Lügde spart: Was haben wir gelernt?

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Das Projekt „Lügde spart“ wird im Internet von dem Webangebot „luegde-spart.lippeblogs.de“ begleitet. Mehrfach ist mir gesagt worden, das Webangebot habe nicht sehr viel zum Projekt beigetragen: »Du siehst doch, wie wenig da passiert.« Das sei auch ein Beweis dafür, dass man mit dem Internet nicht mehr Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen bewegen könne, hieß es dazu oft.

Ich glaube: Wenn das Webangebot „luegde-spart.lippeblogs.de“ nicht so erfolgreich ist, wie sich das viele vielleicht gewünscht haben, dann liegt das weder an den Bürgerinnen und Bürgern, noch am Internet. Woran es aber möglicherweise gelegen hat, das möchte ich mit diesen Artikel versuchen aufzuzeigen.

Kurz zur Vorgeschichte:

Antrag auf Bürgerbeteiligung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung“ lautet ein Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Lügder Rates vom 5. Juli 2010. In dem Beschluss dazu heißt es:

Der Bürgermeister ruft die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lügde auf, sich aktiv am Prozess der Haushaltskonsolidierung zu beteiligen. In Werkstattgesprächen wird den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit gegeben, sich über die finanzielle Situation und erforderliche Sparmaßnahmen eingehend zu informieren. Es wird Gelegenheit gegeben, eigene Sparvorschläge zu präsentieren. Die Werkstattgespräche sollen an zwei verschiedenen Terminen und Orten stattfinden, um eine möglichst breite Teilnahme zu gewährleisten. Die Realisierung erfolgt im Oktober 2010.

Auf der Internetseite der Stadt Lügde wird ein Forum eröffnet, in dem Bürgerinnen und Bürger eigene Sparvorschläge veröffentlichen können.

[Quelle: luegde.de] Das in dem Zitat erwähnte „Forum“ ist das Webangebot: „luegde-spart.lippeblogs.de“.

Vorweg:

Die Idee, Bürgerinnen und Bürger bei dem Projekt „Lügde spart“ mitwirken zu lassen, ist gut. Ausgezeichnet finde ich auch die Idee, es den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, sich über das Netz daran zu beteiligen.

Die Stadt: eine Aufgabe, zwei Seiten

Nach meiner Beobachtung sind es die Bürgerinnen und Bürger in Lügde jedoch nicht gewohnt, dass Politik und Verwaltung wirklich so „interagieren“ wollen. Wenn man aber ernsthaft will, dass die Bürgerinnen und Bürger mitmachen, dann muss man Akzente setzen, die das deutlich erkennen lassen.

Um es salopp zu formulieren: Es reicht nicht, einfach ein Webangebot ins Netz zu stellen und zu sagen: „So, hier könnt ihr eure eigenen Sparvorschläge veröffentlichen lassen.“

Ich finde es viel besser, erst einmal darzulegen, welche Gedanken man sich selbst zum Thema gemacht hat: Schaut, wir müssen sparen. Wir haben uns schon den Kopf darüber zerbrochen, wo und wie wir das machen können. Hier sind unsere Vorschläge. Was sagt ihr dazu?

Irgendjemand berichtete mir, es sei Absicht gewesen, die Vorschläge aus Politik und Verwaltung nicht in luegde-spart.lippeblogs.de zu präsentieren. Man wolle die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger durch die Vorschläge aus Politik und Verwaltung nicht beeinflussen, man wolle nicht ablenken.

Da ist etwas dran: Je einschneidender die Sparvorschläge aus Politik und Verwaltung gewesen wären, desto mehr hätten sich möglicherweise die Bürgerinnen und Bürger zunächst damit auseinandergesetzt. Doch: Was ist daran schlecht? Mit einer guten Moderation hätte man dem vermeintlichen Problem entgegenwirken können. Aber leider ist das Webangebot nicht moderiert worden.

Ironisch-Provokativ könnte man feststellen: luegde-spart.lippeblogs.de entspricht weitestgehend dem Ratsbeschluss. Das Webangebot ist ein Forum, ein Marktplatz, auf „dem Bürgerinnen und Bürger eigene Sparvorschläge veröffentlichen [lassen] können.“ – Für Politik und Verwaltung war das Forum nicht gedacht.

