Ärmelschoner statt Krawatte

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Oh!

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail mit diesem Inhalt:

Sehr geehrter Herr Thiele,

Herr Müller [1] bat mich darum, Ihnen den Termin für die nächste Sitzung des [ganz wichtiges Gremium] per Mail zu bestätigen. Wir tagen am […].04.2012, […] Uhr in den Räumen unseres Hauses [Adresse].

Wir freuen uns über Ihren ca. 20 min. Vortrag.

Natürlich lassen wir Ihnen zu gegebener Zeit (ca. 4 Wochen vor der Veranstaltung) eine Einladung zukommen. Ich würde Sie zudem bitten, mir Ihre Präsentation vorab zur Verfügung zu stellen. Bitte geben Sie mir Bescheid ob Sie einen Laptop bzw. Beamer benötigen.

Sofern Sie Fragen haben, melden Sie sich doch einfach bei mir. […]

Der Adressat der E-Mail ist ein Vertreter der Geschäftsführung einer großen, wichtigen Einrichtung. Doch das machte mir die Sache nicht schmackhafter:

»*Was? PowerPoint-Präsentation? Was glauben die wer ich bin?*«, empörte ich mich lautstark. Ich konnte mir das erlauben, denn ich war gerade allein im Büro. Doch ich war noch nicht fertig: »Meine Vorträge halte ich stehend frei! Von links, rechts, oben oder unten auf die Leinwand einschwebende Gedächtnisstützen habe ich nicht nötig!«, ereiferte ich mich weiter. »Ich brauche keine Präsentation, ich lebe meine Worte!«

Wer mal in den Hochgenuss eines meiner Vorträge gekommen ist weiß: Ich bin der Filmvorführer im Kopfkino meiner Zuhörerinnen und Zuhören. Man ist berauscht, Frau hängt mir an den Lippen – meine Vorträge sind wie ein Aphrodisiakum für die Kognition. – Die Hände in den Taschen zu Fäusten geballt griff ich zur Tastatur und antwortete mit typisch lippischen Understatement:

Sehr geehrter Herr Meier [2],

meinen Sie wirklich mich? Mich, das kleine aber sehr fleißige Zahnrad im großen Getriebe der Stadt Lügde?

Gleichwohl: Selbstverständlich kann ich auch Vorträge halten. Gerne würde ich zum Beispiel mal über das Thema “Medienkompetenz von Führungskräften” referieren.

Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich ein bisschen “spitz” reagiere. Aber ich konnte mir den Scherz nicht verkneifen. Ich denke aber, Sie meinen einen Herrn Thiele der Krawatte trägt und nicht mich, der stattdessen Ärmelschoner bevorzugt.

[1] Name geändert – the director himself.

[2] Name geändert – besagter Vertreter der Geschäftsführung.