Glennkill

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Scha(r)f

Ein Schäfer wird tot aufgefunden. In seiner Brust steckt ein Spaten. Nach kurzem Hin und Her nimmt sich Miss Mapel mit ihrem Team der Sache an. Sie wollen den Mörder überführen. Denn es ist nicht irgendein Schäfer, der da tot vor ihnen liegt. Es ist ihr Schäfer.

Miss Mapel ist das klügste Schaf der Herde, vielleicht das klügste Schaf von Glennkill und möglicherweise sogar das klügste Schaf der Welt. […]

Bei ihren Ermittlungen braucht sie die Mitarbeit von Moppel the Whale, dem Gedächtnisschaf:

[…] Was er sich einmal gemerkt hat, vergisst er nie. Ein sehr dicker Merinowidder mit runden, geschneckten Hörnern, der praktisch immer Hunger hat. […]

Auch Othello

[…] ein schwarzer Hebridean-Vierhornwidder mit geheimnisvoller Vergangenheit. […]

zeigt sich als wertvolle Hilfe bei den Recherchen. Des Weiteren tragen Sir Ritchfield, der betagte Leitwidder, Maude, mit dem hervorragenden Geruchssinn, Cloud, „das wolligste Schaf der Herde“, Melmoth, „ein legendärer verschwundener Widder“, um nur einige Ermittler der Sonderkommission (der Schafherde) zu nennen, ihren Teil dazu bei, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Für ihre Ermittlungsarbeit müssen sich die Schafe auf ungewohntes Terrain begeben. Dabei beobachten sie die merkwürdigsten Dinge. Zum Beispiel werden auf Gottes Acker Menschen gesät. Auch George, ihren Schäfer, haben die Menschen dort vergraben.

Apropos Gott: Othello ermittelt in Gottes (sehr großem) Haus. Wie sich später herausstellt, hat Gott, ein Verdächtiger mit auffällig langer Nase, sich offensichtlich mit jemandem zu einem konspirativen Gespräch im Beichtstuhl verabredet. Klugerweise hat Othello aber dessen Platz eingenommen. Als Gott dem eigenartigen Geruch aus der Zelle für die Beichtenden nachgeht und den Vorhang vor Othello wegzieht, glaubt er den Widerpart des Allmächtigen vor sich und stürzt aus der Kirche. Auf Gott, dem Pfarrer, wird diese Begegnung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Wie bei vielen Ermittlungsarbeiten, laufen auch diese nicht ganz ohne „kleinere“ Kollateralschäden ab. Der Metzger, groß und kräftig von Statur, der die Schafe ohne Aufsicht weiß, stürzt (warum auch immer) die die Weide an einer Seite eingrenzenden Klippen herunter. Fortan fährt er mit einem rollenden Stuhl durch die Gegend.

Doch die SOKO lässt sich von solchen Dingen nicht lange irritieren. Denn ohne George und dessen Hirtenhund sind sie auf sich allein gestellt. Immer wieder werden sie nun mit Neuerungen konfrontiert. Ihr früheres, geregeltes Leben mit George, der ihnen sogar Geschichten vorgelesen hat, ist leider passé.

Dem Schaf wird allgemein hin kein detektivisches Können unterstellt. Doch die SOKO Glennkill beweist, das diese Binsenweisheit auf sie nicht zutrifft. Denn im Gegensatz zum ermittelnden Inspektor Holmes finden sie heraus, wer der Mörder ist. Es bleibt allerdings das Problem: Wie „sagt“ Schaf das den Leuten im Dorf? Menschen beherrschen die Sprache der Schafe nicht. Menschen sind dumm (das behaupte ich, nicht die SOKO Glennkill).

Nach einer kurzen Lagebesprechung einigt sich die SOKO darauf, den Smartest-Sheep-of-Glennkill-Contest in der Festhalle des Mad Boar dafür zu nutzen. Sofort beginnen sie, sich dafür gezielt vorzubereiten. Ihr Plan: Die Mordszene, mit allen Möglichkeiten die die Theaterkunst bietet, nachzuspielen. Und fast nebenbei beweist die SOKO, das Schafe nicht nur hervorragende Ermittler, sondern auch extrem gute Schauspieler sind…

Glennkill ist ein Schafskrimi, wie ich ihn nie zuvor gelesen habe. Dieser Schafskrimi von Leonie Swann, ist in der Tat außergewöhnlich. Ein Krimi, betrachtet aus einer anderen Perspektive. Er bietet alles, was einen Schafskrimi ausmacht: einen Toten, idyllische Abgeschiedenheit, dörfliches Gezänk erwachsen aus mangelnder Toleranz – und Schafe. Glennkill ist leichter Lesestoff mit einer angenehmen Brise Humor.