Ich bin ein Lügder

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Lügde, Lüchte – das geht alles in Ordnung. Aber Lüdge?

Wäre John F. Kennedy mal ins grandiose Lipperland gereist und hätte in Lügde Station gemacht, dann hätte er bestimmt gesagt: Ich bin ein Lügder! Nun gut, er hat sich den Satz für Berlin aufgehoben. Aber er hätte sicher seine Freude bei der Aussprache gehabt. Denn selbst wir Lügder brechen uns zuweilen die Zunge, wenn wir versuchen, den Namen unseres Heimatstädtchens korrekt auszusprechen. Daher schreiben wir zwar Lügde, sind aber pragmatisch und sagen Lüchte. Das schont die Zungenmuskulatur.

Apropos schreiben: Ein weiteres, vermutlich aber nicht hausgemachtes Phänomen ist, dass viele Menschen die noch keine Berührungspunkte mit Lügdern oder Lügde hatten, Lüdge statt Lügde schreiben. Noch mal zum Mitschreiben: Der Gustav kommt vor der Dora! Warum kennen so viele Menschen diese so wichtige Rechtschreibregel nicht? Warum schreiben die Leute Lüdge statt Lügde? Trotz jahrelanger, intensiver Recherche bin ich bislang zu keiner zufriedenstellenden Antwort gekommen. Vielleicht kann mir die werte Leserschaft dabei helfen.

Das Hinweisschild oben auf dem Foto soll belegen, dass ich hier keineswegs von einem marginalem Phänomen schreibe. Dieser Buchstabendreher ist einfach nicht auszurotten. „Ortsdurchfahrt Lüdge“ – das ist doch nicht zu fassen! Zur Ehrenrettung Unbekannter muss ich allerdings hinzufügen, dass das Schild kurze Zeit nachdem ich es fotografiert habe, ausgetauscht worden ist. Nun ist auf dem Schild von der „Ortsdurchfahrt Lügde“ die Rede.

Seit zirka eineinhalb Wochen klebt das Foto als Blickfang auf der Startseite unseres Intranets. Darunter der Text: „Wir können alles außer…“. Ein Kollege hat das Foto offensichtlich entdeckt und sah sich in der Pflicht, dem Leiter des Bauamtes und mir heute dazu eine E-Mail zu schreiben. Betreff: „Schilder Baustelle Ortsdurchfahrt“, Text: „siehe Intranet erste Seite: Schild Lüdge statt Lügde“ – mehr nicht – keine Anrede, keine Erklärung… Wie auch immer, sicher ist, auch er hat das „Problem“ erkannt.