungläubig starrst Du Dein Gegenüber an. Behutsam wird Dir erklärt, dass Du Deine Erinnerungen verlierst, sobald Du schläfst. Du seist vor vielen Jahren von einem Auto angefahren worden, wird Dir gesagt. Dieser Unfall habe Dein Gehirn verletzt, mit der Folge, dass Du neu Erlebtes nicht speichern kannst.

Kannst Du diesem Menschen glauben? Er behauptet mit Dir verheiratet zu sein. Aber sein Gesicht, sein Körper…? Er ist Dir gänzlich unbekannt.

Das in etwa ist die Ausgangssituation des Thrillers „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ von S. J. Watson.

Christine Lucas leidet an Amnesie. Ein Arzt, der an ihrer Krankengeschichte für Forschungszwecke interessiert ist, setzt sich mit ihr in Verbindung. Er empfiehlt ihr, Tagebuch zu führen. Um sie daran zu erinnern, und um ihr zu erklären wo sie das Tagebuch versteckt hat, ruft er sie regelmäßig an. Christine beginnt heimlich alles aufzuschreiben was sie tagsüber erlebt und entdeckt hat – ihr Gedächtnis aus Papier.

Die Schwangerschaftsstreifen an ihrem Bauch verraten ihr, dass sie schwanger gewesen sein muss. Der Mann, Ben, der sagt ihr Ehemann zu sein, erklärt ihr, ihr gemeinsamer Sohn sei bei einem Einsatz in Afghanistan ums Leben gekommen. Aber warum hat er ihr das erst erzählt, als sie ihn danach fragte? Warum gibt es in der Wohnung kein Foto auf dem sie und ihr Sohn zu sehen sind? Wo sind die Bilder von all den Jahren? Ben behauptet, der größte Teil ihrer Fotos sei bei einem Wohnungsbrand vernichtet worden. Will Ben sie wirklich schonen, weil er vermeiden möchte, dass sie jeden Tag erneut mit der ganzen Wucht der Trauer getroffen wird?

Nach und nach entdeckt Christine viele Unstimmigkeiten. Auch einige Puzzleteile aus ihrer Vergangenheit die sie von ihrem Arzt erfahren hat, stellen sich im Nachhinein als sehr fragwürdig heraus. Wem kann sie trauen? Welche von den Bildern die ihr manchmal ins Gedächtnis kommen stammen aus Erinnerungen, und welche sind ein Produkt der Phantasie? Was ist in den vergangenen rund zwanzig Jahren wirklich passiert?

Wem kann man vertrauen? Wer ist ehrlich?

Okay, ich will ehrlich sein: „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ ist ein Thriller, der mich nicht so gefesselt hat, wie die Story das eigentlich hätte hergeben können. Phasenweise war er mir zu langatmig. Das führt dazu, dass während dieser Passagen der Spannungsbogen abflacht. Aber vielleicht ist dieser Eindruck bei mir so entstanden, weil ich das Buch gelesen habe während ich von einer Erkältung ermattet und genervt im Bett lag.