Ehe frau sich versieht, ist frau Ehefrau!

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Wie meinen?, werden sich bei der Überschrift vermutlich einige fragen. Das heißt, eigentlich würden sie das ja nicht sich, sondern mich fragen. – Aber lasst mich endlich zur Sache kommen.

Eine Kollegin von mir hat am Freitag den 13. geheiratet. Also sie hat nicht den 13., sondern an einem 13. geheiratet. Ich hätte auch schreiben können: sie hat letzten Freitag geheiratet. Was ich aber traurig finden würde, wenn dem so wird. – Machen wir es kurz: sie hat sich am 13. April 2012 vermählen lassen – von einem Standesbeamten – mit einem Mann – jetzt ihr Mann (frau beachte das besitzanzeigende Ver-Fürwort: ihr!).

Mir wurde die Aufgabe übertragen, das im Intranet kund zu tun. Nicht die Besitzanzeige, die Trauung! Dass das durchaus mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein kann, versuche ich nachstehend zu verklären.

Ich begann mit der Überschrift: „Ehe frau sich versieht, ist frau Ehefrau!“ Wenn ich geschrieben hätte: „Ehe man sich versieht, ist man Ehemann“, hätten mich alle sofort verstanden. Aber dann hätte die Aussage einen anderen Blickwinkel gehabt. Ich bin im Text nicht weiter auf die Problematik eingegangen. Es hätte sie nur vergrößert.

Ich habe mir auch erspart, das Wort „versieht“ in diesem Kontext zu definieren. Ehe frau sich versieht, verguckt, vertut – hat sie jemanden geehelicht? Auweia: Die Heirat als Prophylaxe?

[…] ehe man sichs versieht (veraltend für schneller, als man erwartet) […]

erklärt uns der Duden. Aber der Duden spricht nur von dem einfachen Mann, jenen mit nur einem N. Ziemlich komplizierte Sache dachte ich, und beschloss den Raum nicht zu erschließen. Das heißt, ich überließ es den Kolleginnen und Kollegen (besonders den Kolleginnen) ihn zu entdecken und bei Bedarf mit eigenen Interpretationen zu bestuhlen.

Nach ein paar holprigen Zeilen fand ich mich von eigenen Worten verirrt und versuchte in meiner Not einen Schlusspunkt zu setzen. Natürlich nicht, ohne ein paar rührende Worte davor zu stellen:

Liebe [XX], wir, Deine Kolleginnen und Kollegen, egal ob Ehefrauen, Ehemänner, junge Gesellinnen oder altgebliebene Junggesellen gratulieren Dir und [XY] ganz herzlich zu Eurer Hochzeit!

In der ursprünglichen Textfassung war die Aufzählung der Kondolierenden etwas länger: da war noch von Geschiedenen und Getriebenen die Rede. Allein (wie ich war), mir war die Lust am Definieren vergangen. Und noch mehr Räume für Spekulantinnen wollte ich partout nicht eröffnen.

Jadoch! Ich habe darüber nachgedacht, ob ich nicht besser „junggebliebene Altgesellen“ statt „altgebliebene Junggesellen“ hätte schreiben sollen. Denn wie soll das gehen: altgeblieben, also alt bleiben? Es lässt sich doch eher jung bleiben. Dagegen spricht aber: junge Altgesellen wie der Eckat von Meister Schurich arbeiten in einer ganz anderen Werkstatt.

Ihr seht, es ist nicht einfach Besitzanzeigen zu dokumentieren. Mann sollte halt nicht von Dingen schreiben, wovor Mann große Angst hat.