Bis dann M.

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Na M., hast du´s wiedererkannt? Weißt du noch, wann du mir das Stethoskop geschenkt hast? Vor rund 16 Jahren war das, einige Monate nachdem wir uns kennen gelernt haben. Als wir Freunde wurden.

Weißt du noch, wie wir hier bei mir mal gesessen sind und uns alte Scheiben angehört haben? Meine damalige Freundin hatte sich gerade von mir getrennt. Nach dem Stück „Am Fenster“ von City sinnierten wir stundenlang über die Textpassage: „Einmal wissen dieses bleibt für immer“. Wir sprachen von Trennung und Tod. Obwohl der Abend weit über zehn Jahre zurückliegt weiß ich noch, wie sehr mich deinen Gedanken vieles klarer haben sehen lassen, und wie sehr ich mich innerlich dennoch weigerte, die Endlichkeit von Dingen anzuerkennen.

Weißt du noch, als du mir das „Handbuch der Moral“ von Epiktet geschenkt hast, als du mich später gefragt hast, ob ich daraus etwas für mich „mitnehmen“ konnte? Ich habe behauptet, dass ich vieles verstanden hätte. »Es dauert eine Weile, bis man das wirklich verinnerlicht hat«, meintest du damals.

Bei allem, was dir Freude macht, was dir nützlich ist oder was du gern hast, denke daran, dir immer wieder zu sagen, was es eigentlich ist. […] Wenn du dein Kind oder deine Frau küßt, dann sage dir: «Es ist ein Mensch, den du küßt.» Dann wirst du deine Fassung nicht verlieren, wenn er stirbt.

[Quelle: Epiktet, Handbuch der Moral, philo.uni-saarland.de]

„…dann wirst du deine Fassung nicht verlieren, wenn er stirbt.“ Das ist nicht so leicht, wie es sich liest. Du weißt, einige meiner Lieben sind zwischenzeitlich gestorben. Wie das bei guten Freunden so ist, hattest du auch in solchen Zeiten immer ein Ohr für mich.

Vor zwei Tagen bist du gestorben. In deinen letzten Wochen musstest du unglaubliche Schmerzen ertragen. Deinen Humor konnten sie nicht brechen. Vergangenen Montag habe ich dir als Inspiration noch den Link zu den Oldtimer-Fotos geschickt, woraufhin du mir geantwortet hast: „Die sind fast so gut, wie die von mir…“ Du Nase!

Was bitteschön hatten wir abgemacht? Du beisst dich durch die Krankheit und danach machen wir als erstes eine Fotoserie von deiner „neuen“ Ente.

Eine Ente im Fluß

Deine ist Baujahr 1964, richtig? Als nächstes wollten wir deinen schönen Wohnort mit seinen Unmengen an liebevollen Details fotografieren. Das habe ich mir fest vorgenommen – du dir sicher auch. Nun gibt es hier eine andere Fotoserie – eine, die mich an dich erinnert. Angefangen von einigen Fotos, die ich kurz nach der Nachricht von deinem Tod aufgenommen habe, bis… Du würdest darüber wieder über das ganze Gesicht grinsen. Und ich würde aus deinem Gesicht lesen: »Reichlich melodramatisch, findest du nicht?« Ja M., mag sein.

Vielleicht kannst du das hier lesen. Ich will das einfach glauben. – Danke für alles! Du warst mir ein Freund, wie ich ihn jeden Menschen wünsche.

Bis dann M.