Die Stadt der Träumenden Bücher

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Bücherrücken (22.12.2012, 5)

Werde ich auch mal nur noch Bücher in digitaler Form lesen?, habe ich mich schon häufiger gefragt. Trotz großer Begeisterung für iPad & CoKG – von Belletristik in gedruckter, gebundener Form mag ich mich noch nicht recht trennen. Die Haptik eines Einbandes, der Buchseiten, der Geruch des Papiers – das sind so Dinge, die bei mir noch immer eine gewisse Faszination auslösen.

Außerdem: Analoge „Bücher können alles – sogar töten!“. Ihr glaubt mir nicht? Wahrlich ich sage Euch: Es gibt sogar lebende Bücher! Wirklich! Lest den Roman „Die Stadt der Träumenden Bücher“! Aber wenn ich Euch dazu einen Rat geben darf: Ihr solltet ihn in analoger Form einnehmen. Ich persönlich glaube zwar, dass das viel gefährlicher ist, aber dafür ist auch die Wirkung intensiver.

„Übersetzer“ des Werkes ist übrigens Walter Moers. Walter Moers kannte ich bislang nur als den „Vater“ vom „Kleinen Arschloch“. Ich habe mal eine Ausgabe von „Schöner Leben mit dem Kleinen Arschloch“ abonniert. Das ist „Ein umfassender Ratgeber für alle Aspekte modernern menschlichen Daseins; mit zahlreichen Abbildungen und unter besonderer Berücksichtiung von Sex, Drogen & Alkohol“ – wird dem Leser auf dem Buchdeckel erklärt. Nach die Studium dieser Ausgabe war ich geholfen.

Zurück zur Stadt der Träumenden Bücher: Die gibt es, Ihr ahnt es schon, tatsächlich. Sie heißt Buchhaim. Das klingt jetzt weder spannend noch gefährlich. Aber Obacht! Das täuscht. Wenn Bochum einen Pulsschlag aus Stahl hat, dann hat Buchhaim einen Pulsschlag aus Papier – Buchpapier. Bevor Ihr falsche Schlüsse zieht: Ich selbst war noch nie dort. Wenn ich das richtig recherchiert habe, kennt auch Walter Moers die Stadt nur von seiner Arbeit als Übersetzer.

Denn Autor des Buches „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist Hildegunst von Mythenmetz, ein ungemein genialer, schriftstellender Lindwurm. Nebenbei: Sein Dichtpate war der berühmte Danzelot von Silbendrechsler. Ja, genau, der Verfasser des großartigen Werkes „Vom Gartengenuß“! Von Mythenmetz berichtet zwar, das von Silbendrechsler nur dieses eine Buch geschrieben habe, jedoch die Art und Weise wie Danzelot von Silbendrechsler darin „in eindrücklicher Sprache die Fettwucherung des Blumenkohls und die philosophischen Implikationen der Kompostierung thematisiert“ (1) – das muss der Glanz sein!

Entschuldigt, ich war bei der Stadt Buchhaim. Im Gegensatz zu mir hat von Mytenmetz die Stadt schon bereist – den oberen, wie den unteren Teil. In seinem „Reisebericht“ schreibt H.v.Mythenmetz, wie der Begriff die „Träumenden Bücher“ zu interpretieren sei:

So nannte man in dieser Stadt die antiquarischen Bestände, weil sie aus der Sicht der Händler nicht mehr richtig lebendig und noch nicht richtig tot waren, sondern sich in einem Zwischenzustand befanden, der dem Schlafen ähnelte. (2)

Was aber macht dieses Buchhaim, diese Stadt der Träumenden Bücher so außergewöhnlich? Es ist wohl vor allem jener oben eben erwähnte „untere Teil“ der Stadt. Dort in der Untenwelt, in dem Geflecht von riesigen Labyrinthen lagert ein gigantischer Bestand an Büchern. Aber wenn man Mythenmetzes Schilderungen in seinem „Reisebericht“ glauben schenken mag, dann sind dort nicht nur Bücher von unschätzbaren Wert zu finden, sondern auch äußerst fiese Lebensformen, die selbst das menschliche Vorstellungsvermögen nicht zu kreieren vermag.

Vielleicht fragt Ihr Euch, was H.v.Mythenmetz dazu bewogen hat dieses Buchhaim mit seinen Labyrinthen zu besichtigen. Vorweg, freiwillig hat v.Mythenmetz diese gruseligen Katakomben in der Untenwelt von Buchhaim ganz sicher nicht aufgesucht, erfahren wir aus seinem Bericht. Von Mythenmetz war auf der Suche nach dem Verfasser einiger über-zamonisch-brillianten Verse – und wurde Opfer der Haifischmade Phistomefel Smeik.

So Leute, mehr erzähle ich Euch nicht von dem Buch. Die Stadt der Träumenden Bücher ist ein „Reisebericht“, der vor allem eines ist – unglaublich phantasiereich. Herrlich sind auch die vielen kleinen Details, wie der Auftritt der „Nachfolger“ von Goethe, Poe, Rilke und v.Droste-Hülshoff. Ich denke, ich kann das so feststellen: Der Autor des Werkes, Walter Moers, entschuldigt, Hildegunst von Mythenmetz, muss vom Orm durchdrungen sein.

Wie jetzt? Was das ist, das Orm, wollt Ihr jetzt wissen? Pah! Lest das Buch und Ihr bekommt eine Ahnung davon.

  • (1) Hildegunst von Mythenmetz: Die Stadt der Träumenden Bücher, Seite 12.
  • (2) Ebenda, Seite 32.

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