Eine Geschichte von der Treue

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Rosarote Rose (18.10.2012, 72)

»Haben sie eine Treuekarte?«, fragte sie unvermittelt. Ich schluckte. »Eine Treuekarte?«, wiederholte ich an meinem Gehör zweifelnd. »Ja!«, in ihrem Blick lag Ungeduld und Entschlossenheit. »Nein«, antwortete ich. Ich muss kleinlaut gewirkt haben. »Wollen sie eine?«, kam es beinahe herausfordernd von ihr zurück. »Wenn das so einfach geht…«, ich stockte, ihre Augen hatten sich in die meinigen hineingebohrt, »…mit der Treuekarte«, fügte ich dennoch leise hinzu.

Sie verengte ihre Augen zu schmalen Schlitzen. Höchtstrafe!, lautete das Urteil. Ihr Gesichtsausdruck hatte es vorweggenommen. Nach einer Weile begann sie langsam ihren Kopf zu schütteln. Es wirkte wie Mitleid. »Ich schaue mal«, sagte sie und begann in einem Stapel merkzettelgroßer Karteikarten zu blättern. Ich schöpfte Hoffnung.

»Oh! Tut mir leid!«, aus ihrem Mund klang das aber eher wie: Das war mir doch von Anfang an klar! »Ich kann ihnen leider keine Treuekarte geben«, lies sie mich fast schon triumphierend wissen. Ich bin mir zwar nach wie vor keiner Schuld bewusst, aber ich habe schon so etwas geahnt. »Treuekarten gibt´s nicht für Glasflaschen«, hatte sie mir noch auf meinen weiteren Lebens-Weg gegeben.

Ich habe die drei Kisten mit Mineralwasser gefüllten Glasflaschen trotzdem gekauft.