Ich mag mir nicht vorstellen, dass das so gewollt ist. Ein Thema, eine Aufgabe, zwei Seiten: Auf der einen die Politik und die Verwaltung, auf der anderen Seite die Bürgerinnen und Bürger. Es wird nicht miteinander diskutiert, sondern parallel. Wenn Bürgerinnen und Bürger von „der Stadt“ reden und sich selbst damit nicht meinen, darf man sich nicht wundern – hier ist eine Erklärung.

Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen

Das Webangebot „luegde-spart.lippeblogs.de“ hätte sich ideal dazu angeboten darüber zu erklären: Wie funktioniert eigentlich der Haushalt, das Finanzwesen einer Stadt? Und: Welche Ersparnisse bringen die jeweiligen Sparvorschläge überhaupt? Von welchen Summen reden wir hier?

Mit der Website hätte man auch prima aufzeigen können: Was sind eigentlich klassische Aufgaben einer Stadt, und welche Aufgaben nicht? An welchen Stellschrauben lässt sich gut drehen, und an welchen nicht?

Ja, das hätte eine Menge Arbeit erfordert. Aber es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Bürgerinnen und Bürger über die für sie oft diffusen Themenkomplexe zu informieren. Ich glaube, transparentes Handeln schafft nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch Nähe. Und ganz nebenbei motiviert es zum Mitmachen.

Was bringt mir das?

Tatsächlich ist das Webangebot luegde-spart.lippeblogs.de leider nur ein Sammelplatz für Sparvorschläge der Bürgerinnen und Bürger. Die Verwaltung stellt die von den Bürgerinnen und Bürgern eingereichte Sparvorschläge ein, und die Bürgerinnen und Bürger können diese kommentieren und auch darüber abstimmen. Rückmeldungen seitens der Verwaltung oder der Politik fehlen dort nahezu gänzlich. Dabei sind sie es doch, die sich von den Bürgerinnen und Bürgern Lösungsvorschläge erhoffen.

Wie kommt das bei den Bürgerinnen und Bürgern an? Bei mir so: Ich soll mich hier einbringen, und von denen kommt nichts. Was bringt mir das? – Wenn ich nicht selbst mitwirke, kann ich nicht erwarten, dass andere das für mich mit großem Eifer und auf Dauer tun werden.

Der fade Beigeschmack

Ich bin davon überzeugt, auch in einem digitalem Angebot wollen die Kunden angesprochen werden. Vor allem dann, wenn man sie einbinden, mitmachen lassen will. Mit Behördendeutsch funktioniert das jedoch nicht. Ebenso wenig sympathisch finde ich, die Leser mögen mir meine ungeschminkte Ausdrucksweise verzeihen, wenn die Sparvorschläge in Form von hingeworfenen Satzbrocken daherkommen.

Nun mag man einwenden: Warum soll ich zu jeden Sparvorschlag einen ausgefeilten Satz bilden? Mir ist der Vorschlag doch so zugesandt worden. Das kann man so sehen, aber Pluspunkte lassen sich damit nicht sammeln. Bei dem Leser erzeugen solche Satzbrocken, wenn auch oft nur unterbewusst, einen faden Beigeschmack.

Auch sperrige Begriffe wie Konsolidierung, Konzern Stadt, Werkstattgespräche klingen in diesem Zusammenhang sehr nach Marketing-Gebimmel. Auch das erzeugt meines Erachtens keine Nähe.

Fazit

Nicht das Internet im Allgemeinen ist der Grund dafür, dass luegde-spart.lippeblogs.de keinen größeren Erfolg hat. Nach meiner Auffassung ist der Grund dafür in der fehlenden Attraktivität des Web-Angebotes zu finden.

In eigener Sache:

Ich verstehe diesen Artikel als eine Art Zwischen- oder auch Nachbesprechung im Sinne von: Was haben wir gelernt? Wie können wir es besser machen? Mir liegt nicht daran, mit diesem Beitrag irgendjemand auf den Schlips zu treten.