Die Nautik und der Mensch

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Blick auf den
Schiederssee

Du bist aber auch achterlicher als querab!

Wasser gehört, außer zur Deckung von Grundbedürfnissen, nicht zu meinem Element. Sport, auf der Basis von Wasser, finde ich öde. Dabei war ich sogar mal Reeder. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir halten also fest: Sport ja, aber das Wasser bitte nur zum Trinken und zum Duschen.

Dennoch gelang es vergangene Woche meinem Kollegen, mich für die Nautik zu begeistern. Ich habe das für mich Trocken-Nautik genannt, weil ich trotz großer Lernfortschritte nicht vor habe, von meinem zuvor genannten Verhaltenskodex abzuweichen.

Wikipedia behauptet: „Ein bedeutender Teil der Steuermannskunst [was wiederum Teil der Nautik ist] ist die Navigation“. Eine Unteraufgabe der Navigation ist die „Bestimmung der Geschwindigkeit FüG, FdW“. FüG FdW? Was ist das? Keine Panik, der Mann vom Trockendock erklärt es Euch.

Die Abkürzung FdW ist noch einfach aufzulösen. Sie steht für: Fahrt durchs Wasser. Aber was heißt FüG? Diese Abkürzung steht für: Fahrt über Grund. Ich betone: über Grund, nicht auf Grund.

Ich habe mich gefragt: Was soll das mit dem Grund, wenn man eine Handbreit Wasser unterm Kiel hat? Aber:

[…] ein an Land festgemachtes, in einer Strömung (z.B. Fluss) liegendes Fahrzeug [macht] keine Fahrt über Grund, aber Fahrt durchs Wasser […]

…erklärt Wikipedia. Unterstellen wir also mal, das Schiff ist nicht gerade am Land festgemacht, sondern auf hoher Schieder-See. Wir sehen das Schiff mitten auf dem See, die Segel vom lippischen Landwind aufgebläht, krachend, stampfend gegen kleinkinderfußhohe Wellen kämpfend. Aber trotz beeindruckender Szenerie und allem Getue kömmt das Schiff nicht von der Stelle. Seit einer Viertelstunde befindet es sich auf der Höhe des Restaurants Breitengrad. Treffsicher können wir dann feststellen: Jenes Schieder-Hochseeschiff macht keine Fahrt über Grund.

Damit haben wir das geklärt. Doch was macht die Nautik für ein Lipper-Landei wie mich so interessant? Was macht die Nautik zur Trocken-Nautik?

Nach der ersten Unterrichtseinheit, beim Verlassen des Klassenraumes, rief mein Kollege und Nautik-Lehrer über seine Schulter hinweg seinem gelehrigen Schöler noch zu: »Ich kenne auch Menschen, die keine Fahrt über Grund machen.«

Augenblicklich sah ich statt dem gegen Wellen stampfendem Hochseeschiff einen fein rausgeputzten Menschen vor meinem geistigen Augen. Er gebärdet sich, als sei er wie die Gorch Fock unter Segeln, doch selbst bewegt er nichts. Wenn man genau hinschaut, findet man sie gar nicht mal selten – Leute, die keine Fahrt über Grund machen.

Übrigensens: Es gibt auch Menschen, die sind „achterlicher als querab“. Aber davon vielleicht später.

Schöne Pfingsten noch.