Ein Weihnachtsbaum auf Rädern

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Grußworte und Laudationes zu schreiben, gehört zu meinem Job. Ich habe mich hier so oft darüber ausgelassen, dass ich es dabei eigentlich bewenden lassen wollte. Doch neulich meinte ein guter Freund zu mir: »Willst du die Texte nicht mal für die Nachwelt archivieren?« Das hat mich nachdenklich gestimmt. All die Energie verpufft – in einer Totholzfestschrift oder in einer einzigen Rede, die ich noch nicht mal gehalten habe. Das ändere ich ab sofort, beschloss ich einstimmig.

Hier, heute und nachstehend also ein Text, der beinahe auch den Weg ins Nirwana angetreten hätte. Geschrieben habe ich ihn für luegde.de. Dann aber kam die hausinterne Zensur daher und kürzte ihn schnipp-schnapp gleich um mehrere Absätze. Geblieben ist die Kurzfassung vom „Weihnachtsbaum auf Rädern“. Doch die Zensoren haben die Rechnung ohne soheit.de gemacht. Da ist sie, die leicht modifizierte Vollversion von der Vorweihnachtsgeschichte:

Weihnachtsbaum auf Rädern (28.11.2012, 6520)

Frau kennt das ja: Die Suche nach einem geeigneten Weihnachtsbaum gestaltet sich mitunter ziemlich problematisch. Australische Wissenschaftler (oder waren das andamanische?) sollen nach jahrelangen Recherchen herausgefunden haben, dass die Suche nach dem passenden Baum zum Weihnachtfest zu den drei größten Stressfaktoren in der Vorweihnachtszeit gehört (1). Das hätte ich den Wissenschaftlern auch vorher sagen können, werdet Ihr vielleicht jetzt denken. Ich auch.

Auf jeden Fall ist mir mittlerweile klar geworden, warum in den Weihnachtskarten so oft von Wünschen nach einer friedvollen und ruhigen Weihnachtszeit zu lesen ist. Vermutlich ist da die eigene Sehnsucht die Mutter des Gedanken, weil die Absender von eigenen, tiefgreifenden Erfahrungen bei der Weihnachtsbaumbeschaffung für´s Leben geprägt wurden.

Die Suche nach DEM Weihnachtsbaum der Weihnachtsbäume ist auch ein aufreibender Job. Denn das Anforderungsprofil an ihn ist hoch: Er muss die richtige Größe, die ideale Figur und auch das richtige Outfit haben – er muss einfach Klasse haben. Und natürlich soll er lange knackig bleiben. Woran erinnert mich das jetzt? Egal.

Ist er erstmal dingfest gemacht, gilt es, die nächste Hürde zu überwinden: Wie bekomme ich ihn dazu, in meine Wohnung zu kommen? Jadoch, ich bin noch beim Weihnachts-Mann, äh Baum! – Ein sehr enges Treppenhaus, schmale Türen oder ein unzureichendes Transportgerät – all das sind Kriterien, die bei der Auswahl schnell vergessen werden. Wem will man das verdenken? Da hat frau ihn endlich gefunden, den Prachtvollen, den Idealen – und dann soll sie sich mit solchen „Nebensächlichkeiten“ aufhalten oder gar vom Erwerb abhalten lassen?

Auch meine Kollegen vom Bauhof müssen sich jedes Jahr einmal dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellen – mit einer unwesentlichen Abweichung. Der Lügder Marktplatz ist ein bisschen größer als das gemeine Wohnzimmer. Dafür müssen sie aber keine schmalen Treppenhäuser oder Türen mit dem Weihnachtsbaum überwinden, könnte man jetzt argumentieren. Das stimmt. Doch schaut Euch mal das Foto oben an:

Wie haben meine Kollegen es bloß geschafft, mit dem Weihnachtsbaum auf dem LKW bis zum Lügder Marktplatz zu kommen? Ich weiß nicht, wo sie mit ihm entlang gefahren sind, aber bei der stattlichen Größe des Baumes und den vielen Bahnunterführungen und Tunnel die wir in Lügde haben, war das sicherlich kein leichtes Unterfangen.

Wie dem auch sei, ich wünsche Euch eine schöne Vorweihnachtszeit und eine entspannte Weihnachtsbaumbeschaffung.

(1): Ich grübele jetzt schon den ganzen Tag darüber nach, wo zum [PIEP!] ich das gelesen habe.