Wer fotografiert, bekommt weniger mit

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Sonnenlicht fällt in den
Wald

…und die andern steh´n im Licht.

»Ich habe früher auch viel fotografiert, aber dann habe ich festgestellt, wenn man fotografiert, bekommt man weniger mit«, meinte Jannick, als wir kürzlich die Illumina besuchten und ich versuchte, bei den vielen, schönen Motiven den Überblick zu behalten. Jannick ist zwölf. Ich habe über die Erfahrung des jungen Mannes zunächst nicht weiter nachgedacht.

Ein paar Tage später unterhielt ich mich mit meinem Bruder über die Illumina. Dabei erwähnte er einige Darbietungen, die ich nur am Rande wahrgenommen habe. Das ärgerte mich, weil mich die Attraktionen, so wie er sie schilderte, sicherlich auch begeistert hätten. »Du hast das bestimmt nicht so mitbekommen, weil du ständig die Kamera im Anschlag hattest«, vermutete mein Bruder.

Einige Tage danach erzählte mir meine Schwester von ihrem Urlaub. Nebenbei berichtete sie von einem Familienvater, der ständig die Kamera vor der Nase hatte und darüber seine Frau und seine beiden Kinder zu vergessen schien. Meine Schwester war sich sicher: »Wenn seine Frau ihn nicht immer mal wieder „eingesammelt“ hätte, wäre er verloren gegangen.«

Der wichtigste Grund weshalb ich fotografiere ist: Ich möchte mit anderen die Freude an den Motiven teilen. Wenn ich die Fotos nicht hier, bei soheit.de publizieren könnte, wäre für mich der Anreiz zu fotografieren nur noch sehr gering. Digitale Fotos im Netz kann man halt schneller und einfacher hervorkramen als Fotoalben oder oder Diaboxen. Sicher, bei der Auswahl der Motive für´s „Internet-Album“ sollte man schon etwas achtsamer sein…

Was kann man sonst noch mit Fotos machen? Texte mit ihnen schmücken, Argumente versinnbildlichen, Dokumentationen optisch untermauern und so weiter. Und mit welchem Medium lässt sich das einfacher machen als mit dem Internet? Und auch hier steht für mich ein Gedanke im Vordergrund: Nirgends kann ich mit so vielen anderen Menschen teilen als im Internet.

Und trotzdem hat mich Jannick mit seiner Aussage verunsichert: Wer fotografiert, bekommt weniger mit. Ich glaube, er hat recht. Es bleibt etwas auf der Strecke, wenn man ständig mit der Kamera auf der Suche nach einem schönen Motiv ist. Ich frage mich: Bin ich bereit das in der Gegenwart, also beim Fotografieren in Kauf zu nehmen, um in der Zukunft mit anderen die Freude an dem ein oder anderen schönen Foto zu teilen? Ich denke, das bin ich. Wobei ich aber künftig mehr auf die Dosierung achten werde.